Muri

Osterspiel 2014: Auch die Musik wird jammernd schreien

Regisseurin Barbara Schlumpf mit Autor Peter Steinmann (rechts) und Theatermusiker Jimmy Gmür im Klosterhof.ES

Regisseurin Barbara Schlumpf mit Autor Peter Steinmann (rechts) und Theatermusiker Jimmy Gmür im Klosterhof.ES

«La mi beruoren dih», das Osterspiel von Muri, befasst sich aus heutiger Sicht mit den Fragen um Leben und Tod. Über 40 Schauspielerinnen und Schauspieler werden auf der Bühne stehen.

Man muss nichts vom Osterspiel von Muri, diesem ältesten Drama deutscher Sprache, wissen. Man kann sich einfach einlassen in ein Schauspiel von besonderer Güte in einer besonderen Atmosphäre mit einer besonderen Bühne. Das sagt die Regisseurin Barbara Schlumpf.

Sie bringt zusammen mit dem Autor Paul Steinmann, dem Theatermusiker Jimmy Gmür, dem Lichtgestalter Peter Scherz und 41 Schauspielerinnen und Schauspieler aus der Region mit «La mih beruoren dih» ein Stück auf die Bühne, das sich mit den heutigen Fragen um Tod und Leben, Religion und Glauben, Erinnerung und Traum befasst. «Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Sterben», wie sie ausführt.

«Keine Satire übers Sterben. Theater zum mitempfinden, schaudern und zittern, und dennoch lachen – lachen mit, aber nicht lachen über.»

Neue Form suchen

Für viele hat Ostern mit Eiersuchen und Gotthardstau zu tun. «Vielen ist nicht mehr bekannt, dass damit die Auferstehung Christi gefeiert wird», erklärt Autor und Theologe Paul Steinmann. Wolle man das Osterspiel heute aufführen, könne man sich zwar auf eine Tradition berufen (in Muri gab es entsprechende Aufführungen bereits 1971 und 1994) und auf den literaturhistorischen Wert verweisen, «aber damit würde man heute wohl nur wenige Theaterinteressierte auf den Klosterplatz locken und allein mit dem Nachspielen der alten Szenen wäre niemandem gedient.»

Ihn habe deshalb die Frage interessiert, was das Osterspiel heute in uns noch auslöst. «Hat uns die Geschichte von jenem Jesus aus Nazareth, der am Kreuz getötet, in ein Steingrab gelegt wurde und am dritten Tag auferstand, heute noch etwas zu sagen?» Das hätten er und die Regisseurin herausfinden wollen und sich auf entsprechende Fragen eingelassen.

Auch die Frage nach der Darstellung von solchen Themen auf einer grossen Bühne hätten sich deutlich gestellt. «Uns wurde klar, dass wir zum Osterspiel weitere Spielebenen hinzufügen wollten.» Die Aufgabe aller an diesem Projekt Beteiligten sei es, eine Gesamtinszenierung in den Klosterhof zu bringen, die auch das Publikum berührt.

Neben Kostümen (von Madlaina Capatt) und Licht (Peter Scherz) kommt der Musik besondere Bedeutung zu. Theatermusiker Jimmy Gmür suchte nach akustischer Musik, die zur Ostergeschichte passt, «die jammernd schreien, die rasant treiben sowie melancholisch weinen kann und sich letztlich in sphärische Klänge verwandeln lässt.»

Gmür zeigt sich glücklich, dass er mit David Jud an der Klarinette, Michael Bösch und Barbara Kamm an der Violine und am Theremin sowie Thomas Müller am Schlagzeug hervorragende Leute zur Umsetzung seiner Ideen und Kompositionen gewinnen konnte. Ein Theremin ist übrigens ein 1919 erfundenes elektronisches Instrument, das berührungslos gespielt wird und dabei direkt Töne erzeugt.

Noch Helfer gesucht

Gegen 200 Leute sind direkt in die Aufführungen involviert. «Wir wären noch froh um weitere Helferinnen und Helfer», sagt Jakob Strebel, Leiter MuriTheater. Vor und während den Aufführungen vom 23. Juli bis 30. August gibt es jeweils viel zu tun. So muss beispielsweise jedes Mal die spezielle, verspiegelte Bühne eingerichtet und später wieder abgedeckt werden.

Erfreut zeigt sich Strebel einerseits über den grossen Einsatz der Leute, die bereits engagiert sind, und über das Wohlwollen aus der direkten Nachbarschaft. «Die Schule muss sich einschränken, weil wir den Klosterhof belegen, und auch von der Pflegi erhalten wir viel Unterstützung und Verständnis.»

Urs Pilgrim, Präsident von Murikultur, ist überzeugt: «Dieses Erlebnis wird allen unter die Haut gehen.» Mit Steinmann und Schlumpf habe ein «Dream-Team» verpflichtet werden können.

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