Muri
Ortsbürgerhaus hält «ein paar Masse» nicht ein

Gemeinderat prüft, ob und wie die Vorgaben für behindertengerechtes Bauen doch noch erfüllt werden können

Eddy Schambron
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Gegenwärtig wird die Umgebung des Ortsbürgerhauses gestaltet. ES

Gegenwärtig wird die Umgebung des Ortsbürgerhauses gestaltet. ES

Im neuen Mehrfamilienhaus «für altersgerechtes Wohnen» der Ortsbürgergemeinde Muri werden zum Teil Masse, die für behindertengerechtes Bauen vorgeschrieben sind, nicht eingehalten. Deshalb will der Gemeinderat Muri jetzt die Behindertenorganisation Pro Cap und einen Juristen beiziehen, um das weitere Vorgehen abzuklären. Der Fall könnte Folgen für das Architekturbüro haben.

Bäder rausreissen?

Gemeinderat Ueli Frey bestätigt, dass «ein paar Masse» nicht stimmen und dass der Gemeinderat als Baubewilligungsbehörde und, in Vertretung der Ortsbürgergemeinde, als Bauherr daran ist, auch die rechtliche Situation abzuklären. Konkret geht es darum, dass Gangbreiten und Abmessungen in Bädern und gewissen Räumen nicht den Mindestanforderungen für behindertengerechtes Bauen entsprechen, obwohl sie vorgeschrieben sind. Grund sollen breitere Vormauern sein, die für die Lüftung notwendig waren.

Weil sich bei der Bauabnahme herausstellte, dass der gesetzliche Anspruch an behindertengerechtes Bauen nicht in allen Teilen erfüllt ist, wurde das Protokoll mit einem entsprechenden Vorbehalt verfasst. «Wir werden die Situation jetzt mit Pro Cap anschauen», sagt Frey.

Pro Cap ist der grösste Mitgliederverband von und für Menschen mit Handicap in der Schweiz. Auch wenn Pro Cap zum Schluss kommen sollte, dass das Untermass vertretbar ist und die Tauglichkeit der Räume nicht beeinträchtigt, ändert sich nichts an der Situation, dass Vorschriften nicht umfassend erfüllt sind.

Müssen bauliche Massnahmen ergriffen werden, wird es teuer. «Es ist unschön», fasst Frey die Situation zusammen. Erste Sitzungen zwischen Gemeinderat und Architektin haben laut Frey bereits stattgefunden.

Vorgabe ist klar

Die gesetzlichen Vorgaben lassen keine Zweifel aufkommen: «Alle Wohnungen von Mehrfamilienhäusern (Innen-, Neben- und Aussenräume) sind im Innern behindertengerecht zu gestalten, sodass sie mit dem Rollstuhl benutzbar sind», schreibt das Gesetz vor. «Als Mehrfamilienhäuser gelten Gebäude mit vier und mehr Wohneinheiten.»

Das ist im Ortsbürgerhaus am Caspar- Wolf-Weg gegeben; erstellt wurden 13 Wohnungen mit dem Anspruch, alters- und behindertengerecht zu sein. «Darüber gibt es nichts zu diskutieren», unterstreicht auch Frey: «Die Wohnungen müssen die entsprechenden Normen einhalten, wie sie mit der Baubewilligung verknüpft sind.»

Immerhin beruhigt es ihn festzustellen, dass es den Bewohnerinnen und Bewohnern wohl ist im Haus. «Sie sind extrem zufrieden mit den Wohnungen.» Die Rückmeldungen der bisherigen Mieter seien durchwegs positiv.

Einsprachen schon zu Beginn

Das Mehrfamilienhaus der Murianer Ortsbürger hat einen steinigen Weg hinter sich. Während der öffentlichen Auflage im Herbst 2005 gingen sechs Einsprachen von Anwohnern ein. Nach den Einigungsverhandlungen musste die Firsthöhe des geplanten Baus um 1,5 Meter reduziert und mussten die Grenzabstände teilweise angepasst werden. Auch auf die zweite öffentliche Auflage reagierten noch drei der sechs Einsprecher mit einer erneuten Einsprache. Nach rund zehnmonatiger Bauzeit konnte das Mehrfamilienhaus schliesslich im Juni 2009 aufgerichtet und Ende 2010 bezogen werden.