Wohlen
Opfer des Wohler Spanners: «Das hat nichts auf einer Pornoseite verloren»

In Wohlen filmt ein unbekannter Spanner Frauen und stellt die Videos auf Pornoseiten. Er könnte wegen Ehr- und Urheberrechtsverletzung wie auch Persönlichkeitsverletzung bestraft werden – jedoch nicht aufgrund Pornografie. Ein Opfer nimmt Stellung.

Toni Widmer
Drucken
Auf einer Website hat der Wohler Spanner gegen 140 Filme gestellt hat. Die Opfer sind empört: «Mein ganzes Gesicht ist permanent auch drauf», sagt die 26-jährige Ramona.

Auf einer Website hat der Wohler Spanner gegen 140 Filme gestellt hat. Die Opfer sind empört: «Mein ganzes Gesicht ist permanent auch drauf», sagt die 26-jährige Ramona.

telem1/screenshot

Am Freitag wurde bekannt, dass jemand mit online-Pseudonym «Mrcandid» seit rund einem halben Jahr Videos von Frauen ins Internet stellt, die er in Wohlen mit versteckter Kamera gedreht hat. Die Frauen sind bekleidet. Dennoch werden sie als Sexsymbole dargestellt. Sein Ziel sind gut gebaute junge Frauen in engen Jeans oder knappen Shorts. Nicht selten sind die Opfer zu erkennen.

Gefunden worden sind die Videos bisher auf zwei verschiedenen Websites. Die eine ist mit der anderen verlinkt. Die Websites mit den Filmen sind für Pornofilme ausgerichtet. Viele der Frauen haben sich nun bei der Polizei gemeldet. Ein 26-jähriges Opfer sagt gegenüber TeleM1 «Mein ganzes Gesicht ist permanent auch drauf, das hat nichts auf einer Pornoseite verloren.»

Keine «Pornografie»

«Pornografie kann man dem Filmer nicht unterstellen, weil die gefilmten Frauen bekleidet sind», sagt Philipp Umbricht, leitender Oberstaatsanwalt im Aargau. Es handelt sich hier nicht um ein Offizialdelikt, sondern um ein Antragsdelikt. Die Polizei wird erst tätig, wenn Anzeige erhoben wird.» Bestraft werden, erklärt Umbricht weiter, könne der Mann wegen Ehrverletzung oder Urheberrechtsverletzung.

Und auch wegen Persönlichkeitsverletzung, sagt Silvia Böhlen Chiofalo, Spezialistin Kommunikation beim Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten: «Wenn die Personen erkennbar sind, liegt eine Persönlichkeitsverletzung vor. Bei einer Persönlichkeitsverletzung kann Zivilklage erhoben, bei Verletzung der Intimsphäre sogar Strafanzeige gemacht werden.»

Wird der Täter erwischt, kommt er allenfalls mit einer relativ geringen Strafe davon. Zivilrechtlich könnte es für ihn aber teuer werden: «Die Opfer hätten in diesem Falle mit hoher Wahrscheinlichkeit Anrecht auf Schadenersatz und Genugtuung», ist Staatsanwalt Philipp Umbricht überzeugt.

Auf jeden Fall Anzeige erstatten

Barbara Breitschmid rät den Frauen, auf dem Polizeiposten in Wohlen Anzeige zu erstatten. Minderjährige müssten dies in Begleitung tun. «Wir sind aber auch froh um Hinweise auf die mögliche Täterschaft», sagt Breitschmid weiter. Es könnte laut Kapo schwierig werden, die Identität zu klären. «Man kann seine Spuren weitgehend verwischen», erklärt Breitschmid.

Aktuelle Nachrichten