Langsam geht die Sonne über Oberlunkhofen unter und taucht den Bauernhof der Familie Hagenbuch in ein zauberhaftes Licht. Hunderte Menschen tanzen ausgelassen zur Musik, reichen ihre Teller mit dem Essen umher oder spielen Frisbee auf der grossen Wiese. Von Wehmütigkeit ist nichts zu spüren.

Das letzte Openeye wurde gebührend verabschiedet. «Es haben noch einmal alle ihre ganze Energie eingesetzt. In den letzten beiden Wochen haben, glaube ich, so viele Leute wie noch nie beim Aufbauen mitgeholfen» erzählt OK-Mitglied Marco Schwab strahlend. Er sei begeistert davon, wie viel Liebe in die Details gesteckt wurde und wie gut der Vorverkauf gelaufen sei.

Während nun die Bars, Bühnen und Zelte zum letzten Mal abgebaut werden und die Lichter und Dekorationen für immer vom Bauernhof verschwinden, bleiben in den Köpfen der Leute Erinnerungen an 25 einzigartige Openeyes voller schöner Momente und unbezahlbaren Freundschaften. Denn sie haben das Openair für so viele so besonders gemacht: «Es war immer ein Treffen mit Leuten, die man nur einmal im Jahr hier am gesehen hat», erzählt Andreas Konrad und sein Kollege Fernando Vasquez fügt an: «Und der Sound war auch immer gut, es war einfach alles traumhaft.»


Auch für Barbara Hagenbuch sind es vor allem die Menschen, die sie in Erinnerung behalten wird: «Die Musik stand für mich nie im Vordergrund.» Hagenbuch, die selber sechs Jahre lang im Organisationskomitee tätig war, ist auf dem Bauernhof aufgewachsen und hat das Openeye schon als Kind miterlebt. Gross daran erinnern kann sie sich jedoch nicht mehr. «Nur noch an die hübschen Männer, die immer beim Aufstellen geholfen haben», erzählt sie lachend.

Openeye Festival Oberlunkhofen 2019

Ein bisschen Openeye für Auge und Ohr.

Keine grosse Veränderung

Das diesjährige Festival startete bereits am vergangenen Donnerstag, um all diejenigen zu feiern, die jahrelang als Helferinnen und Helfer oder Mitglieder des OK ihr Herzblut in das Openeye gesteckt haben. Bei einem gemeinsamen Nachtessen, guter Stimmung, Musik und einem Impro-Theater hiessen sie das letzte Openeye wilkommen.

Mit ihnen feierte auch Vincenz Brunner. Er war es, der gemeinsam mit zwei Kollegen vor 25 Jahren das Openeye ins Leben gerufen hat. Er bedauert, dass diese Ära nun zu Ende geht: «Von mir aus hätte es auch noch ein 100. Fest geben können, auch wenn ich das nicht mehr erlebt hätte.» Ihm gefällt es, dass das Festival nicht viel anders ist als beim ersten Mal: «Das tönt jetzt vielleicht etwas konservativ, aber die schönste Veränderung ist, dass sich nichts gross verändert hat.»

Wie ein Heimkommen

Unter den unzähligen Gäste, die am Freitag- und Samstagabend nach Oberlunkhofen strömten, waren auch viele Kinder mit ihren Eltern. Auch OK-Mitglied David Bürgisser hat schon früh sein erstes Openeye erlebt. «Ich war acht Jahre alt und genau etwa fünf Minuten da», erinnert er sich lachend und erzählt weiter: «Ich habe eine Portion Pommes bestellt, dann ist ein Tier drauf geflogen, ich habe geweint und bin wieder nach Hause gegangen.»

An die folgenden Openeyes, die er ab der Oberstufe regelmässig besuchte, habe er aber nur grossartige Erinnerungen. Für ihn seien die guten Gespräche am Feuer immer das Schönste gewesen. «Als ich irgendwann von Oberlunkhofen wegzog, war das Openeye immer wie ein Heimkommen. Man hatte sofort wieder dieses Gefühl, als wäre man nur kurz weg gewesen.» So sei natürlich auch er etwas wehmütig, dass nun alles vorbei ist. Doch fühle er sich auch privilegiert, dass sie die Möglichkeit hatten, noch ein letztes Openeye auf die Beine zu stellen: «Wir hatten alle etwas Angst, dass es das Openeye plötzlich einfach nicht mehr gibt. Doch so konnten wir noch ein letztes Mal alles geben.»