Am Freitag hat ihr Baby «Life Is Living» nun endlich das grelle Licht der Welt erblickt. Im Casino Wohlen wurde das Debütalbum getauft und frenetisch gefeiert. Gitarrist Claudio Rodriguez spricht von einem «Lebenswerk», Sänger Pedro Rodrigues von einem «Befreiungsschlag».

Die gitarrenlastige Rock-Hymne «Break The Broken» bildete den Auftakt des Konzerts, ist gleichzeitig der heimliche Lieblingssong der Band. «We have been waiting for so long», singt Rodrigues darin mit tiefer und mächtiger Stimme. Und im Bezug auf das erste Album von One Day Remains ist die Songzeile symbolisch – nicht nur für die Band selbst, sondern auch für das Publikum. Viele von ihnen sind Fans der ersten Stunde, welche seit Jahren auf «Life Is Living» gewartet haben.

Sukzessive aufgeschoben

Gute Dinge brauchen Zeit. Das mussten auch die Mitglieder von One Day Remains immer und immer wieder feststellen. Ursprünglich war ihr Debütalbum nämlich auf Anfang 2012 angekündigt, danach wurde es sukzessive um ein Jahr verschoben. «Wir haben viele Fehler gemacht», sagt Sänger Pedro Rodrigues rückblickend. Insgesamt habe man einen fast sechsstelligen Betrag in die Albumproduktion gesteckt, daneben unglaublich viel Zeit und enorme Energie. «Unsere jugendliche Naivität hat uns in viele Sackgassen geführt», so Rodrigues, «dass das Album jetzt endlich draussen ist, können wir selbst kaum glauben.»

Musikalisch einordnen, beziehungsweise einem Stil unterordnen, will sich die Band nicht. Irgendwo zwischen Pop und Rock seien sie zu verorten, jedoch mit dem Ziel, nicht in der seichten Mainstream-Mitte zu verweilen, sondern stets auf alle stilistische Seiten auszuschlagen. Und das gelingt ihr erstaunlich gut. Das erste Album stellt ein abwechslungsreiches und durchdachtes Gesamtkunstwerk dar, welches sowohl textlich als auch musikalisch überzeugt.

Potential ist vorhanden

Das Konzert am Freitag war jedoch nicht nur eine Plattentaufe, sondern gleichzeitig auch eine Zeitreise durch die gesamte Bandgeschichte. Die ruhige und eher poppige Nummer «Invincible» beispielsweise hat die Band 2011 anlässlich des «MyCokeMusic»-Wettbewerbs zum ersten Mal auf nationale Bühnen gehievt – und das mit einem gewaltigen Medienecho. Oder «Alpha», ein atmosphärisch eindrucksvoller Song, mit welchem sie es 2013 bis in die Endauswahl des Eurovision Song Contests geschafft haben. Diese Mischung aus Altbekanntem und Neuem ergab ein gelungenes Konzert. Und das obwohl im Gegensatz zu den CD-Aufnahmen dabei nur ein Bruchteil der musikalischen Finessen zu erkennen waren. Dafür war nämlich schlicht die Musik zu laut, die Anlage zu schwach.

Ob das langersehnte Baby «Life Is Living» der Band tatsächlich zum erhofften internationalen Durchbruch verhelfen wird, das wird wohl erst die Zeit zeigen. Das Potenzial ist aber auf jeden Fall vorhanden.