«Es ist ein tolles Gefühl. Bisher kenne ich sie nur vom Fernsehen. Jetzt treffe ich sie persönlich und darf mit ihr zusammen trainieren.» Die 19-jährige Dressurreiterin Tamara Roos vom Waltenschwiler Weidhof freut sich sehr auf das Wochenende und den Lehrgang mit Helen Langehanenberg. Die 31-jährige deutsche Reiterin schreibt zurzeit Dressurgeschichte. In der ersten Weltcup-Prüfung der laufenden Saison 2013/14 hat sie mit 89,775 Prozentpunkten einen internationalen Rekord gebrochen.

Nur drei U21-Reiterinnen dabei

Am Wochenende kommt die aktuelle Nr. 2 der Dressur-Weltrangliste nach Bern und trainiert den Schweizer Dressurnachwuchs. Dazu gehört auch Tamara Roos. Vorerst war sie Mitglied im Team U18, seit rund anderthalb Jahren ist sie im Nationalkader U21. Und macht eine gute Figur. Nur die drei Besten dieses Teams dürfen am Wochenende am Training mit dem Weltstar teilnehmen; Tamara ist darunter.

Die Waltenschwilerin sass schon als Baby auf dem Pferderücken. «Meine Mutter ist Freizeitreiterin und wir haben auf dem Hof schon seit jeher Pferde.» Mit vier Jahren begleitete Tamara ihre Mutter bereits auf einem eigenen Pferd: «Sie hat mich an einem Seil hinter sich her gezogen.» Mit sechs gabs ein Pony und von nun an auch regelmässigen Reitunterricht bei verschiedenen Reitlehrerinnen und -lehrern aus der Region.

Ein Leben für den Reitsport

Mittlerweile lebt Tamara zwar für den Reitsport, nimmt aber ihre Ausbildung an der Kantonsschule in Aarau dennoch sehr ernst: «Ich habe mich für die Kantonsschule entschieden, weil ich dort die Sportklasse besuchen kann. Bis zur Matura dauert es jetzt zwar fünf statt vier Jahre, dafür habe ich genügend Zeit für Training und Wettbewerbe.»

Letztere führen Tamara bereits oft ins Ausland. Auch an der Europameisterschaft 2012 in Bern hat sie mit dem U18-Team teilgenommen: «Mit der Mannschaft ist es noch ganz ordentlich gelaufen, aber im Einzel bin ich ziemlich nach hinten gerutscht», erzählt die 19-Jährige.

Nächstes Ziel die EM im Juli

An der nächsten EM soll es besser laufen. Noch muss sich die junge Sportlerin erst aber für Arezzo (I) im Juli qualifizieren. Es sieht gut aus. Dank zwei Top-Platzierungen im Ausland hat sie den ersten Teil geschafft, für die definitive Qualifikation sind aber noch zwei gute Resultate an Schweizer Wettbewerben nötig.

Seit drei Jahren wird Tamara Roos von der ehemaligen Olympiateilnehmerin Françoise Cantamessa trainiert, seit anderthalb Jahren verfügt sie mit Amaretto über ein sehr gutes Pferd. An den nationalen und internationalen Wettbewerben hat sie sich mittlerweile in die Ranglistenspitze vorgearbeitet. Meist war sie 2013 unter den ersten fünf klassiert.

Familie steht dahinter

Die ruhige und besonnene Sportlerin will ihren Weg konsequent weiter gehen: «Die Teilnahme an einer Olympiade ist sicher einer meiner grossen Träume. Aber bis dahin ist der Weg noch lang», sagt sie.

Am Umfeld liegt es nicht. Um den Sport von Tamara dreht sich fast das ganze Familienleben: «Wir müssen uns organisieren», sagt Mutter Petra, und Vater Pascal ergänzt: «Früher hatte ich es nicht so mit den Pferden, aber jetzt bin so angefressen wie die übrige Familie.»

Nicht nur das zeitliche Engagement der Familie ist mit den vielen Fahrten zu den mehrtägigen Wettbewerben im In- und Ausland riesig. Auch finanziell geht der Spitzensport ins Tuch. Tamara Roos wird zwar bereits von einigen Sponsoren unterstützt. Die finanzielle Hauptlast tragen aber nach wie vor ihre Eltern.