Villmergen
Ökostrom soll in Villmergen selbstverständlich werden

«Energiewende Schweiz – Villmergen packt an!», steht auf dem Flyer, der heute in den Briefkästen aller Haushalte liegt. Die Initiative verlangt, dass Gemeindewerke künftig Naturemade-Strom als Standard liefern.

Fabian Hägler
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André Meyer, Markus Keller, Jörg Koch und Daniel Duss (von links) wollen der erneuerbaren Energie zum Durchbruch verhelfen. fh

André Meyer, Markus Keller, Jörg Koch und Daniel Duss (von links) wollen der erneuerbaren Energie zum Durchbruch verhelfen. fh

Gestern stellten die Initianten ihr Anliegen den Medien vor: «Wir möchten, dass Strom aus erneuerbarer Energie in Villmergen zur Selbstverständlichkeit wird», sagte Markus Keller. Zusammen mit Jörg Koch, André Meyer und Daniel Duss bildet er das Initiativkomitee. Erreichen wollen sie ihr Ziel mit einer
Reglementsänderung bei den Villmerger Gemeindewerken.

Wechsel beim Standard-Strom

Diese sollen laut Initiativ-Flyer «dazu legitimiert werden, Strom aus erneuerbarer Produktion als Basisangebot führen zu dürfen». Dies klingt unspektakulär, doch Markus Keller erklärt: «Künftig sollen alle Kunden automatisch Strom mit Naturemade-Label erhalten, wenn sie dies nicht ausdrücklich anders wünschen.» Heute ist es genau umgekehrt: Als Standard liefern die Werke konventionell produzierten Strom, der zu einem grossen Teil aus Atomkraftwerken stammt. Nur, wer sich bewusst für Strom aus erneuerbaren Quellen entscheidet, erhält diese Variante.

«Mit diesem sogenannten Opting-In erreicht man bestenfalls tiefe einstellige Prozentzahlen von Leuten, die Naturstrom beziehen», rechnet Keller vor. Vom neuen System, dem Opting-Out, verspricht sich der ehemalige Geschäftsführer der IBW in Wohlen hingegen einen Anteil von rund zwei Dritteln.

Mehrkosten sind bescheiden

Keller und die drei anderen Mitglieder des Initiativkomitees, die alle in der Betriebskommission der Villmerger Gemeindewerke sitzen, sind überzeugt, dass eine Mehrheit der Schweizer Stromkonsumenten keinen Atomstrom möchte. «Wer unsere Initiative unterstützt, leistet seinen persönlichen Beitrag zur Energiewende», wirbt Keller. Der Preis dafür ist relativ bescheiden, zertifizierter Strom ist pro Kilowattstunde lediglich 1 Rappen teurer als konventionell produzierter Strom. Für einen durchschnittlichen Haushalt würden sich die jährlichen Mehrkosten auf rund 45 Franken belaufen. Keller betont überdies: «Der konventionelle Strom bleibt weiterhin im Angebot.»

Unterstützung von Doris Leuthard

Die vier Initianten sind überzeugt, die nötigen 380 Unterschriften für ihr Anliegen zusammenzubringen. 80 haben sie bereits in ihrem persönlichen Umfeld gesammelt, die restlichen sollen bis im September folgen. «Wenn die Initiative zustande kommt, muss der Gemeinderat das Begehren der Gemeindeversammlung vorlegen», erklärt Keller. Der CVP-Präsident ist selber Mitglied des Gemeinderats und dort für die Werke verantwortlich, betont aber: «Ich bin bei diesem Thema als Politiker aktiv.»

Die Initiative geniesst prominente Unterstützung, im Flyer wird Bundesrätin Doris Leuthard zitiert: «Villmergen geht mit dieser Gemeindeinitiative vorbildlich voran», sagt die Energieministerin. Thomas Vellacott, der CEO des WWF Schweiz, steht ebenfalls hinter dem Anliegen. «Villmergen bekommt mit der Initiative die Chance, als Gemeinde voll auf Strom aus erneuerbaren Quellen zu setzen und zu zeigen, dass eine Investition in Ökologie und Nachhaltigkeit für alle machbar ist.» Auch der Villmerger Arzt Roland Schumacher unterstützt das Anliegen. «Wichtig ist mir die volle Transparenz für alle Strombezüger, damit diese gute Sache zum Erfolg wird», hält er fest.