Hilfikon
OK-Präsident Ueli Hilfiker: «Motocross-Wetter ist 100 Prozent dehnbar»

Am Sonntag steigt mit dem lizenzfreien Motocross die Hauptprobe fürs Rennwochenende vom 13. und 14. April. Ausser in der Jugendmeisterschaft wird bei der Hauptprobe auch in acht weiteren Klassen wie Oldtimer, Zweitakter oder Enduro gestartet.

Robert Benz
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Ueli Hilfiker präsentiert den Siegerpokal der Europameisterschaft vom 13./14. April
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Ueli Hilfiker bespricht sich mit einem Helfer.
Motocross Hilfikon

Ueli Hilfiker präsentiert den Siegerpokal der Europameisterschaft vom 13./14. April

Robert Benz

Wer das Motocross Wohlen nicht kennt, ist erst einmal baff, wenn er das Gelände am Hilfiker Hasel in der Vorbereitungsphase sieht: schlichtes, kupiertes Terrain, das viel mehr einem stinknormalen Acker als einer attraktiven Rennstrecke gleicht.

Die «Midland-Brücke» allenfalls deutet auf technisches Gerät mit Rädern hin, das zuweilen mit Öl versorgt werden will, auf Rennspass, Motorenlärm, Zuschauer und Spannung.

Acker zur Strecke machen

Der erste Eindruck täuscht. Auf den zweiten Blick wird ersichtlich, dass sich das Gesicht der Strecke von Minute zu Minute verändert, und dies fast rund um die Uhr. Es wimmelt nur so von Helferinnen und Helfern: Der Streckenbau wird vorangetrieben, nassfeuchte Stellen mit trockener Erde zugeschüttet und der ganze Parcours ist bereits mit rosaroten Markierstäben abgesteckt.

Am Sonntagmorgen werden hier bereits die ersten Töff-Fahrer über die Hügel jucken und unter der erwähnten Brücke wieder hervorschiessen. Um Punkt halb acht starten die Kleinsten auf ihren Zweitaktern in die erste Trainingsrunde der Schweizer Jugendmeisterschaften.

Die Jüngsten sind 5 Jahre alt, der «Jö-Effekt» ist garantiert. Nicht ganz so schnell wie die Rennfahrer am 13. und 14. April, aber doch schon ziemlich rassig düsen die kleinen über die frische Piste.

Die Sonntagsprobe

Das lizenzfreie Motocross findet sechs Tage vor der grossen Sause statt. «Für uns ist der erste Sonntag eine Absicherung, finanziell und organisatorisch», sagt OK-Präsident Ueli Hilfiker. Ausser der Jugendmeisterschaft wird in acht weiteren Klassen wie Oldtimer, Zweitakter oder Enduro gestartet.

Alle neun Klassen waren schnell ausgebucht. Somit brettern morgen 400 Motorsport-Begeisterte je drei Mal über die Piste und machen sie dadurch erst zur echten Rennstrecke für das Renn-Wochenende. Dem Trainingslauf folgen zwei Läufe, in denen die Zeit gestoppt wird. Die Gesamtzeit zählt, der Schnellste jeder Kategorie gewinnt.

400 Fahrer bedeuten einen grossen organisatorischen Aufwand. Ein ganzer Bereich des Geländes wird mit Bussen und Anhängern überstellt sein. Doch der Aufwand lohne sich, erklärt Ueli Hilfiker: «Jeder Teilnehmer zahlt 80 Franken.

Die rund 30'000 Franken sind für uns eine Versicherung, falls das Wetter am nächsten Wochenende schlecht ist und nur wenige Zuschauer kommen.» Genau das ist letztes Jahr passiert. Zu allem Überfluss war das Wetter an beiden Wochenenden schlecht.

Das lizenzfreie Motocross, die «Lebensversicherung», musste abgesagt werden, um die Strecke nicht zu zerstören. Am Ende klaffte ein grosses Loch in der Kasse des Motorsport Clubs Wohlen.

Wetterbegriff im Motocross

Motocross ist Leidenschaft – mit allem, was dazu gehört: schlaflose Nächte, viel Organisationsaufwand, aber auch Spektakel, Atmosphäre und Gemeingefühl. Hilfiker hat wenig Verständnis für Leute, die nur bei schönem Wetter an die Strecke kommen.

«Motocross-Wetter ist zu 100 Prozent dehnbar», meint er, fügt aber hinzu, dass es für die Helfer an der Strecke «schon sehr mühsam ist, wenn sie zwei Tage in Dreck und Schlamm arbeiten müssen.»

Dreck und Schlamm hin oder her, zumindest die Helfer haben Hilfikers Wahlspruch der Wetter-Dehnbarkeit verinnerlicht. Zahlen und Motivation beeindrucken: Alleine 50 Streckenposten stehen am Rennwochenende bereit, 50 weitere Helfer kümmern sich um den Verkehr, das Festzelt und mehrere Imbiss-Wagen werden bewirtschaftet und 30 Helfer wuseln im Rennpark zur direkten Unterstützung der Teams.

Planieren statt plagieren

Einer dieser Helfer ist Fabian Tellenbach (24). Er fährt Motorrad, seit er fünf ist und ist im OK für den Verkehr zuständig, was vor allem an den Renntagen eine heikle Aufgabe sein kann. Das hindert ihn aber nicht daran, bei der Planierung der Strecke zu helfen.

«Ich habe im Geschäft drei Tage freigenommen, weil ich hier helfen will. Ich bin in Büttikon, also gleich hinter dem Hügel aufgewachsen und das Motocross Wohlen gehört ganz einfach zu meinem Leben». Sagts und springt wieder auf seine Walze – schliesslich gibts noch viel zu tun bis Sonntag früh, halb acht.