Widen
Ohne Krawatte an den Seniorenausflug

Seit dem 1. September 1986 ist Felix Irniger (62) Gemeindeschreiber von Widen.

Andrea Weibel
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Felix Irniger zeigt auf der Wider Karte auf das Schulhaus 3, sein erstes Projekt als Gemeindeschreiber. Andrea Weibel

Felix Irniger zeigt auf der Wider Karte auf das Schulhaus 3, sein erstes Projekt als Gemeindeschreiber. Andrea Weibel

Andrea Weibel

Gelassen steht Felix Irniger im Gemeindehaus bei der Treppe und schaut durch das Glasdach in den Regen hinaus. Er lächelt. Noch nach all den Jahren kann er sich über das moderne Gebäude freuen, obwohl dieses bereits 26 Jahre auf dem Buckel hat. Er ist vermutlich der Einzige, der noch länger im Dienste der Gemeinde steht und noch im Vorgängerbau gearbeitet hat. Denn Felix Irniger ist seit 30 Jahren Gemeindeschreiber in Widen. «Als ich anfing, hatte ich noch keinen eigenen Computer», erinnert er sich. «Damals waren erst Buchhaltung und Einwohnerkontrolle digital. Ich erhielt meinen ersten 1990 und musste alles von Grund auf lernen.» Und noch heute, im Alter von 62 Jahren, lässt er sich laufend weiterbilden, so auch am Morgen seines 30-Jahr-Dienstjubiläums, wo er einen Kurs des Kantons für die neue Software für die Grossrats- und Regierungsratswahlen besucht.

Er traute 210 Paare

Irniger hat viel erlebt in seinen 30 Jahren im Amt. «Ich sah 18 Gemeinderäte kommen und gehen, aber nur vier Ammänner», berichtet er. «Und ich habe als Standesbeamter etwa 210 Paare getraut, darunter einige meiner Freunde.» Dabei bereitete er für jedes Paar eine individuelle Feier vor und war immer etwas nervös. «Ich wusste ja nicht, ob ich sie ins Glück oder ins Unglück schicke», sagt er lachend. «Heute kommen schon die Kinder aus diesen Ehen bei uns in die Lehre. Ein schönes Gefühl.»

Seine Amtszeit war von Bauten geprägt: «Als ich in Widen anfing, war das Schulhaus 3 gerade im Bau. Eine meiner ersten Aufgaben war der Projektwettbewerb für das Gemeindehaus, danach folgten der Ausbau der Bremgarterstrasse samt späterem Kreisel. Das war wichtig, denn an dieser Kreuzung gab es schwere Unfälle, einige endeten sogar im Tod.» Stolz ist Irniger auch auf die Fertigstellung des ewigen Sorgenkindes Burkertsmatt. «Jetzt, wo sie endlich fertig ist, freuen sich alle.»

Menschen sind das Wichtigste

Die Bauten waren wichtige Meilensteine in seiner Karriere, denn er konnte den Gemeinderat mit Rat und viel Schreibarbeit unterstützen. Doch was seinen Job vor allem wichtig macht, sind die Menschen: «Ich bin Ansprech- und Vertrauensperson für viele. Vor allem ältere Menschen möchten sich lieber persönlich mit jemandem unterhalten, statt sich im Internet Hilfe zu suchen.» Besonders in schweren Zeiten, wenn beispielsweise ein geliebter Mensch stirbt, helfen Irniger und sein Team den Einwohnern mit den Formalitäten und tröstenden Worten. «Es sind traurige Momente, aber man merkt, wie die Menschen unsere Arbeit schätzen.»

Vieles habe sich verändert in der langen Zeit. Die Einwohnerzahl aber kaum: «Damals waren es 3700 Einwohner, heute rund 3750. Doch sind es heute viel mehr ältere Leute.» Das sehe man beim Seniorenausflug: «Ich erinnere mich, beim ersten Ausflug waren es 28 Leute, die mit einem kleinen Bus losfuhren. Heute müssen wir schauen, ob fünf Busse reichen.» Sein erster Seniorenausflug war auch sein erstes Fettnäpfchen, erinnert sich Irniger grinsend: «Als ich ankam, tuschelten die alten Leute, weil ich keine Krawatte trug. Das war fatal. Doch sie vergaben mir bald, und heute trägt nicht einmal mehr der Ammann eine Krawatte.»

Felix Irniger möchte noch bis zu seiner ordentlichen Pensionierung weiterarbeiten, der abwechslungsreiche Alltag gefällt ihm. Um sich fit zu halten, fährt er gerne mit seiner Frau E-Bike. «Das dürfte ich als alter Militärradfahrer gar nicht zugeben», schmunzelt er. Zu seinem hohen Jubiläum organisiert der Gemeinderat morgen einen Apéro im Gemeindehaus.