Mutschellen

Ohne Handy im Wald: Sekschüler proben digitale Abstinenz

Nach drei Tagen im Wald ist Feuermachen für die Schüler der Kreisschule Mutschellen ein Kinderspiel. Fabio Vonarburg

Nach drei Tagen im Wald ist Feuermachen für die Schüler der Kreisschule Mutschellen ein Kinderspiel. Fabio Vonarburg

17 Schüler der Kreisschule Mutschellen in Berikon lebten drei Tage im Wald – ohne Mobiltelefon.

Sie waren offline. Drei Tage lebten sie fern der Zivilisation und vor allem: ohne Handy. 17 Sekschüler der Kreisschule Mutschellen in Berikon stellten sich der Herausforderung. Während ihrer Projektwoche schworen sie den modernen Kommunikationstechnologien ab und hausten im Wald, ganz ohne Whatsapp, SMS und Google. Es hiess Holz hacken statt gamen. Im Vorfeld hätte die Zeit ohne Handy für Diskussionen gesorgt, erzählt Tatjana Hartmann, die Klassenlehrerin der 3c. «Während des Lagers war das kein Thema.»

Hörte man sich unter den 14- und 15-Jährigen um, wurde die Aussage der Lehrerin von den meisten bestätigt. Das Handy vermissen? Nö ... Sehnsucht hatten die Jugendlichen viel mehr nach ihren kuschligen und vor allem warmen Betten. Der Waldboden ist hart, die Nächte in der freien Natur sind kalt. Dafür lockten besondere Erlebnisse, wie ein Bad mitten in der Nacht im Hedinger Weiher, ganz in der Nähe ihrer Zeltstadt. Ins kalte Wasser steigen – für einige Schüler die grössere Herausforderung als drei Tage ohne Handy.

Tatjana Hartmann führte das Projekt zum zweiten Mal durch. Schon vor drei Jahren lebte sie mit einer früheren Klasse ein paar Tage offline im Wald. Das Feedback der damaligen Schüler: «Wir haben viel mehr miteinander geredet.» Als kurz darauf an der Kreisschule Mutschellen über den Umgang mit dem Mobiltelefon diskutiert wurde, hätten sich die meisten ihrer damaligen Klasse für ein Handyverbot auf dem Schulareal ausgesprochen, erzählt Hartmann. Ihre Schüler setzten sich nicht durch.

Auch ihr Werklehrer begleitete die Klasse in die Handylosigkeit. Franco Aerschmann stellte dabei mit Schrecken fest: «Ich bin der Einzige der Gruppe, der bereits vier Handys verbraucht hat.» Aber: «Mit meinen über 50 Jahren darf ich das vielleicht auch», sagt er und lacht. Neben dem blossen Verzicht auf digitale Medien befasste sich die Klasse mit Nachhaltigkeit im Allgemeinen, speziell mit dem Stromverbrauch. Wie viel Energie braucht eigentlich ein Fernseher, ein Computer oder eine warme Dusche? Im Waldlager der Schulklasse gab es nichts von all dem. Nur eine einzige Glühbirne, angetrieben durch Körperkraft. «Es ist anstrengend», sagt eine Schülerin, während sie auf dem Fahrrad in die Pedalen tritt. Ihr Klassenkamerad hat gerechnet: 23 Stunden müsste er radeln, um seinen Energieverbrauch abzudecken. Wann hätte er dann noch Zeit, die Energie zu verbrauchen?

Die Lehrer erwarten nicht, dass ihre Schüler jetzt ihren Lebensstil umkrempeln. «Höchstens in der ersten Woche», sagt Aerschmann. Wenn man jedoch weiter sensibilisiere, werde sicher etwas hängen bleiben. «Steter Tropfen höhlt den Stein.»

Hängen bleiben werden vielleicht auch ein paar neue handwerkliche Fertigkeiten. Viele hatten im Wald zum ersten Mal ein Beil in der Hand. «Unsere Projektwoche erinnerte mich an einen Waldkindergarten», sagt die Klassenlehrerin. Ihre Schüler entdeckten, womit man sich sonst noch beschäftigen kann als mit dem Mobiltelefon. So massen sich die Jungen im Spalten eines Baumstrumpfs, die Mädchen sorgten für ein perfektes Feuer. Zudem trat ein Phänomen auf. «Haben wir kein Handy, machen wir einander die Haare», sagt eine Schülerin. Zöpfeln war im Wald in.

Am Freitag kehrten die Schüler und Lehrer aus dem Wald heim. Zurück in ihre warmen Betten, zurück zu ihren Mobiltelefonen. Sie sind wieder online.

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