Oberwil-Lieli
Regierungsrat weist die Beschwerde zur Umzonung Juchächer ab – Pro Natura verzichtet auf einen Weiterzug

Der Regierungsrat hat die vom Volk bewilligte Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland mit der BNO-Revision in Oberwil-Lieli genehmigt. Die Beschwerde von Pro Natura wurde abgewiesen. Der Umweltverband hat angekündigt, dagegen nicht zu rekurrieren. Der neuen Landhauszone im Juchächer dürfte damit nichts mehr im Wege stehen.

Marc Ribolla
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Das Gebiet Juchächer in Oberwil-Lieli wird von der Landwirtschafts- in die Landhauszone umgezont.

Das Gebiet Juchächer in Oberwil-Lieli wird von der Landwirtschafts- in die Landhauszone umgezont.

Michael Küng (24.9.2020)

Vor bald einem Jahr, Ende September 2020, gab das Stimmvolk von Oberwil-Lieli mit 55 Prozent Ja-Stimmen an der Urne grünes Licht für die Gesamtrevision Nutzungsplanung Bauzonen und Kulturland, die auch die Revision der BNO (Bau- und Nutzungsordnung) beinhaltete. Im Vorfeld lieferten sich Befürworter und Gegner einen heissen Abstimmungskampf, der es bis in die nationalen Boulevard-Medien schaffte.

Kern der Diskussion war die geplante Umzonung einer 12'700 Quadratmeter grossen Landparzelle im Gebiet Juchächer von der heutigen Landwirtschafts- in die Landhauszone. Die Gemeinde plant den Acker, der im Besitz einer Immofirma ist, zu kaufen und daraus um ein vielfaches teureres Bauland mit acht Einfamilienhaus-Parzellen zu machen. Im Gegenzug wird heutiges Bauland im Dorf ausgezont.

Gegen dieses Vorhaben erhob Pro Natura Aargau vergangenen Dezember beim Regierungsrat Beschwerde, zusammen mit zwei Privatpersonen. Die Organisation kritisierte vor allem den fehlenden haushälterischen Umgang mit den immer spärlich werdenden Bodenressourcen.

«Regierungsrat hat sich intensiv mit der Sache befasst»

Nun hat der Regierungsrat kürzlich in seiner Sitzung die vom Volk beschlossene Gesamtrevision genehmigt und im Amtsblatt publiziert. Und damit die Beschwerde von Pro Natura und den weiteren Beteiligten abgewiesen.

Die Parzelle 292 im Juchächer in Oberwil-Lieli.

Die Parzelle 292 im Juchächer in Oberwil-Lieli.

Marc Ribolla (11.8.2020)

Nach dem vertieften Studium der Unterlagen des Kantons zieht Pro Natura nun den aus ihrer Sicht negativen Entscheid nicht ans Verwaltungsgericht weiter. Weshalb dieser Entschluss? Geschäftsführer Matthias Betsche sagt zur AZ:

«Wir haben festgestellt, dass sich der Regierungsrat im Bericht sehr intensiv mit der Sache beschäftigt hat. Und er hat im Rahmen seiner Entscheidungskompetenzen diesen zu Gunsten der Einzonung genutzt.»

Es gebe juristisch gewisse Anzeichen, dass ein Ermessenspielraum in derartigen Entscheidungen bestehen kann, so Betsche. Ob sich allenfalls die beiden Privatpersonen einen Weiterzug überlegen, ist noch offen. Die Frist dazu läuft noch bis zum 19. September.

Für Betsche ist hinsichtlich der Siedlungsentwicklung aber auch klar, dass «der Entscheid zeigt, dass die Gemeinden und der Regierungsrat vor der grossen Herausforderung stehen, die vorhandenen Bauzonen möglichst flächeneffizient zu nutzen und den Flächenverbrauch zu verlangsamen.»

Erfreut zeigt sich Oberwil-Lielis Gemeindeammann Ilias Läber über die aus Sicht der Gemeinde gute Nachricht aus Aarau. Auch wenn er sich erst nach Ablauf der Beschwerdefrist ganz sicher sein könne. Läber sagt: «Der Regierungsrat hat sehr seriös gearbeitet. Darüber bin ich sehr froh.»

Er sei aber von Anfang an auch der Meinung gewesen, dass die Gemeinde mit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung und der BNO eine gute Arbeit abgeliefert habe. «Ich bin drum dankbar, dass der Kanton uns nicht im Regen stehen lässt. Ich bin überzeugt, dass damit auch ein Mehrwert fürs Dorf entsteht», sagt Läber.

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