Kindergarten und Mehrzweckgebäude
Oberwil-Lieli: Offene Fragen um Bauvorschriften und Zonierung

Die Realisierung des 4-Millionen-Vorhabens Kindergarten/Mehrzweckgebäude ist trotz Bauprofilstangen noch nicht spruchreif.

Lukas Schumacher
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Die Pläne und ein Bericht zur Überbauung Kindergarten/Mehrzweckgebäude im Dorfteil Oberwil sind zusammengestellt. Man kann die Unterlagen im Rahmen des öffentlichen Auflageverfahrens im Gemeindehaus begutachten. Dies bis zum Ablauf der Verfahrensfrist am 14. Februar.

Das Gemeindeprojekt, verfasst vom Architekturbüro Othmar Brem (Rudolfstetten-Friedlisberg), sieht den Abbruch des früheren Schuelhüslis vor, die Erstellung zweier Kindergärten, eines Mehrzweckraums sowie je eines Musik-, Spielgruppen- und Jugendraums. Gemäss Baugesuch bringt es die Gesamtkubatur auf gut 5600 Kubikmeter umbauten Raum, die Geschossfläche beträgt brutto knapp 1100 Quadratmeter.

Überraschende Anmerkungen

Politisch ist das Vorhaben gelaufen. Die Gemeindeversammlung schickte es im Juni 2010 auf den Realisierungsweg, indem sie den Baukredit von 3,9 Mio. Franken bei grossem Mehr genehmigte. Indes stehen im Bericht, der mit den Planunterlagen öffentlich aufliegt, überraschende Anmerkungen: «Die Prüfung bezüglich Bauvorschriften ist noch nicht erfolgt.

Aus dem vorliegenden Bericht kann keine Zusicherung für eine Baubewilligungserteilung abgeleitet werden.» Der Bericht gelte nicht als beschwerdefähiger Entscheid.

Offenbar ist die Zonierung mit den baulichen Vorschriften vorgängig nicht verbindlich geregelt worden. «Das trifft teilweise zu», bestätigt der zuständige Gemeinderat Christoph Emmenegger, «wir holen das nun aber nach und führen gleichzeitig die öffentliche Projektauflage durch.» Letztlich handle es sich um einen kleinen Streifen von 400 Quadratmetern Land in der Dorfzone, die man wegen der Realisierung des Projekts jetzt der Zone für öffentliche Bauten zuschlagen müsse.

Zudem stünden kleinere Grenzbereinigungen an. Diese und die angesprochene Teiländerung des Bauzonenplans würden in einem öffentlichen Mitwirkungs- und Einwendungsverfahren geregelt.

«Unpassend, wuchtig, zu gross»

Bruno und Vreni Bochsler, Anwohner des geplanten Projekts, haben die Baupläne besichtigt. Sie bezeichnen das Vorhaben als unpassend, zu gross und wuchtig. Bruno Bochsler: «Die geplante 47 Meter lange Überbauung hält die in der Gemeinde-Bauordnung aufgeführten Ortsbildschutz-Bestimmungen nicht ein. Das überrissene Projekt beeinträchtigt das Ortsbild.» Es sei sehr fragwür-
dig, ein derart überdimensioniertes Gebäude angrenzend an den seit Jahren gepflegten Dorfkern zu erstellen.

«Abbruch sehr fragwürdig»

Zu denken gibt Bruno und Vreni Bochsler auch der geplante Abbruch des alten Schuelhüslis im Zusammenhang mit dem Neubauprojekt. «Das kleine, über 200-jährige Schulhaus ist immerhin im Kurzinventar der Kulturgüter aufgeführt», betont Bruno Bochsler, «das Gebäude kurzerhand abzureissen, zeugt von wenig Respekt.» Gemäss den Vorschriften in der Dorfkernzone D2 von Oberwil-Lieli müsste man schutzwürdigen Bauten besondere Sorgfalt beimessen. Hier könnte die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen. Leider, so Bochsler abschliessend, fehle jedoch der Wille dazu.