Oberrüti
«Ich möchte eine Gemeinderätin sein, die man im Dorf spürt und bei der man Anliegen loswerden kann»: Das ist die Überraschungskandidatin aus Oberrüti

Caroline Heeb ist frischgewählte Oberrüter Gemeinderätin. Auf der offiziellen Namensliste war sie aber nicht aufgeführt. Ein Wahlkomitee hat nach Ende der offiziellen Anmeldungszeit mit Flyern im Dorf für sie Wahlkampf betrieben.

Melanie Burgener
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Caroline Heeb aus Oberrüti ist das neue Gesicht im Gemeinderat.

Caroline Heeb aus Oberrüti ist das neue Gesicht im Gemeinderat.

Melanie Burgener

Ein Vollzeitjob, bei dem sie von morgens bis abends dasselbe tun müsste, wäre nichts für sie, sagt Caroline Heeb. Sie mag die Abwechslung in ihrem Leben. Teilzeitjob, Selbstständigkeit, Coachingausbildung. Und natürlich ihre Familie, die für sie das Wichtigste im Leben ist. Nebenbei treibt sie viel Sport, spielt Klavier, werkelt in ihrem Garten oder in der Küche, schreibt Tagebuch und verbringt Zeit mit Freunden. «Das Leben ist spannend und hat so viel zu bieten», so Heeb. Auf ihre neuste Herausforderung ist sie besonders gespannt.

Caroline Heeb ist das neue Gesicht im Gemeinderat Oberrüti. 314 Stimmen hat sie am Wahlsonntag von der Bevölkerung erhalten – und das, obwohl ihr Name gar nicht auf der offiziellen Wahlliste aufgeführt war. 165 hätte sie gebraucht. Auch Wahlkampf hat die 43-Jährige keinen aktiv betrieben. Diese Aufgabe haben andere Leute aus dem Dorf für sie übernommen.

Oberrüter Wahlkomitee suchte inoffizielle Kandidierende

Gleich zwei bisherige Gemeinderatsmitglieder haben sich in diesem Jahr in Oberrüti dazu entschieden, nicht mehr für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren. «Weil sich bis zum Ende der offiziellen Anmeldefrist niemand für die beiden freigewordenen Sitze gemeldet hat, machte sich das Oberrüter Wahlkomitee auf die Suche nach Leuten, die sich für dieses Amt eignen könnten», erklärt Caroline Heeb.

«Als wir 2015 hierhergezogen sind, hat mein Mann vorgeschlagen, ich könnte doch Gemeinderätin werden», erinnert sie sich lachend. Das sei aber ein Witz gewesen und sie deshalb sehr überrascht, als das Komitee sie kontaktierte. Doch nach einer kurzen Bedenkzeit hat die zweifache Mutter der inoffiziellen Kandidatur zugestimmt. Sie erzählt:

«Danach ist das Komitee aktiv geworden, hat Flyer verteilt und eine Publikation im Anzeiger veröffentlicht.»

Selbst hätte sich Heeb nicht zur Wahl gestellt. Dabei wäre ihr Politik eigentlich gar nicht so fremd.

Ihr Vater und Grossvater waren im Gemeinderat Sins

Nebst ihrem selbstständigen Erwerb als Lektorin, Korrektorin und Übersetzerin arbeitet Caroline Heeb Teilzeit im selben Berufsfeld in der Staatskanzlei Luzern. «Dort bin ich nah an den Regierungsratsgeschäften, und auch sonst habe ich mich immer für Politik interessiert», erzählt sie. Zudem seien bereits ihr Grossvater und ihr Vater Mitglieder im Gemeinderat Sins gewesen.

Für Heeb ist ein politisches Engagement bisher aber nie in Frage gekommen. Sie sagt:

«Vor fünf Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können. Aber es gab auch eine Zeit, in der ich nicht gedacht hätte, dass ich wieder einmal auf dem Land leben würde. Jetzt schliesst sich dieser Kreis.»

Heeb ist auf einem Bauernhof im Sinser Weiler Reussegg aufgewachsen. Bereits mit 17 Jahren hatte sie das Bedürfnis, auszubrechen. Sie ging nach Genf und absolvierte dort ein Jahr der Kantonsschule. Während ihres Studiums zur Übersetzerin hat sie ein Jahr in England verbracht, danach lebte sie in verschiedenen Städten in der ganzen Schweiz. «Als ich zum zweiten Mal schwanger war, hatten wir das Bedürfnis, wieder in ein Dorf zu ziehen», erzählt sie.

Mit frischem Elan will sie das Ressort Schule übernehmen

Seit sechs Jahren lebt Heeb mit ihrer Familie wieder im Oberfreiamt. «Ereignisse, die in den vorherigen Jahren in Oberrüti passiert sind, habe ich nicht direkt mitbekommen», sagt sie. Vielleicht sei das auch gar nicht schlecht. «So komme ich mit frischem Wind und Elan ins Gremium.» Und doch kennen einige Leute im Dorf sie oder ihre Familie von früher. «Ich glaube, das ist ein guter Mix.»

Wenn es um die Verteilung der Ressorts geht, hat die neue Gemeinderätin klare Favoriten: Schule und Kultur. «Es liegt mir stark am Herzen, dass die Kinder eine gute und soziale Bildung erhalten», sagt sie und ergänzt: «Ich bin Erwachsenenbildnerin und war auch schon Aushilfslehrerin an der Schule Oberrüti. Ich kenne dieses Umfeld also bereits ein wenig.»

Kommunikation im Gremium und im Dorf ist ihr wichtig

Für die Zusammenarbeit im Gremium wünscht sich Heeb vor allem einen wertschätzenden Umgang miteinander, auch wenn nicht immer alle gleicher Meinung sind. «Offene Kommunikation, dazu gehört auch das Zuhören, ist mir sehr wichtig. Das bringe ich aus meiner Coachingausbildung mit.» Diese Eigenschaft könnte für sie auch zu einer Herausforderung werden. «Ich möchte es immer allen recht machen. Aber als Gemeinderätin muss ich auch einmal eine Entscheidung vertreten, die nicht der ganzen Bevölkerung passt. Das muss ich erst noch lernen», sagt sie.

Kommunikation sei ihr auch im Dorf wichtig: «Ich möchte eine Verbindung zwischen dem Gemeinderat und der Bevölkerung sein. Eine Gemeinderätin, die man im Dorf spürt und bei der man Anliegen loswerden kann», sagt sie. Und natürlich hoffe sie, dass bald auch eine Person für den noch freien fünften Sitz gefunden werde.

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