Das Vertrauen der Einwohner zum Gemeinderat scheint geknickt, die Oberrüter warfen dem Rat vor, parteiisch zu sein - sie wollen sich nicht übers Ohr hauen lassen. Isler hatte alle Mühe, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Wenn zu einer Informationsveranstaltung der Gemeinde 120 Einwohner des 1385-Seelen-Dorfes Oberrüti erscheinen, geht es vermutlich um die Vereine. Gestern informierte Gemeindeammann Thomas Isler über den geplanten Bau einer Inline-Hockey-Halle, die sich die Z-Fighters Oberrüti-Sins dringend wünschen. Planer Oliver Tschudi von der Planar AG stellte die vier Module wie Analyse des Schulareals, Bedürfnisabklärung und Variantenanalyse vor, die zur Planung der Halle durchgeführt werden müssen.

Es werde geprüft, ob die ebenfalls geplante neue Turnhalle und die Inline-Hockey-Halle in einem gebaut werden können, oder ob es tatsächlich zwei Hallen brauche. „Der Gemeinderat ist der Meinung, dass der Bau nur einer Halle für die Bedürfnisse aller nicht geeignet ist", sagte Isler. „Beispielsweise braucht eine Inline-Hockey-Halle einen anderen Bodenbelag als eine normale Turnhalle. Zudem wäre die Belegung ein Problem, da es wieder zu wenig Platz hätte für all die Vereine. Darum plädieren wir für zwei Hallen."

Die Oberrüter - insbesondere die Mitglieder der Z-Fighters selbst, die sich gut informiert zu Wort meldeten - fanden aber, auch die Variante mit nur einer Halle müsse unbedingt in die Variantenstudie einbezogen werden. „Der Gemeinderat ist also dagegen, nur eine Halle zu bauen. Aber wir müssen aufpassen, dass dann nicht die Planung für die Schulturnhalle fertig ist und uns auf einmal gesagt wird, die Inline-Hockey-Halle könne nun leider doch nicht gebaut werden. Wir müssen auf der Hut sein", hiess es aus dem Plenum.

Gemeindeammann Isler hatte alle Mühe, den Leuten zu versichern, dass es dem Gemeinderat fern liege, die Einwohnerinnen und Einwohner übers Ohr hauen zu wollen. Er versprach, dass sämtliche Varianten - auch jene mit nur einer Halle - genauestens geprüft werden. Und Oliver Tschudi sicherte den Oberrütern zu, sie stets auf dem Laufenden zu halten. „Wir haben dem Gemeinderat empfohlen, ein Mitwirkungsverfahren anzusetzen, damit keine Bedürfnisse in der Planung vergessen gehen", so der Planer.

Gegen übermässigen Schwerverkehr

Viel besser kam der Ammann auch beim zweiten Traktandum des Infoabends nicht weg. Die Baufirma Vanoli AG hat ein Baugesuch für einen Werkhof samt Kies- und Betonwerk in der Oberrüter Industriezone eingereicht. Darauf stellte eine Gruppe Oberrüter an der letzten Gemeindeversammlung den Antrag, die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Gemeinde so zu ändern, dass „Nutzungen, die einen übergrossen Schwerverkehr verursachen, wie zum Beispiel Bauschuttaufbereitungsplätze, Beton- und Asphaltwerke, Kieswerke, Umschlagplätze für Kies und Sand et cetera ausgeschlossen sind".

Viele Oberrüter fürchten neben erhöhten Kosten für Strasseninstandhaltung vor allem die Gefährdung der Sicherheit durch die grossen Lastwagen sowie den zusätzlichen Lärm. „Die ersten Leute ziehen bereits weg, weil der Gemeinderat sich mehr für das Wohl der Firmen einzusetzen scheint als für die Einwohner", meldete sich ein Oberrüter zu Wort. „Ist das wirklich eine sinnvolle Strategie?" Er bat den Gemeinderat, „mit all der Bauernschläue, die ihr auch schon an anderen Orten bewiesen habt, Gründe zu suchen, wie man das Kies- und Betonwerk abwenden kann".

Ammann Thomas Isler versicherte den Einwohnern, dass ihm die Hände gebunden seien. Zwei Gutachten seitens des Kantons bescheinigen dem Gemeinderat, dass eine BNO-Änderung für besagtes Bauvorhaben nicht mehr gelten würden. „Bei einem Baugesuch gelten die Gesetze und Richtlinien, die zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung gegolten haben. Da können wir nichts mehr machen", hielt Isler fest. Die Oberrüter rieten dem Gemeinderat, doch wenigstens mit der Vanoli AG zu reden. „Allenfalls lassen sie sich überreden, nur den Werkhof ohne Kies- und Betonwerk zu bauen.

Oder die Gemeinde kann vielleicht das Land zurückkaufen", waren Vorschläge aus dem Saal. Ein weiteres Votum lautete: „Ich habe das dumme Gefühl, dass der Gemeinderat nicht ganz neutral ist. Habt ihr wirklich alles gegen den übermässigen Schwerverkehr unternommen?" An der Einwohnergemeindeversammlung vom 23. November ist dieses Thema zwar nicht traktandiert, wird aber sicherlich noch viel zu reden geben.