Während die Schweiz und ganz Europa sich seit Jahrzehnten mit Fragen der Flüchtlingspolitik und der Integration fremder Menschen im eigenen Land herumschlagen, viele Fachleute beiziehen, teure Projekte auf die Beine und wieder einstellen, Gesetze ausarbeiten, Verträge schliessen und mit mehr oder weniger Zuversicht das schier verzweifelte «Wir schaffen das!» aus dem Munde der deutschen Bundeskanzlerin hören, da tut man es in Zufikon einfach: man integriert.

Nachzulesen ist diese Integrationserfolgsgeschichte im Buch der Interessengemeinschaft «alli-mitenand Zufikon», die am Freitag im Zufikerhuus Vernissage gefeiert hat. Was 2004 mit einem multikulturellen Schulfest begann, entwickelte sich zu einem auf Freiwilligenarbeit beruhenden, von persönlichem Engagement lebenden Projekt, das es sich zum Ziel gemacht hat, den Migranten, die in Zufikon und Bremgarten leben, die deutsche Sprache zu vermitteln und ihnen dabei zu helfen, sich mit den Gepflogenheiten und dem Leben in der Schweiz zurechtzufinden.

Teilhaben an der Gemeinschaft

«Der Anstoss kam nach dem Schulfest damals», erzählte der Mitbegründer von «alli-mitenand Zufikon», Heinz Keller, an der Vernissage. «Es sprachen uns ein paar Männer aus Sri Lanka an, die als Flüchtlinge nach Zufikon gekommen waren und hier bei Bianchi arbeiten durften, weil sie in ihrer Heimat schon Fischer waren und von daher den Umgang mit diesem Lebensmittel beherrschten.» Die Männer hatten einen Wunsch: Sie wollten besser Deutsch sprechen und sie wollten am Gemeindeleben teilhaben können. So wurde das «café-international» geboren. Jeden Donnerstagmorgen, von 9 bis 11 Uhr, treffen sich im Zufikerhuus Menschen aus 30 verschiedenen Ländern, um einzeln oder in Gruppen, Deutsch zu lernen. Das tun sie nicht mit Schulbüchern, sondern im direkten Austausch mit den Kursleitern und mit den anderen Kursteilnehmern. Kleine Kinder werden professionell betreut, während ihre Mütter den Kurs besuchen. Der Kaffeetisch steht allen zur Verfügung, auch spontanen Besuchern ohne Migrationshintergrund.

Ganz persönliche Geschichten

Zwischen 80 und 100 Menschen sind es aktuell, die die Angebote von «alli-mitenand Zufikon» nutzen und prägen. 44 von ihnen haben zum 15-Jahr-Jubiläum des Projekts ihre ganz persönlichen Geschichten in einem Buch mit dem Titel «Integration» festgehalten. Auf gut 100, sehr lesenswerten Seiten, erfährt man dabei, was es heisst, seine Heimat zu verlassen, unterwegs zu sein, an einem fremden Ort anzukommen und neu anzufangen. Sei es aus beruflichen Gründen, weil Krieg und Katastrophen einen zwingen oder weil es die Liebe so will, einfach ist es für niemanden.

Gemeindeammann Christian Baumann überbrachte im Namen des Gemeinderates die Glückwünsche und das Lob für die viele Arbeit und den Erfolg des «alli-mitenand Zufikon» in den vergangenen 15 Jahren. Wo das freiwillige Engagement für Behörden- oder Vereinsarbeit immer mehr versiege, da zeige dieses Projekt, wie man als lebendige Gemeinschaft zufriedene Menschen machen könne. An den Geschichten dieser Menschen kann man für 20 Franken in Buchform teilhaben, via www.alli-mitenand.ch oder via Buchhandel: ISBN 978-3-033-07252-7.