Muri
Nur in vereinzelten Fällen verdienen Angestellte unter 4000 Franken im Monat

Mindestens 4000 Franken pro Monat Verdienst, oder 22 Franken pro Stunde – was die Mindestlohninitiative fordert, ist im Freiamt bei den wenigsten Unternehmen ein Thema.

Eddy Schambron
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Daniela Businger vom Casa Hecht in Rottenschwil zahlt schon heute die geforderten Mindestlöhne: «Sonst hätten wir nicht das gute Personal, das wir benötigen.»

Daniela Businger vom Casa Hecht in Rottenschwil zahlt schon heute die geforderten Mindestlöhne: «Sonst hätten wir nicht das gute Personal, das wir benötigen.»

Eddy Schambron

«Dieses Lohnniveau erfüllen wir», sagt Daniela Businger vom Gasthof Casa Hecht in Rottenschwil, «sonst hätten wir nicht das gute Personal, das wir brauchen.» Gleich tönt es im Zentrum Aettenbühl in Sins: «Wir sind mit den Löhnen mindestens auf diesem Niveau oder darüber», erklärt Heimleiter Paul Villiger. «Sonst findet man nämlich keine Leute.» Über die Mindestlohninitiative wird am 18. Mai abgestimmt.

Knapp darunter

«Niemand verdient bei uns unter 3900 Franken», führt Thomas Wernli, Direktor der Pflegi Muri aus, «wir haben schon länger damit angefangen, die Löhne in diese Richtung zu führen.» Deshalb würde die Annahme der Mindestlohninitiative für die Pflegi keine grösseren Auswirkungen haben. «Allerdings bleibt zu bedenken, dass bei einer Anhebung des Mindestlohns allenfalls auch Löhne darüber angepasst werden müssen, damit das ganze Gefüge wieder stimmt.»

Im Spital «praktisch umgesetzt»

Im Kreisspital für das Freiamt sind es neun Personen, welche – auf 100 Stellenprozente hochgerechnet – unter 4000 Franken im Monat verdienen, nämlich zwischen 3514 und 3992 Franken. Wie Marco Beng, CEO des Spitals, ausführt, ergäbe eine Anpassung an den Mindestlohn von 4000 Franken eine zusätzliche Lohnsumme von etwa 27 000 Franken pro Jahr. «Auf die Gesamtlohnsumme betrachtet ist dies verschwindend klein.»

Beng ergänzt, dass die Löhne 13-mal ausbezahlt würden. Wenn nun die heutigen Jahreslöhne der Mitarbeitenden auf 12 Monate aufgeteilt werden, dann gibt es gerade noch eine Person, die etwa 200 Franken unter dem geforderten Mindestlohn von 4000 Franken pro Monat verdient. «Wir müssten daher bei Annahme der Initiative bei dieser Person rund 2400 Franken pro Jahr mehr auszahlen als bisher», sagt Beng. «Also ist die Forderung 4000 Franken bei uns praktisch schon umgesetzt.»

Nicht gerechnet ist dabei das Personal der Reinigung, das teilweise unter 4000 Franken liegt. «Dort würden die Kosten natürlich auf die Kunden, also auf uns, überwälzt». Allerdings geht Beng davon aus, dass auch in diesem Bereich der Einfluss der Initiative nicht allzu gross wäre.

Trotzdem dagegen

André Huber vom gleichnamigen Putzunternehmen in Muri wäre von der Mindestlohninitiative auch nicht betroffen. «Wir haben keine Festangestellten, und bei unseren Teilzeitangestellten sind wird mit den Löhnen über der Mindestforderung.» Trotzdem ist der Unternehmer klar gegen die Initiative. «Es kann nicht sein, dass man jedem, ob gelernt oder ungelernt, mindestens 4000 Franken in Monat auszahlen kann. Das hätte auf die Zeit hinaus negative Auswirkungen nicht nur für die Arbeitgeber, sondern – im Fall von Arbeitslosigkeit – auch für die Arbeitslosenkasse.»

Ebenfalls gegen die Mindestlohninitiative ist Josef Nietlispach, Inhaber der Profilpress AG in Muri, obwohl auch er für die normale Belegschaft die Mindestlöhne erfüllt. «Es gibt Branchen, die sie jedoch nicht zahlen könnten», erklärt er. Diese Arbeitsplätze würden verschwinden. Er macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: «Ohne festgeschriebenen Mindestlohn können Lösungen für Leute getroffen werden, die sonst in keinem Betrieb unterkommen. Arbeitslose können so wieder einen Einstieg ins Berufsleben finden.»

Auch für Jörg Weiss, Geschäftsleiter der Bauunternehmung P. Weiss & Co. AG ist klar: «Ich bin gegen die Initiative, es soll der Grundsatz Lohn gegen Leistung gelten.» Der Baumeister ist insofern von der Initiative nicht betroffen, als in seiner Branche ein Gesamtarbeitsvertrag bereits die Löhne regelt.

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