Im Freiamt hat es wieder mehr unbenutzten Wohnraum. Diese Schlussfolgerung resultiert aus einer Umfrage bei grösseren Gemeinden der Region. Seit Mitte 2014 nahm die Zahl der freien Wohnungen in einigen Gemeinden gar markant zu. So in Wohlen, wo der aktuelle Leerwohnungsbestand bei 177 liegt, nachdem vor einem Jahr 138 Wohnungen frei waren. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Villmergen. Hier stehen 151 Wohnungen leer und somit fast doppelt so viele wie vor einem Jahr. Mitte 2014 waren in Villmergen 80 Wohnungen nicht besetzt. Auch in Rudolfstetten herrscht kein Wohnungsmangel. Aktuell, mit Stichdatum 1. Juni 2015, sind 31 Wohnungen zu haben. Vor einem Jahr waren bloss 6 Wohnungen frei.

Die aufgelisteten Zahlen des Leerwohnungsbestands umfassen alle Wohneineinheiten, nebst den Miet- und den Eigentumswohnungen also auch Einfamilienhäuser.

Sonderfall Muri

Als einzige grössere Freiämter Gemeinde meldet Muri einen Rückgang bei den freien Wohnungen. Vor einem Jahr standen im Bezirkshauptort 52 Wohnungen leer, aktuell sind es nur 23, und zwar lauter Mietwohnungen. Eigentumswohnungen werden im Muri zurzeit nicht feilgeboten. Dies und die ohnehin tiefe Leerwohnungsquote deuten darauf hin, dass der Wohnungsmarkt im Oberfreiämter Hauptort im Moment beinahe ausgetrocknet ist. Freiämter Immobilienhändler verweisen auf den «starken Siedlungsdruck aus den Nachbarkantonen Luzern, Zug und Zürich», der in Muri zünftig zu Buche schlage. Neuer Wohnraum sei hier nach wie vor preiswerter zu bekommen, und Muri weise eine gute Infrastruktur auf.

In Jonen und Sins unverändert

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Kellerämter Gemeinde Jonen. Hier sind, wie schon im Vorjahr, bloss drei Mietwohnungen auf dem Markt. Auch Jonens Gemeindeschreiber Arnold Huber führt den «seit Jahren starken Siedlungsdruck auf die Aargauer Gemeinden an den Kantonsgrenzen» an. In Jonen zeichnet sich jetzt eine gewisse Entspannung ab. Laut Huber sind 75 neue Wohnungen teils im Bewilligungsverfahren, teils in Planung. In zwei bis drei Jahren werde ein Grossteil dieser Wohnungen realisiert sein. Wie in Jonen blieb der Bestand freier Wohnungen innert einem Jahr auch in Sins unverändert. Hier sind 16 Wohnungen auf dem Markt.

Anstieg teils sanft, teils deutlich

Aus anderen grösseren Freiämter Gemeinden wird ein leichter Anstieg der unbenützten Wohnungen gemeldet. So aus Bremgarten und Berikon. Bremgarten weist 63 Leerwohnungen auf (Vorjahr: 58) und Berikon 21 (Vorjahr 13). Weil in den letzten Monaten recht rege neu- und umgebaut wurde, bringt es Zufikon auf
43 unbenutzte Wohnungen, nachdem vor einem Jahr nur 25 Wohneinheiten zu mieten oder zu kaufen waren. Auch in Merenschwand schlägt die Wohnbautätigkeit der letzten Monate durch. Vor einem Jahr hätte man 17 Wohnungen beziehen können, jetzt sind 30 frei.

«Nur eine Momentaufnahme»

Der Trend «Mehr Leerwohnungen im Freiamt als vor einem Jahr» zeichnet sich deutlich ab. Freiämter Immobilienfachleute äussern sich zurückhaltend. Die meisten vermuten, dass die recht bescheidene Leerwohnungsquote in unserer Region nur wenig zugelegt hat. Andreas Burlet von der Immobilienfirma Remax in Berikon sieht es ähnlich: «Der nur leicht gestiegene Leerwohnungsbestand gleicht einer Momentaufnahme, die in ein paar Monaten wieder anders aussehen kann. Zudem liegen die neuesten Zahlen der Aargauer Gemeinden noch nicht vor.»

Die Fäden der neuen Daten laufen beim kantonalen Statistischen Amt zusammen. Im Monat August wird das Amt einen detaillierten Bericht zum Leerwohnungsbestand 2015 im Aargau veröffentlichen.