Wohlen
Nur die Ohren dürfen beim Schmutzli weiss sein

Die Vorbereitungen auf die Samichlaus-Saison laufen auf Hochtouren. In einer unscheinbaren Garage werden die künftigen Schmutzli in die jahrzehntealte Tradition eingeführt.

Ruedi Burkart
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In Wohlen werden die Schmutzlis in eine alte Tradition eingeführt
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Die beiden haben das Schwärzen augenscheinlich im Griff.
Kerze, Korkzapfen und Spiegel. Mehr braucht es für die künftigen Schmutzli nicht zum Schwärzen.
Glücklich ist wer einen grossen Bruder zur Hilfe dabei hat
Eine Hilfe beim Schwärzen sind die grossen Spiegel auf dem Tisch
Sechs der insgesamt zehn Diener

In Wohlen werden die Schmutzlis in eine alte Tradition eingeführt

«Seht her! Genau so muss es sein.» Philipp Kohler unterbricht für einen kurzen Moment das fröhliche Stimmengewirr der rund 20 Knaben, die sich an diesem Abend in der Garage des Wohler Chappelehofs eingefunden haben. «Auch die Augen müssen schwarz sein. Die Ohren können weiss bleiben. Wer so aussieht wie Florian hier, der kann zur Anprobe der Pelerine.» Kohler, Chef des Chlausbüros, nimmts ganz genau. Nur wer sein Gesicht mit dem Korkenzapfen streifenfrei geschwärzt hat, kriegt das Okay des Chefs.

«Uns ist wichtig, dass die Jungs sich bewusst werden, dass sie ein wichtiger Teil des St.-Nikolaus-Brauchs in Wohlen sind», so Chlausvater Rolf «Röfe» Wüst. Wüst ist seit 36 Jahren für das Brauchtum verantwortlich und hält alle Fäden in der Hand.

Doch wer sind die Knaben im Alter von 12 oder 13 Jahren, die als Schmutzli mitmachen? Wüst: «Zuerst einmal sind es Jungwächter. Sie machen den grössten Anteil der Schmutzli aus.» Vor rund zehn Jahren bot man erstmals auch die katholischen Sechstklässler auf, die sich auf die Firmung vorbereiten. «Allein mit Jungwächtern hätten wir die Nachfrage nach Schmutzli nicht mehr befriedigen können», so Wüst.

Zehn Prozent mehr Hausbesuche

Dieses Jahr sind es 58 Schmutzli, 22 Oberschmutzli und zwei Ober-Oberschmutzli, die während dreier Abende mit den je zehn Nikoläusen und ihren Dienern durch die Strassen von Wohlen und Anglikon ziehen. Und noch eine imposante Zahl: Total 213 Familien werden dieses Jahr besucht, über zehn Prozent mehr als noch 2013.

Nach einer halben Stunde sind die meisten der Jungs regelkonform geschwärzt («geschminkt» sagen die Jungwächter nicht). Nun verlangt Wüst Aufmerksamkeit. Er schwingt eine Spraydose mit schwarzer Farbe und lächelt vielsagend. Jene, die schon letztes Jahr dabei waren, verdrehen die Augen. «Wer nicht mit schwarzen Schuhen zum Schmutzeln erscheint, dem machen wir sie schwarz. Innert Sekunden.» Wüst, der Perfektionist.

Dies mit gutem Grund. Der Schweizer Tourismus-Verband hat dem Wohler St. Nikolaus jüngst erneut für die nächsten drei Jahre das Qualitäts-Gütesiegel der Stufe I verliehen. Wüst: «So eine Auszeichnung verpflichtet.»

Während sich die Schmutzli im Keller mit Kerze, Korkenzapfen und Spiegel abmühen, geht es eine Etage weiter oben um einiges ruhiger zu und her. Wüst weiht die sogenannten Diener in ihre Pflichten ein. Ein Diener wird nicht geschminkt, er trägt während der Familienbesuche und am Auszug aus der Kirche ein weisses Gewand. Er ist während dreier Tage quasi der «Sekretär» des Nikolaus.

Zum Abschluss des Abends disloziert Wüst mit den Dienern zur nahen Pfarrkirche St. Leonhard und schreitet fast schon andächtig die Treppen empor. Oben angelangt hängt er für einen Augenblick seinen ganz persönlichen Gedanken nach, während sich unten auf der Strasse der Feierabendverkehr durch den Kreisel schlängelt. Unvermittelt sagt Wüst: «Es wird auch dieses Jahr wieder grossartig.» Am Sonntag, 7. Dezember, punkt 16.45 Uhr wird Ober-Oberschmutzli Pascal Schmider ins Horn blasen und den grössten Chlausauszug im Aargau eröffnen. Wüst raunt seinen Dienern zu: «Dann werden dort unten wieder 2500 Zuschauer stehen und euch zuschauen.»

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