Hans Hafner (74) ist unzufrieden: Ab März soll der Pensionär, der seit Juni 2011 im Alterszentrum Burkertsmatt in Widen lebt, eine Betreuungspauschale von 40 Franken pro Tag bezahlen. Für Hafner eine massive Kostensteigerung: Bisher wurden ihm 2.45 Franken täglich als Betreuungstaxe verrechnet. Auf einen Monat mit 31 Tagen umgerechnet: Bisher bezahlte Hafner 75.95 Franken für die Betreuung, neu werden es 1240 Franken sein.

downloadDownloadpdf - 1009 kB

Pro Monat bezahlt der Pensionär mit der neuen Pauschale also 1164.05 Franken mehr. «Ich bin in der niedrigsten Pflegestufe und brauche keine Betreuung», erklärt Hafner. Aus seiner Sicht ist es ungerecht, dass künftig alle Bewohner eine Betreuungspauschale bezahlen müssen. «So subventionieren Pensionäre, die kaum Betreuung brauchen, die anderen, die stark betreut werden müssen», kritisiert Hafner.

Brief an den Grossratspräsidenten

Zusammen mit einem 84-jährigen Bewohner des Wider Alterszentrums, der nicht mit Namen genannt werden möchte, wandte sich Hafner an Grossratspräsident Theo Vögtli. Dieser leitete den Brief der Senioren ans Departement Gesundheit und Soziales weiter. Urs Niffeler, stellvertretender Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung, hielt in seiner Antwort fest, dass die Taxordnung des Altersheims Burkertsmatt den kantonalen Vorgaben entspreche.

Zudem befinde sich das Heim laut Prüfung der Taxen «im Toleranzbereich der erhobenen Daten». Niffeler hielt aber fest, eine Erklärung für die Einführung der pauschalen Betreuungstaxe von 40 Fr. fehle. Er führte aus: «Wir stellen fest, dass von Bewohnern oft nicht nachvollzogen werden kann, welche Betreuungsleistungen bezogen werden und in welchem Umfang sie zu entgelten sind.» Niffeler schrieb, vielen Senioren sei nicht bewusst, «dass bereits die 24-stündige Präsenz von Pflegepersonal» eine Betreuungsleistung darstelle. Er empfahl den zwei Senioren, sich für weitere Informationen an die Heimleitung zu wenden.

Diese schrieben Bettina Ochsner, der interimistischen Geschäftsführerin des Gemeindeverbands Regionale Alterszentren. Sie teilten ihr mit, die neue Betreuungspauschale stelle für einzelne Pensionäre eine Teuerung von 38 Prozent dar und forderten sie auf, ihnen klare Zahlen zu nennen, «die eine Begründung dieser Steigerung ausweisen.» Ochsner lud darum alle Bewohner des Alterszentrums Burkertsmatt zu einer Orientierung ein. «Dabei gab es aber von ihr und von Zentrumsleiterin Raphaela Bootz nur unbefriedigende Informationen», sagen Hafner und sein Kollege.

Betreuungsangebot ausgebaut

Mit der Kritik der zwei Bewohner konfrontiert, sagt Bettina Ochsner: «Ich habe Verständnis, dass die neue Betreuungspauschale bei Herr Hafner und seinem Kollegen nicht gut ankommt.» Sie räumt ein, dass stark pflegebedürftige Bewohner dadurch finanziell entlastet, Pensionäre mit geringen Betreuungsbedürfnissen hingegen stärker belastet würden als bisher. «Es ist ein Philosophiewechsel, andere Institutionen in der Region wie der Reusspark Niederwil oder die Pflegi Muri haben schon seit längerem Betreuungspauschalen», erklärt sie. Mit einem Betrag von 40 Franken liege das Alterszentrum Widen «absolut im Rahmen», es gebe auch Heime, die 62 Franken verlangten.

Ochsner ergänzt, das Betreuungsangebot sei in den letzten Jahren deutlich ausgebaut worden. «Es gibt heute Bastelkurse, einen Kinoabend, Ausflüge, Turnen, Aktivierung und vieles mehr», zählt sie auf. Diese Angebote könnten alle Pensionäre nutzen, deshalb sei eine Betreuungspauschale gerecht. Ochsner hält fest: «Betreuungsleistungen einzeln auszuweisen und nach Bezug zu verrechnen, wäre ein zu grosser Aufwand.» Die Heime müssten ihre Kosten aber nach Hotellerie, Betreuung und Pflege aufschlüsseln. Urs Niffeler von der kantonalen Abteilung Gesundheitsversorgung hat festgestellt, «dass das Alterszentrum Widen Tarife und Taxen korrekt in die drei Hauptbereiche aufgeteilt hat».

Bettina Ochsner ergänzt, dass die Heime neu eine Vollkostenrechnung führen müssen. «Dabei müssen wir die Immobilien einbeziehen und Mittel für allfällige Sanierungen selber erwirtschaften, was zu höheren Kosten führt», sagt sie. Bisher seien die Gemeinden des Verbands Regionale Alterszentren bei derartigen Projekten zur Kasse gebeten worden. «Nun beteiligen sich die Gemeinden stärker an den Pflegekosten, dafür müssen wir die Investitionen für Bauvorhaben selber tragen», führt sie aus.