Jonen
Noch nie war das Interesse an Brennholz so gering

Zum ersten Mal überhaupt musste die traditionelle Brennholzversteigerung in Jonen frühzeitig abgebrochen werden.

Patrick Züst
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«Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten» – Gantleiter «Päuli» behält den Überblick über die verschiedenen Gebote an der Brennholzversteigerung 2016 in Jonen.

«Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten» – Gantleiter «Päuli» behält den Überblick über die verschiedenen Gebote an der Brennholzversteigerung 2016 in Jonen.

Patrick Züst

Nach einer halben Stunde in eisiger Kälte wirkt Urs Huber ziemlich konsterniert. Bei Holzbeige 43 schaut er in die Runde und fragt: «Wer braucht noch Brennholz?» Niemand meldet sich. Es ist das erste Mal, dass die Brennholzversteigerung in Jonen abgebrochen werden muss. Noch nie gab es so wenig Teilnehmer, so tiefe Preise, so geringe Nachfrage wie am vergangenen Samstagmorgen. Ein historisches Ereignis, das Förster Huber zu denken gibt.

Seit Jahrzehnten ist es im Forstbetrieb Kelleramt Usus, dass man sich ein Mal jährlich zur traditionellen Brennholzversteigerung trifft. Dabei bestimmt der Markt den Preis, die 51 Holzbeigen werden jeweils dem Höchstbietenden verkauft. Ein geselliger Anlass, bei dem es genauso um den Nervenkitzel des Bietens als auch um Bier und Bratwurst danach geht.

Die Frage von Huber, wer denn eigentlich noch Brennholz brauche, ist durchaus berechtigt. Und das weiss er selbst am besten. Seit Jahren sei die Nachfrage nach Grünholz stetig gesunken, diesmal aber besonders extrem: «Unterdessen gibt es immer weniger Holzheizungen, immer besser isolierte Häuser und immer mehr Konkurrenz. Zudem haben die meisten in diesem warmen Winter nur sehr wenig Holz gebraucht und genügend an Lager.»

Jemand, der noch angewiesen ist auf Brennholz, ist Anouk Bodmer aus Ottenbach. Sie kam im Auftrag ihres Mannes zur Versteigerung, will gutes Holz zu guten Konditionen kaufen. Das besprochene Budget hat sie dabei schnell überschritten, der Spass am Bieten ist ihr aber anzusehen. Was sie genau kaufen soll, weiss sie nicht – Esche sei gut, habe man ihr gesagt. Drei Beigen à rund 85 Franken hat sie erworben.

Zukunft noch unbestimmt

Und Esche gab es definitiv genügend zu kaufen dieses Jahr. Viele vom Pilz befallene Bäume mussten gefällt werden. Ob die Steigerung 2017 wieder durchgeführt wird, darauf konnte und wollte sich Förster Huber nach dem enttäuschenden Verlauf am Samstag noch nicht festlegen. Bei der Bratwurst in der Waldhütte klang er wieder etwas optimistischer: «Eigentlich wäre es ja schon unglaublich schade, wenn man diese schöne Tradition nicht fortführen könnte.»

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