Fischbach-Göslikon

Noch fast keine Erkenntnisse aus dem Reusstal: Sie suchen Pollen aus der Eiszeit

Das Team von Lucia Wick (Mitte) und Nikolaus Kuhn (ganz hinten) sammelt Bodenproben aus bis zu neun Metern Tiefe.

Das Team von Lucia Wick (Mitte) und Nikolaus Kuhn (ganz hinten) sammelt Bodenproben aus bis zu neun Metern Tiefe.

Bodenproben sollen zeigen, wie das Reusstal vor zwölftausend Jahren ausgesehen hat

Mit aller Kraft drücken die Männer und Frauen mit den dreckigen Überhosen den Speer in den Boden, als wären sie Ritter, die einen Drachen töten müssten. Eine Markierung zeigt ihnen, dass sie in der richtigen Tiefe angekommen sind. Eine Drehung und das Erdreich in rund sieben Metern Tiefe wird im Speer eingeschlossen – bis neun Meter tief will die Gruppe bohren, wenn es der Boden zulässt. Der Speer ist natürlich kein richtiger Speer, sondern eine Metallstange, an deren Ende ein zylinderförmiger, zugespitzter Behälter sitzt. Jede Bohrung geht noch etwas tiefer in die Sedimente. Darin enthalten sind Pollen, die vor bis zu zwölftausend Jahren auf den Boden fielen. Genau wie bei Baumringen können die Forscher durch die Einlagerungen tief in der nassen Erde Erkenntnisse über längst vergangene Zeiten gewinnen.

Aber warum untersuchen die Forscher der Uni Basel gerade den Boden im Fischbacher Mösli? «Damit die Pollen erhalten bleiben, darf kein Sauerstoff zu ihnen kommen. Deshalb eignen sich nur Feuchtgebiete rund um Moore oder Weiher. Bei fliessenden Gewässern wären solche Untersuchungen nicht möglich, weil da ja stetig Material heran- und abgetragen wird», erklärt Lucia Wick, Doktor der Archäologie. Sie führt ihren Kurs zusammen mit Nikolaus Kuhn, Professor für Physiogeografie und Umweltwandel. Ihre Studenten versuchen, anhand der Proben etwas über die Umweltgeschichte herauszufinden. So kann man mittels Baum- oder Getreidepollen etwa feststellen, zu welcher Zeit Wald abgeholzt und das Gebiet für landwirtschaftliche Zwecke genutzt wurde. «Das Vieh wurde früher zum Weiden in den Wald getrieben, das begünstigte Buchen, Weisstannen hingegen litten darunter», erklärt Wick eine weitere Auswirkung, die heute noch nachgewiesen werden kann.

Künftig weitere Bohrungen?

In Fischbach-Göslikon hoffen die Wissenschafter, solche Hinweise zu finden. «Der Standort muss auch aus archäologischer Sicht interessant sein, damit sich eine genaue Untersuchung lohnt», erklärt Wick. Im Reusstal gebe es dazu noch fast keine Erkenntnisse. Auch, weil es nicht besonders viele geeignete Stellen gibt, viele Böden rund um Moore wurden zur Torfgewinnung genutzt und das Material deshalb abgetragen. Je nachdem, was die Forscher herausfinden, werden künftig noch weitere Proben mit einem grösseren, elektrisch betriebenen Bohrer genommen. «Eine detaillierte Auswertung würde dann bis zu zwei Jahren dauern, je nachdem, wie viel man herausfinden möchte. Die Proben zu sammeln, ist eigentlich der kleinste Teil der Arbeit, aber es zeigt, dass Forschung nicht nur am Schreibtisch stattfindet», sagt Wick.

Zusätzlich zu den Pollen können auch geochemische Analysen Informationen liefern, etwa der Nährstoff- oder Kohlenstoffgehalt. Wie Kuhn erklärt, sind die Erkenntnisse durchaus auch heute noch nützlich: «Der Landschaftswandel, etwa die Abholzung von Wäldern, hat einen Einfluss auf das Klima. Wenn wir diesen in früheren Zeiten rekonstruieren können, dann ist das nützlich, um Auswirkungen heutiger Veränderungen abschätzen zu können.»

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