Oberwil-Lieli

Noch bis 2016 dient das Feuerwehrlokal Lieli als Ersatz-Kindergarten

Perla Sicher beim Spielen mit den Kindern im umfunktionierten Schulungsraum der Feuerwehr df

Perla Sicher beim Spielen mit den Kindern im umfunktionierten Schulungsraum der Feuerwehr df

Der Kindergarten ist vorübergehend im Feuerwehrlokal einquartiert

Ohne eine einzige Gegenstimme wurde an der Gemeindeversammlung Ende 2014 in Oberwil-Lieli beschlossen, den alten Kindergarten zu renovieren und gleichzeitig ein Gebäude mit Alterswohnungen zu errichten.

In zwei Jahren sollen ein runderneuerter und ausgebauter Kindergarten sowie acht altersgerechte Wohnungen entstehen. Bis dann muss der Kindergarten aus der Grossächerstrasse ausziehen und in einem Provisorium untergebracht werden.

Lange wurde über einen passenden Ersatz diskutiert, die Errichtung eines provisorischen Containers im Betracht gezogen. Dann brachte Ferdinand Koller, Hausabwart des Schulhauses «Falter» in Lieli, den entscheidenden Vorstoss.

Auf seine Idee hin werden die Kinder seit Anfang August im Schulungsraum des neuen Feuerwehrlokals betreut – eine ungewöhnliche Lösung. Eine geräumige Küche und Sanitäranlagen sind vorhanden und die Zimmer dank der grossen Fenster stets vom Licht durchflutet.

Die Feuerwehr weicht für ihre Übungen in ein anderes Gebäude aus und die Gemeinde spart viel Geld, verglichen zur Alternative, eine neue temporäre Unterkunft errichten zu müssen.

Spielzimmer statt Schulungsraum

Doch vorerst standen die Beteiligten, allen voran die Kindergärtnerin Perla Sicher, vor einer schwierigen Aufgabe. Es galt, den kargen Schulungsraum in einen heimeligen Kindergarten zu verwandeln.

Mit viel Liebe und Aufwand richtete Perla Sicher die Räume im Obergeschoss des Feuerwehrlokals kindsgerecht her, transportierte das Inventar aus dem alten Kindergarten in die neue Bleibe und dekorierte um.

Drei Wochen lang arbeitete sie intensiv daran, denn «zwei Jahre ist keine kurze Zeit, ich möchte das Umfeld für die Kinder auch in dieser Zeit schön gestalten.»

Sogar Schaukeln und einen Sandkasten transportierte man zum Feuerwehrlokal. Nun sind die Kinder und die Kindergärtnerin rundum glücklich. Sie haben sogar Platz dazu gewonnen. Bloss die weitläufige Wiese mit Bäumen und Klettergerüsten werden die Kinder vermissen. Zudem sind die Wände im Schulungsraum aus Beton und der Boden aus Stein.

Doch Perla Sicher weiss sich zu helfen: Die Dekoration, Fotos und Zeichnungen klebte sie einfach mit doppelseitigem Klebeband an die Betonwände oder griff zur Bohrmaschine. Wo nötig, liegen Teppiche auf dem Boden.

Perfektes Teamwork

Auch der Schreiner Peter Villiger aus Lieli half: Er montierte ein tieferes Treppengeländer für die Kinder und baute kleine Podeste vor die Waschbecken und Toiletten, welche für Erwachsene gedacht sind.

Auch kleine Bänke und Garderoben wurden installiert. Die Gemeinde zeigte sich ebenfalls sehr hilfsbereit, sie stellte ein Budget von 1500 Franken für die Einrichtung bereit.

Alle Kinder lieben das neue «Familienhaus», das Perla Sicher unter anderem von dem Geld anschaffte. Die allgemeine Stimmung unter den Kindern: Der neue Kindergarten ist grossartig, und sie finden es cool, im Feuerwehrlokal untergebracht zu sein.

Die Meisten wollen fast nicht mehr zurück, auch wenn der Weg für sie etwas weiter geworden ist. «Dafür müssen sie nicht über die Hauptstrasse laufen, sondern können das Lokal über kleine, kaum befahrene Strassen erreichen», sagt Perla Sicher.

Das Fazit der Kindergärtnerin: «Die Kinder fühlen sich sehr wohl, dies ist für uns das schönste Provisorium überhaupt, besser hätten wir es uns nicht ausmalen können.» So geht es praktisch allen. Der Kindergarten im Feuerwehrlokal, der als Notlösung geplant war, entwickelt sich zur kleinen Erfolgsgeschichte.

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