Niederwil
Streit um neue Asylunterkunft: Referendumskomitee erschien nicht zur Pressekonferenz

452 Niederwilerinnen und Niederwiler unterzeichneten das Referendum gegen den Bau einer neuen Asylunterkunft an der Hubelstrasse. Die Mitglieder des Referendumskomitees glänzten jedoch an der Pressekonferenz des Gemeinderates mit Abwesenheit. Was ihre Gründe gegen den Bau der Asylunterkunft sind, bleibt weiterhin unklar.

Nathalie Wolgensinger
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Gemeindeammann Walter Koch und Gemeinderätin Cornelia Stutz vor dem Haus an der Hubelstrasse 18 in Niederwil, das für den Bau einer neuen Asylunterkunft abgerissen werden soll.

Gemeindeammann Walter Koch und Gemeinderätin Cornelia Stutz vor dem Haus an der Hubelstrasse 18 in Niederwil, das für den Bau einer neuen Asylunterkunft abgerissen werden soll.

Nathalie Wolgensinger

Surreal war die Stimmung an diesem frühen Montagmorgen an der Niederwiler Hubelstrasse. Der erste Nebel des beginnenden Herbstes lag grau über dem Dorf, als vor der Liegenschaft an der Hubelstrasse 18 Gemeinderätin Cornelia Stutz und Gemeindeammann Walter Koch die drei Pressevertreterinnen zur Infoveranstaltung begrüssten. Dass man sich an der frischen Luft traf, war für einmal nicht Corona geschuldet. Vielmehr wollten die Gemeindevertreter am Ort des Geschehens ihre Argumente präsentieren. Walter Koch bedauerte:

«Wir hätten gerne jemanden aus dem Referendumskomitee dabei gehabt, damit sie ihre Argumente darlegen können.»

Dem war aber nicht so. Stutz und Koch hatten also freie Fahrt, um ihre Argumente zu präsentieren.

Seit 2018 sucht die Gemeinde eine Alternative

Die Suche nach einer Alternative für die Asylunterkunft in Niederwil ist eine lange und wechselvolle Geschichte. Die Asylbewerber, welche die Gemeinde unterbringen muss, sind aktuell in einem baufälligen Gebäude an der Hauptstrasse 9 untergebracht. Dort können sie aber nicht bleiben. Der Besitzer will das Areal überbauen. Das weiss man schon seit einigen Jahren. Und so lange dauert auch die Suche nach einer Alternative.

Bereits im Jahr 2018 präsentierte der Gemeinderat dem Souverän eine Lösung. Er schlug vor, ein Gebäude an der Göslikerstrasse 25 zu diesem Zweck zu erwerben. Die Stimmberechtigten lehnten das Vorhaben damals jedoch ab. Unter anderem wurde ins Feld geführt, dass die Liegenschaft samt Umschwung zu klein wäre. Eine neue Lösung musste her und wurde eben an der Hubelstrasse gefunden. Dort besitzt der Verein Gnadenthal eine baufällige Liegenschaft mit 1300 Quadratmetern Umschwung.

Weil es sich nicht lohnt, das Haus zu renovieren, wird es vom Verein abgerissen. Der Gemeinderat würde das Bauland für mindestens 35 Jahre im Baurecht erhalten und möchte einen Neubau darauf realisieren. Die Gemeindeversammlung im Juni dieses Jahres stimmte dem Neubau der Asylunterkunft für 860'000 Franken zu. Dagegen wurde das Referendum ergriffen, das von 452 Niederwilerinnen und Niederwilern unterschrieben wurde.

Sollen die Asylbewerber in die ehemalige Fensterfabrik ziehen?

Am 24. Oktober wird man in Niederwil an der Urne also nochmals darüber befinden. Die Gegner führen zu hohe Kosten für den zweistöckigen Neubau mit zwei Viereinhalbzimmerwohnungen ins Feld. Gemeindeammann Koch kommentierte:

«Da soll man mir doch bitte zeigen, wo man in Niederwil für 850'000 Franken zwei Wohnungen kaufen kann.»

Sollte das Kontingent an zugewiesenen Asylbewerbern kleiner werden, könnte ein Teil der Fläche als Sozialwohnung genutzt werden. Zudem sei mit dieser Lösung mit einem Mehrertrag von 10'000 Franken pro Jahr zu rechnen, welcher der Gemeindekasse zugutekommt, ergänzte Cornelia Stutz. Die direkten Nachbarn befürchten offenbar, dass ihre Liegenschaften an Wert verlieren, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft eine Asylunterkunft steht. Dies sei nicht der Fall, so Cornelia Stutz, sie habe sich bei einem Immobilienfachmann erkundigt, und der habe bestätigt, dass dies keine Wertminderung darstelle.

Walter Koch berichtete, es seien Stimmen laut geworden, die forderten, dass die Asylbewerber in der leer stehenden Fensterfabrik untergebracht würden. Das gehe nicht, weil sich die Produktionsstätte in der Industriezone befindet. Dort könne man nicht einfach Wohnraum realisieren, sagte er.

«Wir hätten gerne mit dem Referendumskomitee diskutiert», bedauerte Koch. So blieb die Pressekonferenz eine einseitige Sache. Den Stimmbürgern könne man nun einzig die Botschaft zur Urnenabstimmung als Lektüre empfehlen, sagte Koch weiter. Dort wird den Gegnern des Projektes nämlich Platz angeboten, um ihre Bedenken vorzubringen und somit Licht in den dichten Reusstaler Nebel zu bringen.

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