Niederwil
Deutliches Ja: Die zweistöckige Asylunterkunft darf gebaut werden

Beim letzten Versuch wurde ein Asylunterkunftsprojekt der Gemeinde Niederwil abgelehnt. Zum Glück, wie der Gemeinderat jetzt weiss. Denn mit dem Neubau an der Hubelstrasse 18 kann er genau nach seinen Bedürfnissen bauen. Aber nicht nur dazu sagten die Einwohner am Mittwochabend deutlich Ja.

Andrea Weibel
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Die Niederwiler Gmeind stimmt grossmehrheitlich für die Asylunterkunft.

Die Niederwiler Gmeind stimmt grossmehrheitlich für die Asylunterkunft.

Andrea Weibel

Es ist das Happy End einer längeren Geschichte: Am Dienstagabend sagten die Niederwiler an der Gmeind deutlich Ja zum Neubau der Asylunterkunft. Für 860'000 Franken darf der Gemeinderat nun an der Hubelstrasse 18 bauen – läuft alles rund, können die vorläufig aufgenommenen Asylsuchenden, die die Gemeinde unterbringen muss, schon im Herbst 2022 in ihr neues Heim umziehen. Nach ein paar wenigen kritischen Fragen – die meisten waren schon im Mai an einer Infoveranstaltung gestellt worden – sagten von 164 anwesenden Niederwilerinnen und Niederwilern 119 Ja zum Projekt, 43 sagten Nein bei einer Enthaltung.

Schon 2018 hat der Gemeinderat eine Lösung vorgeschlagen, denn nicht nur ist die heutige Asylunterkunft an der Hauptstrasse 9 sehr baufällig, sie wird in den nächsten Jahren auch einer Überbauung weichen müssen. Den Vorschlag, ein Haus an der Göslikerstrasse 25 zu sanieren, lehnten die Einwohner ab. Durch den Hinweis aus der Bevölkerung stiess der Gemeinderat dann auf das Häuschen an der Hubelstrasse 18 – und fand die perfekte Lösung, wie Gemeinderätin Cornelia Stutz betonte:

«Wir sind überzeugt, die sinnvollste Lösung gefunden zu haben.»
Das Häuschen an der Hubelstrasse 18 wird bald abgerissen. Danach darf die Gemeinde hier eine doppelstöckige Asylunterkunft für 860'000 Franken bauen.

Das Häuschen an der Hubelstrasse 18 wird bald abgerissen. Danach darf die Gemeinde hier eine doppelstöckige Asylunterkunft für 860'000 Franken bauen.

Andrea Weibel (20.5.2021)

Das Häuschen wird bald vom Besitzer, dem Verein Gnadenthal, abgerissen, weil es sich schlicht nicht mehr lohnt, es zu renovieren. Das Bauland kann die Gemeinde mindestens für 35 Jahre im Baurecht nutzen und darauf die nicht nur finanziell, sondern auch energetisch beste und wohl auch für die Asylsuchenden angenehmste Lösung bauen. Der Gemeinderat ist sehr froh, dieses Kapitel nun bald abschliessen zu können.

«Wasser 2035» und «Geere» erhielten ein deutliches Ja

Obwohl die Gmeind mit zwölf Traktanden eine lange Liste abzuarbeiten hatte, kam sie ohne grössere Diskussionen in gut zwei Stunden durch. Der Gemeinderat hatte einige wichtige Projekte vorzustellen – und die Einwohner teilten meist grossmehrheitlich dessen Einschätzung.

So wird Niederwil bei der Gründung der interkommunalen Anstalt «Wasser 2035» mitmachen, die einen Ringschluss des Trinkwassers übers Bünz- und Reusstal im Sinn hat. Laut Gemeinderat Norbert Ender war es sogar die Anfrage der Gemeinde Niederwil an Wohlen über einen möglichen Zusammenschluss, der den Anstoss zur Idee Wasser 2035 gegeben haben soll. «Das Projekt ist für uns von zentraler Bedeutung», freute sich Ender über die grosse Mehrheit an Ja-Stimmen.

Auch darf der Gemeinderat nun die Verhandlungen über die Parzelle 177 im Gewerbegebiet Geere aufnehmen. 2020 wurde das rund 1,85 Hektaren grosse Land zur Bewerbung öffentlich ausgeschrieben. Von 31 Bewerbungen kristallisierten sich 18 heraus, die der Gemeinderat genauer prüfen und Verhandlungen mit den Firmen aufnehmen möchte.

Gemeindeammann Walter Koch erklärte: «Es ist fast unmöglich, jeden einzelnen Bewerber an einer Gmeind zu verhandeln.» Deshalb beantragte der Gemeinderat, mit diesen 18 Firmen Verhandlungen zu führen und auch die Kaufverträge abzuschliessen. Auch dem stimmten die Niederwiler grossmehrheitlich zu. Ziel ist, dass der Gestaltungsplan 2025 rechtskräftig wird und somit dann die Bauarbeiten beginnen können.

Musikschule und Gemeindeverwaltung dürfen jubeln

Auch die Musikschüler und insbesondere deren Lehrkräfte dürfen sich freuen: Nach Stetten und Künten sagt nun auch Niederwil Ja zu einer regionalen Musikschule Reusstal. Einzig die Antwort von Fischbach-Göslikon steht noch aus, das am 24. Juni darüber abstimmen wird. Vorteile sind unter anderem, dass den Lehrpersonen grössere Pensen angeboten werden können – die nun auch besser entlöhnt werden sollen. Ammann Koch hielt fest: «Im Moment hinken wir mit den Musiklehrerlöhnen massiv hinterher.» Auch können so Synergien in der Administration genutzt und Standards des Verbands Aargauer Musikschulen umgesetzt werden.

Und auch die Gemeindeverwaltung darf jubeln: Die Pensenerhöhung wurde grossmehrheitlich gutgeheissen. «In den letzten 21 Jahren ist Niederwil um rund ein Drittel gewachsen. In dieser Zeit wurden die Pensen der Gemeindeverwaltung nie aufgestockt. Das geht einfach nicht mehr», machte Walter Koch deutlich.

Nun dürfen Gemeindekanzlei, Einwohnerdienste, Sozialdienst sowie die Abteilungen Steuern und Finanzen ab August um 60 Prozent aufgestockt werden. Weitere 75 Prozent sind in Reserve genehmigt worden. Koch, der Ende Jahr als Ammann zurücktritt, verspricht lachend:

«Ich werde das nicht mehr ausführen können, aber auch meine Nachfolger haben mir versichert, sie werden haushälterisch mit den Reserven umgehen.»

Auch 120'000 Franken für den Umbau einer Transformatorenstation bei der Biogasanlage in Nesselnbach wurden genehmigt. Ebenso die Rechnung, die mit einem Ertragsüberschuss von 800'500 Franken und somit um rund 841'800 Franken besser abschliesst als budgetiert. Ausserdem wurde einem polnischen und einem italienischen Paar das Bürgerrecht gewährt.

Zum Schluss informierte Gemeinderat Ender, dass eine Analyse des Gemeindehauses durchgeführt worden sei. Es seien keine negativen Überraschungen aufgetreten. Ziel sei es darum, bereits an der Wintergmeind einen Studienauftrag vorlegen zu können. Ebenso solle auch ein Kreditantrag für neue FC-Umkleidekabinen im «Gade», im Untergeschoss der Mehrzweckhalle, an die Wintergmeind, wie Walter Koch erklärte. Es sei sehr knapp, aber:

«Das wäre super, denn dann könnte man 2022 mit den Bauarbeiten beginnen und 2023 einweihen – pünktlich zum Jugendfest.»