Niederwil
Asylunterkunft kann gebaut werden: Dorf lehnt das Referendum mit 63,3 Prozent der Stimmen ab

Die Asylsuchenden in Niederwil brauchen eine neue Unterkunft. Nun darf diese gebaut werden. 63,3 Prozent der Urnengänger haben dem zugestimmt. Das Referendumskomitee, das vor allem auf die Kosten pochte, ist gescheitert.

Andrea Weibel
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Die Urnenabstimmung hat es bestätigt: An der Hubelstrasse 18 darf eine zweistöckige Asylunterkunft gebaut werden.

Die Urnenabstimmung hat es bestätigt: An der Hubelstrasse 18 darf eine zweistöckige Asylunterkunft gebaut werden.

Andrea Weibel (20. Mai 2021)

Der Niederwiler Gemeinderat ist sehr froh, endlich findet eine jahrelange Suche ein Ende: Die neue zweistöckige Asylunterkunft darf an der Hubelstrasse 18 gebaut werden. Das wurde am Sonntag mit 568 Ja- gegen 329 Nein-Stimmen an der Urne entschieden. Gemeindeammann Walter Koch hielt kurz vor Mittag auf telefonische Anfrage fest: «Uns freut das natürlich sehr. Insbesondere ist schön, dass die Stimmbeteiligung mit 47,3 Prozent so hoch war.»

Das deutliche Resultat machte den Gemeinderat zusätzlich glücklich. «An der Gemeindeversammlung im Juni waren fast drei Viertel der Anwesenden für den Neubau, jetzt an der Urne waren es noch rund zwei Drittel, also ein bisschen weniger. Dennoch ist die Zustimmung sehr deutlich, das ist ein wichtiges Zeichen für uns», sagt Koch.

Nicht alle Unterzeichnenden des Referendums stimmten Nein

Was den Ammann überrascht hat: Das Referendum gegen die Asylunterkunft, das im August zu Stande gekommen ist, wurde damals von 452 Personen unterschrieben. An der jetzigen Abstimmung legten aber nur 329 Niederwilerinnen und Niederwiler ein Nein in die Urne. «Entweder gingen die anderen Unterzeichnenden also gar nicht abstimmen oder haben sich wieder umentschieden.»

Es sei in der Gemeinde deutlich zu spüren – und auch oft zu hören – gewesen, dass viele Leute die Gründe der Referendumsführer nicht verstanden hätten. Das Komitee hielt sich stets bedeckt, wollte sich auch am Pressetermin nicht beteiligen und pochte darauf, dass eine günstigere Lösung gefunden werden müsste. Dabei haben wir aufgezeigt, dass dies die günstigste und nachhaltigste Lösung ist, hält der Ammann fest.

Die Leserbriefe, die in den vergangenen zwei Monaten fast täglich auf der Redaktion der AZ Freiamt eintrafen und in der Zeitung erschienen, haben die Stimmung im Dorf also relativ gut abgebildet. Dort gab es kaum eine Handvoll Schreibender, die sich gegen die neue Asylunterkunft aussprachen.

Die Unterkunft sollte im Herbst bezugsbereit sein

Niederwil braucht eine neue Lösung für die Unterbringung der elf zugewiesenen Asylbewerber, denn die heutige Unterkunft wird einer neuen Überbauung weichen müssen. «Das dortige Projekt ist bereits in Planung, das wird nicht mehr lange dauern», bestätigt der Ammann.

2018 hat der Gemeinderat letztmals eine Lösung vorgeschlagen, damals ein Haus an der Göslikerstrasse. Dies ist damals abgelehnt worden, vor allem, weil es kaum Umschwung hatte, wo sich die Asylsuchenden hätten aufhalten können.

Mit dem Bauland im Hubelquartier war sich der Gemeinderat sicher, eine richtig gute Lösung gefunden zu haben. So stellte er das im Sommer auch mehrfach vor. Sein Vorgehen zahlt sich nun aus, denn die neue doppelstöckige Unterkunft darf gebaut werden. Ammann Walter Koch sagt:

«Ich gehe davon aus, dass die Unterkunft im Herbst einzugsbereit sein sollte.»

Wenn das Dorf nicht plötzlich viel mehr Asylsuchende aufnehmen muss, sollte diese Lösung nun mindestens für die nächsten 35 Jahre gelten. So lange kann die Gemeinde das 1300 Quadratmeter umfassende Grundstück samt grossem Garten und Grünhecke nämlich im Baurecht vom Verein Gnadenthal benützen – und auch eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen.

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