Villmergen
Nicht nur wegen des Hochwasserschutzes: Der Trybach kommt bald aus der Röhre

Die Renaturierung wertet die Ökologie auf und verbessert den Hochwasserschutz.

Toni Widmer
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Baustelle zwischen Villmergen und Dintikon – zurzeit wird dort die Gasleitung auf einem kurzen Abschnitt tiefer gelegt. Danach erfolgt die Offenlegung des Trybachs.

Baustelle zwischen Villmergen und Dintikon – zurzeit wird dort die Gasleitung auf einem kurzen Abschnitt tiefer gelegt. Danach erfolgt die Offenlegung des Trybachs.

Toni Widmer

1994 und 1999 traten bei starken Unwettern in Villmergen die Bäche über die Ufer. Die sich durch das Dorf wälzenden Wassermassen richteten beide Male Millionenschäden an. Der Gemeinderat reagierte bereits nach dem ersten Hochwasser umgehend und liess ein Hochwasserschutzprojekt ausarbeiten.

Mit den beiden Rückhaltebecken «Drachtenloch» und «Schloss» ist mittlerweile der Hauptteil davon verwirklicht. Im Wald zwischen Villmergen und Büttikon wird das Wasser vom Hinterbach zurückgestaut, unterhalb von Schloss Hilfikon das vom Erusbach. Noch nicht gelöst ist die Situation am Rietenberg. Von dort kommt der Schwarzhaldenbach und auch er ist bei Unwettern schon mehrmals über die Ufer getreten. 1999 war der Dorfplatz deshalb rund einen halben Meter hoch mit Geschiebe und Geröll bedeckt.

Erste Pläne schon 2001

Ein Projekt zur Verbesserung der Abflussmenge für den Schwarzhaldenbach gibt es seit 2001, die Realisierung hat sich jedoch aus verschiedenen Gründen verzögert. Jetzt ist mit der Renaturierung des Trybachs eine erste Etappe in Angriff genommen worden. Auch der Trybach kommt vom Rietenberg, allerdings ausserhalb des Dorfes, zwischen Villmergen und Dintikon. Bis zur Unterzelgstrasse fliesst er weitgehend offen, dann ist er bis hinunter zum Holzbach eingedolt.

Die laufende Renaturierung dient nicht nur dem Hochwasserschutz. Es ist auch eine ökologische Ersatzmassnahme, mit der einerseits Rodungen kompensiert werden, die 2004 für den Bau des Rückhaltebeckens Drachtenloch nötig gewesen sind. Anderseits wird das Gebiet mit dieser Massnahme allgemein ökologisch besser vernetzt, was den Bestrebungen des Kantons entgegenkommt. Zwei weitere Etappen dienen ebenfalls dem Ausbau des Trybachs. Am Schluss soll der Schwarzhaldenbach bei Hochwasser in diesen entwässern können. Die Abflussmenge wird nach dem Ausbau mindestens bei 7 Kubikmetern pro Sekunde liegen.

Komplexes Projekt

Vorab erhält der Trybach ein breiteres Bett. Die Bachparzelle ist 17 Meter breit, das Bachbett selbst variiert zwischen 6 bis 9 Metern. Dafür wird mit Natursteinen eine grobe Struktur vorgegeben, der Bach kann in begrenztem Rahmen mäandrieren und in der Wassertiefe variieren. «An kritischen Stellen», erklärt Projektleiter Stefan Hess vom Wohler Büro KIP Ingenieure und Planer AG, «wird das Bachbett fest vorgegeben, unter anderem mit Wellstahlprofilen. Das ist insbesondere im Bereich der Strassenunterqueren nötig.» Die Offenlegung des Trybachs ist ein recht komplexes Projekt.

So müssen dafür zwei Hockdruck-Gasleitungen von Swissgas im Bereich des neuen Bachbetts tiefer gelegt werden. Dafür musste ein rund 5 Meter tiefes Loch ausgehoben und mit Spundwänden stabilisiert werden. Wegen des hohen Grundwasserspiegels im Bereich der Baustelle hat das an die beauftragte Baufirma einige Ansprüche gestellt. Die neuen, tiefer gelegten Leitungsstücke werden voraussichtlich bereits am 6. und/7. September an die Hauptleitungen angeschlossen werden können.

Nicht ganz einfach sind auch die Strassenquerungen. Die Unterzelgstrasse zwischen Villmergen und Dintikon kann dafür ein paar Tage lang gesperrt werden. Auf der mit gegen 25 000 Fahrzeugen täglich stark frequentierten Bünztalstrasse ist das nicht möglich. In der verkehrsarmen Herbstferienzeit wird dort vorübergehend eine Umfahrung gebaut, damit der Verkehr zweispurig um die Baustelle fliessen kann. Der bauliche Teil der Renaturierung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Im Frühling 2017 wird dann noch die Bepflanzung des neuen Bachlaufs erfolgen.

Die Natur zulassen statt sie zähmen

Bis vor ungefähr 50 Jahren wurden zahlreiche Gewässer begradigt, eingedämmt und eingedolt. Damit wollte man der Landwirtschaft entgegenkommen und zusätzliches Bauland gewinnen. Bewährt hat sich das nicht, vor allem die Gefahr von Überschwemmungen wurde wegen der erhöhten Fliessgeschwindigkeiten nach der Korrektur grösser.

Mittlerweile werden viele Gewässer wieder offen gelegt und die Bachläufe in ihre ursprüngliche Form zurückgebracht. Das schafft Lebensräume für Flora und Fauna, verlangsamt aber auch die Abflussgeschwindigkeiten und vermindert so die Gefahr von Hochwasser. Infos zu den Renaturierungsprojekten im Aargau www.ag.ch/de/bvu/bvu.jsp. (to)