Rudolfstetten-Friedlisberg 
Neues Zentrum auf dem Mutschellen soll Insel der Begegnung werden

Die Planung für die Entwicklung des Gebiets Bolleri auf dem Mutschellen wurde angepasst.

Walter Christen
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Der Spar auf dem Mutschellen (Bolleri) und das Haus von Elektro Fröhli (rechts) sollen einer neuen Überbauung mit Platzgestaltung weichen.

Der Spar auf dem Mutschellen (Bolleri) und das Haus von Elektro Fröhli (rechts) sollen einer neuen Überbauung mit Platzgestaltung weichen.

Walter Christen (chr)

Mühsam quält sich der Verkehr aus allen vier Richtungen über die Mutschellenkreuzung. Die tägliche Zahl der Fahrzeugbewegungen ist horrend. Eine Entflechtung ist längst fällig, aber zum Leidwesen von Verkehrsteilnehmern und Anwohnern (noch) nicht in Sicht. In Reichweite der Blechlawine soll nun als Insel der Begegnung ein neues Zentrum entstehen: Wohnraum in Gebäuden mit bis zu acht Stockwerken und einer öffentlichen Nutzung in den Erdgeschossen auf einem Platz mit Grün- und Freiräumen.

Spar und Elektro Fröhli: Abbruch

Das Projekt soll auf jenem Areal im Gebiet Bolleri auf Rudolfstetter Gemeindegebiet realisiert werden, auf dem sich die Filiale des Lebensmittelhändlers Spar und die Liegenschaft von Elektro Fröhli befinden. Beide Gebäude werden abgebrochen, um Platz zu schaffen «für den kantonalen Wohnschwerpunkt im Bereich des Mutschellen-Knotens» (Kantonsstrassen K 127 und K 411), wie es in den Planunterlagen heisst.

Die Gemeinden Rudolfstetten-Friedlisberg, Berikon und Widen haben gemeinsam einen regionalen Sachplan erstellt. Im nordöstlichen Quadranten von Rudolfstetten soll nun, im Sinne des regionalen Sachplans, eine Teiländerung der Nutzungsplanung Mutschellen-Bolleri vorgenommen und ein Gestaltungsplan für das Teilgebiet Mutschellen-Bolleri Nord erstellt werden.

Die Rudolfstetter begutachten das Projektmodell.

Die Rudolfstetter begutachten das Projektmodell.

Walter Christen (chr)

Im Planungsverlauf hat sich gezeigt, dass die rechtskräftigen kommunalen Planungsgrundlagen (Bauzonenplan, Bau- und Nutzungsordnung) die angestrebte Gebietsentwicklung nur teilweise zulassen. Um die rechtlichen Grundlagen für die angestrebte Entwicklung im Gesamtgebiet sowie im Gestaltungsplangebiet zu schaffen, ist die Anpassung erforderlich.

Die Planung verfolgt verschiedene Ziele. Zuerst realisiert sie die Vision eines Zentrums Mutschellen, in welchem Vorgaben des kantonalen Richtplans sowie des neuen Raumplanungsgesetzes (Innenentwicklung und Verdichtung) umgesetzt werden. Dabei wird auf eine qualitative Siedlungsentwicklung mit angemessener Verdichtung, neuem und diversifiziertem Wohnraum sowie einer angemessenen Nutzungsvielfalt geachtet. Daneben wird ein attraktives, koordiniertes und nachhaltiges Mobilitätsangebot (Bus und Bahn, nebst dem Individualverkehr) nicht ausser Acht gelassen. Die Autoabstellplätze sind zentral und unterirdisch organisiert.

Öffentlicher Mutschellenplatz

Gemeinde, Kanton, Planer und Investoren sehen im Gebiet Mutschellen-Bolleri ein grosses Entwicklungspotenzial an zentraler, gut erschlossener Lage in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Berikon-Widen. Es wird ein lebendiges und vielfältiges Gebiet angestrebt. Die vorgesehene Durchmischung mit Wohnen, Gewerbe und öffentlicher Nutzung trägt zum Zentrum und zu dessen Belebung bei. Der neue öffentliche Mutschellenplatz soll eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Die Entwicklung des Areals geschieht in Etappen.

Entwürfe und Planunterlagen können noch bis 6. Juni während den Schalteröffnungszeiten im Gemeindehaus Rudolfstetten-Friedlisberg eingesehen werden. Parallel zur kantonalen Vorprüfung ist die Bevölkerung zur Mitwirkung eingeladen. Jedermann kann dem Gemeinderat Vorschläge und Begehren einreichen.

Das Zentrum Mutschellen ist eines jener Projekte, das die Bevölkerung stark interessiert und mit dem sie sich auseinandersetzt. Dabei geht es in erster Linie nicht einmal um die mögliche Neuüberbauung mit dem Mutschellenplatz – vielmehr bewegt die Verkehrssituation rund um das Planungsgebiet die Gemüter in Rudolfstetten. Das zeigte sich an der öffentlichen Informationsveranstaltung, welche diese Woche im Mehrzweckraum durchgeführt und von über 50 Einwohnerinnen und Einwohnern besucht wurde.

Im Entwicklungskonzept befasse man sich unter anderem mit der Verkehrssituation rund um das Gebiet Bolleri und mache sich auch Gedanken zur Entflechtung des Mutschellen-Knotens durch Optimierungen, sagte Gemeindeammann Josef Brem. «Es wurden auch Überlegungen angestellt, Bahn und Strasse tiefer zu legen. Die Möglichkeit dafür ist im Regionalen Sachplan festgehalten.» Eine grundlegende Änderung der Verkehrssituation auf dem Mutschellen bringt das neue Zentrum aber nicht, wie zu erfahren war.