Für die 28 Frauen und Männer, die in den einstigen Klosterräumlichkeiten leben, soll ein dem heutigen Standard angepasster Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Dazu wird der Klosterflügel West baulich verändert beziehungsweise angepasst. Während der Bauzeit sind die Bewohnerinnen und Bewohner im bestehenden Personalhaus untergebracht. Für die Angestellten wurde in der Umgebung der erforderliche Wohnraum angemietet.

Bettenlift wird eingebaut

«Es gibt neue Zimmerstrukturen. Das Treppenhaus ist von oben bis unten bereits ausgebrochen, damit dort ein Bettenlift eingebaut werden kann», erklärte Thomas Gratwohl, Leiter des technischen Dienstes im Reusspark, gegenüber der AZ bei einer Besichtigung der Baustelle. In dieser Bauphase stellt die Statik des Gebäudes eine ganz besondere Herausforderung dar, wie Gratwohl weiter ausführte. Denn von 1930, 1950 und 1980 weiss man, dass es damals bauliche Veränderungen gab. Bei den im April begonnenen aktuellen Arbeiten wurden zum Beispiel Eisenträger freigelegt, die neu in die Berechnung der Statik einbezogen werden mussten.

Im Bereich des künftigen Liftstandorts erfolgte ein zusätzlicher Aushub, in dessen Verlauf Bodenschichten mit Bauschutt und Asche zum Vorschein kamen sowie Teile einer jahrhundertealten Mauer. Es ist ja nicht nur der grosse Bedarf an baulichen Anpassungen, der zu entsprechend aufwendigen Baumassnahmen führt, sondern auch die Rücksichtnahme auf das Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Dieses bedingt eine bewusste Sorgfalt und Zurückhaltung bei den Eingriffen. Aspekte der umfangreichen Gebäudeinstallation, der erwähnten Statik, der Erdbebensicherheit, der funktionellen Abläufe und des Flächenbedarfs müssen beim aktuellen Aus- und Umbauprojekt berücksichtigt werden, ohne die historische Bausubstanz zu beeinträchtigen oder gar zu opfern.

Fund alter Keramikscherben

Der Wandel des im Jahr 1250 entstandenen Frauenklosters zur Tabakfabrik und ab 1894 zur Pflegeanstalt für bedürftige Menschen bis zum heutigen Reusspark, hat viele Spuren hinterlassen. Deshalb stehen die Bauverantwortlichen in direktem Kontakt zur kantonalen Denkmalpflege und zum Archäologen Reto Bucher, der momentan auf der Baustelle im West-Flügel freigelegte Mauerreste aus früheren Zeiten dokumentiert. Zu den neuen Funden zählen Keramikscherben, die aus dem 15. Jahrhundert stammen.

Im Gebäudekomplex des ehemaligen Klosters Gnadenthal wurden in den letzten Jahren verschiedene Pflegewohnbereiche baulich erneuert, damit sie den heute gültigen Normen entsprechen. Im West-Flügel, der jetzt umgebaut wird, waren die Verhältnisse im Wohnbereich mit 28 Pflegebetten nicht mehr zeitgemäss; der letzte Umbau erfolgte dort vor bald 40 Jahren. So fehlten in allen Bewohnerzimmern Nasszellen und es gab lediglich Etagenduschen und -toiletten. Die Bettenbelegung gestaltete sich immer schwieriger, sodass in den letzten paar Jahren durchschnittlich fünf Pflegebetten nicht zugeteilt werden konnten.

Ziel des aktuellen Umbaus ist deshalb die komplette Sanierung des gesamten Gebäudeflügels West über alle drei Stockwerke. Eingebaut werden in sämtlichen Zimmern behindertengerechte Nasszellen sowie ein zentrales Pflegebad. Dafür, und für die Ausgussräume auf allen Etagen sowie Toilettenanlagen für Personal und Besucher, ist zusätzliche Fläche erforderlich. Dies soll jedoch nicht zu einer Verringerung der Bettenzahl führen. Als Kompensation ist vorgesehen, im bisher leer gestandenen zweiten Obergeschoss des Reuss-Flügels zusätzliche, mit Dachlukarnen belichtete, Zimmer einzubauen.

Betreutes Wohnen

Ist der Wohnbereich dann fertig saniert, sollen dort auch in Zukunft mehrheitlich betagte Menschen, die über eine relativ gute Selbstständigkeit und Mobilität verfügen, in betreuter Wohnform leben. Aus diesem Grund ist es möglich, die gemeinsam genutzten Bereiche, wie Aufenthaltsraum, Essraum, Aktivierungsraum und Raucherraum an unterschiedlichen Orten im Gebäude einzurichten.

Die Verbesserung der horizontalen und vertikalen Erschliessung des West-Flügels ist von grosser Bedeutung. So verbinden ein neuer, als Bettenaufzug dimensionierter Lift und das danebenliegende, neue Treppenhaus vom Keller bis zum obersten Stockwerk alle von der Abteilung genutzten Gebäudeebenen. Der nördliche Aussenzugang wird neu von allen Geschossen her zugänglich gemacht. Im Erdgeschoss wird eine Korridorverbindung zwischen dem Kreuzgang und der Abteilung des West-Flügels geschaffen. Einige der noch bestehenden, unpraktischen Rampenanlagen werden entfernt.

Den Baukredit von rund 10 Millionen Franken hat die Generalversammlung des Vereins Gnadenthal, dem sowohl der Reusspark als auch die ehemalige Klosteranlage gehören, am 19. Mai 2017 verabschiedet. Damit legten die Mitglieder den Grundstein für ein qualitativ gutes Umfeld für die betagten Bewohner im West-Flügel, was gleichzeitig eine Grundbedingung ist, um das Baudenkmal Kloster Gnadenthal für die Zukunft zu bewahren.