«Lean on me, when you’re not strong.» – mit dem bekannten Song des amerikanischen Sängers Bill Withers eröffnete die Schule Jonen ihre Diplomfeier. Für einmal wurden aber keine Auszeichnungen für gute Schulnoten vergeben, sondern Diplome an 13 Streitschlichter. Im Rahmen eines Gewaltpräventionskonzepts sollen diese Schülerinnen und Schüler künftig bei Streitereien, Mobbing und anderen Konflikten auf dem Pausenhof vermitteln.

Streitschlichtung in vier Phasen

«In Konfliktsituation ist man oft nicht stark genug und braucht jemanden zum Anlehnen», nimmt Schulleitungsmitglied Jacqueline Riedo Bezug zum Eröffnungslied und erklärt: «Für solche Situationen gibt es nun die Streitschlichter, welche bei Streitigkeiten zwischen Schülern hinzugezogen werden können.»

Jeweils zu zweit oder zu dritt werden die frischgebackenen Streitschlichter künftig in den grossen Pausen ihre Unterstützung den Primar- und Oberstufenschülern anbieten. Gekennzeichnet sind sie mit farbigen Schlüsselbändern und einem Set von Schlichtungskarten. Diese dienen den Mädchen und Jungen als Gedankenstütze für die vier Phasen einer Streitschlichtung: Begrüssung und Vermitteln der Regeln, Geschichten beider Seiten anhören, selbstständig Lösungen finden sowie Vereinbarung und Verabschiedung.

Natürlich wurden die 13 Schülerinnen und Schüler nicht ohne Vorwissen mit dem verantwortungsvollen Posten betraut. Während der letzten Jahre wurden sie von Oberstufenlehrerinnen ausgebildet und bekamen einen Einblick in zwischenmenschliche Themen: Welche Arten von Konflikten gibt es? Wie entstehen sie, wie sind sie zu lösen?

Auch Lehrkräfte profitieren

Konflikte und deren Lösung werden von den Streitschlichtern jeweils protokolliert und bei der Schulsozialarbeit aufbewahrt. Das neue Konzept komme nicht nur den Schülern, sondern auch den Lehrern zugute, wie Martin Schneider, Stellenleiter der Schulsozialarbeit, erklärt: «Wenn Konflikte bereits in der Pause gelöst werden, gibt es mehr Ruhe in den Klassen und die Lehrer haben mehr Zeit zur Vorbereitung.»

Auch Riedo ist vom neuen Konzept überzeugt: «Die Streitschlichter werden von allen ernst genommen. Es entstehen auch gute Gespräche – nicht nur bei den älteren, sondern auch bei den kleineren Kindern.»