Alikon
Neues Buch: «habö» sagts nicht nur Frau Angelthür

Kleinbauer und Autor Hans Bösch bringt ein neues Buch heraus.

Eddy Schambron
Merken
Drucken
Teilen
Hans Bösch war Kleinbauer, ist Schriftsteller und mit viel Freude auch Musiker. ES

Hans Bösch war Kleinbauer, ist Schriftsteller und mit viel Freude auch Musiker. ES

Eddy Schambron

Der Name Angelthür ist erfunden, nicht aber die Frau: Es war eine deutsche Bundestagsabgeordnete aus Lauchringen im Landkreis Waldshut, welche unbewusst den Anstoss für das fünfte Buch von Hans Bösch gab. Mit ihren Ansichten, in einer Zeitung publiziert, holte sie den Kleinbauern sozusagen hinter der Ofenbank seines Heimetli in Alikon hervor und liess ihn wieder zur Feder greifen. Herausgekommen ist ein gut 80 Seiten starkes Buch im Eigenverlag. «Noch etwas, Frau Angelthür» enthält Texte und Wortspielereien von Hans Bösch, «Wesentliches über das Wesen einer Nation.»

Wie man ihn kennt

Was ist bekannter: Der Name Hans Bösch oder sein Kürzel «habö»? Bekannt ist auf jeden Fall seine Art zu denken und zu schreiben, weil er früher im Anzeiger Oberfreiamt kurze Texte publizierte, wenn er die Mistgabel in die Ecke gestellt hatte, und weil er für die Sozialdemokraten eine Zeit lang im Grossen Rat politisierte. Manchmal mit spitzer Zunge, manchmal ironisch, meistens mit etwas Schalk zwischen den Zeilen, oft träf, immer anständig und liebenswürdig: Das neue Werk von «habö» tanzt da nicht aus der Reihe.

Er zeigt der süddeutschen Frau Angelthür auf, dass wir Schweizer «schon sehr speziell» sind. «Sie sehen, gedankenlos geht es bei uns nicht zu und her oder auf und nieder», macht der Oberfreiämter klar. «Da uns zeitgenössischen Schweizern das Exportgeschäft mit Uhren, Kriegsmaterial, Schokolade und anderem problemlos gelingt, ist offiziellerseits schwer einzusehen, dass das Exportieren von unverdaulichen Gefahrenmaterialien und Teile der Luftverkehrsemissionen mit Restrisiko nicht auch gelingen sollte.»

Das Buch, das die «Zeitgenossenschaft» bis in die Anfänge von 1291 zurückbeleuchtet, liest man nicht auf die Schnelle, sondern in Häppchen. Es liefert Denkanstösse, geht kritisch mit Forschern um, die herausgefunden zu haben glauben, dass Mythen und nationale Legenden das wirkliche Geschehen vor etwas über 700 Jahren «überlagert» hätten. Apropos Mythologie schreibt «habö»: «Zwei Mythen in Schwyz könnten was zeigen, müssten es wissen, doch sie schweigen.» Bösch schlägt auch problemlos einen Bogen aus den Anfängen der Eid- in die heutige «Zeitgenossenschaft»: Das Zitat «Mischt euch nicht in fremde Händel», das Niklaus von Flüe, 1417 bis 1487, zugeschrieben wird, habe inzwischen «eine neuzeitliche Entwicklung, Dimension und Aktualität mit zweifelhaftem Beigeschmack erreicht.»

Europäisch günstiger

Hans Bösch, am 12. Februar 1929 in Brunnen, Kanton Schwyz, geboren, besuchte die Handelsschule im Kollegium Schwyz, welche er nach zwei Jahren abbrach und als Knecht in die Landwirtschaft wechselte. An der Landwirtschaftlichen Schule in Pfäffikon besuchte er Weiterbildungskurse und arbeitete an verschiedenen Stellen als Landarbeiter. 1955 heiratete er Anna Sachs aus Sins. Zusammen übernahmen sie oberhalb Alikon das Heimetli «Rüteli», das nun von seinem Sohn und der Schwiegertochter bewirtschaftet wird. Dort kann man den Schriftsteller auch besuchen. Sein Buch, von Annemarie Graupner-Bösch und ihm selber grafisch gestaltet, gibt es für 20 Franken. Oder für 14 Euro, wie es im Buchdeckel steht. Als es gedruckt wurde, ahnte der Zeitgenosse vom Rüteli natürlich noch nicht, dass es in europäischer Währung zum Schnäppchenpreis über den Stubentisch gehen würde.