Wie erklärt man einem Fasnachtsfernen Amt und Würde eines Zunftmeisters? Von aussen betrachtet, ist das Zunftbot ein ausgelassenes Fest mit viel Speis und noch mehr Trank und einem seltsam anmutenden Ritual, bei dem einem Mitglied der Festgemeinde ein Zepter überreicht wird.

Dann gesellen sich auch noch zwei wohlgestalte junge Frauen zu ihm, Ehrendamen geheissen, die ihm während der folgenden Fasnacht nicht mehr von der Seite weichen. Es wird viel gelacht und ein Kalauer jagt den nächsten, aber dennoch wohnt dem Ganzen eine Art von heiligem Ernst inne, der so gar nicht zu dem lauten und farbenfrohen Treiben passen will.

Ehre und Herausforderung

«Dieses Amt besteht vor allem aus Repräsentieren», erklärt Tobias Roggwiller, der frischgebackene Zunftmeister der Heuröpfel-Zunft Sarmenstorf (AZ vom 15. Januar). «Ich habe die ehrenvolle Aufgabe, die Zunft und die Guggenmusik durch die Fasnacht 2018 zu führen. Ausserdem erhalte ich als Zunftmeister auch Einsitz im siebenköpfigen Zunftrat und darf da mitentscheiden.»

Für den angefressenen Fasnächtler, der vor 14 Jahren als Sousaphonist bei den Heuröpfel-Guggern und vor sieben Jahren dann in die Zunft eintrat, ist sein neues Amt Ehre und Herausforderung zugleich: «Ich freue mich auf die Geselligkeit, auf das Zusammensein mit Freunden und auf viele spezielle Begegnungen, die man vor allem als Delegierter der Zunft haben kann. Gleichzeitig weiss ich auch, dass ich da und dort auch mal eine Ansprache werde halten müssen. Davor habe ich einen gesunden Respekt. Als ich am Bot gewählt wurde, hielt ich eine kurze Rede. Für diese fünf Minuten habe ich sechs Stunden gearbeitet.»

Zum Glück ist «Roggi de Wild», so sein Zuname als Zunftmeister, alles andere als arbeitsscheu. Der gelernte Elektroinstallateur gibt nicht nur in seinem Beruf alles, er ist auch in seiner Freizeit einer, der nicht gerne auf der faulen Haut liegt. «Wenn ich etwas mache», sagt der 36-jährige Sarmenstorfer mit Fahrwanger Wurzeln, «dann richtig.»

Das galt während der 20 Jahre, in denen er im FC Sarmenstorf Fussball gespielt hat und gilt heute, wo er als Mitglied der Heuröpfel-Zunft, der Heuröpfel-Gugger und des Moto Clubs Müswangen nichts anbrennen lässt. Drei- bis viermal pro Jahr geht er mit seinem Motorrad auf die Rennstrecke, «aber seit meinem Sturz 2016 habe ich das nun etwas auf Eis gelegt.»

Dafür hat er umso mehr Energie in den Umbau seines neuen Zuhauses gelegt. Zusammen mit drei weiteren Eigentümern hat er den Gasthof zum Wilden Mann in Sarmenstorf gekauft und mit sehr viel Sachverstand und Liebe zum Detail in den vergangenen zwei Jahren in ein hochwertiges Wohnhaus verwandelt. Im Nebengebäude, das zum Ensemble gehört, wird auch heuer wieder die schon legendäre Fasnachtsbeiz «d’ Wälle» eingerichtet.

Den Namen seiner Behausung, «Wilde Maa», machte Roggwiller ganz bewusst zu seinem Zunftnamen. «Ich fand ‹Roggi de Stromer› einfach nicht passend», sagt er, «und die Vorschläge, die meine Guggenkollegen machten, die waren mir irgendwie zu krass; obwohl ich nicht abstreiten kann, dass ich schon auch gerne mal überborde.» Diese Einsicht und all die durchgemachten Nächte beim Hausbau und der Fasnacht, fand er in «Roggi de Wild» perfekt wiedergegeben.

Die Fasnacht ist aber für Roggwiller, der seit zwei Jahren in festen Händen ist, kein Vorwand, um mit Alkohol und Frauen über die Stränge zu schlagen: «Ich geniesse die Geselligkeit und habe nichts gegen einen schönen Rausch, aber wenn ich nicht mag, dann gehe ich auch mal früher nach Hause.» Die Fasnacht hat «Roggi de Wild» in Luzern kennen gelernt, aber feiern tut er sie lieber zu Hause, denn «bei uns ist die Fasnacht viel weniger reglementiert als in Luzern oder auch in Deutschland. Im Freiamt ist einfach mehr möglich».