Gaumen-Freuden

Neuer Wein schlummert in alten Klostermauern

Im Klosterkeller lagert der edle Tropfen.

Im Klosterkeller lagert der edle Tropfen.

Das Weine in Kellern gelagert werden ist nichts Neues. Doch Muri geht noch einen Schritt weiter. Das frühere Trottengebäude ist heute eine moderne Kelterei für Seetaler Weine.

Im Klosterhof wird wieder Wein gekeltert. Gemeint ist aber nicht der Murianer Klosterhof, sondern derjenige von Kurt und Verena Huwiler in Aesch LU.

Aber dieser Hof ist eng mit Muri verbunden, denn das Benedik-tinerkloster besass viele Güter in Aesch, welche an Bauern verpachtet waren.

Zurück zu den Wurzeln gehen Huwilers nun, indem sie nicht nur Reben anpflanzen, sondern neu auch den Wein selber keltern. Dafür wurde das ehemalige Trottengebäude des Klosters Muri umgebaut und mit Chromstahltanks versehen.

Wein lagert seit Jahrhunderten in Muris Keller

1604 wurde auf Geheiss des Abtes Johann Jodok Singisen zu Muri mit dem Bau der Weintrotte, die heute noch in ihrer ganzen Schönheit
erhalten ist, begonnen. 1905 erwarb der Urgrossvater von Kurt Huwiler den Klosterhof, hörte aber mit dem Rebbau auf und betrieb Milchwirtschaft und Obstbau.

Rebbau-Bewilligung erst seit 2000

Der Vater von Kurt Huwiler wollte 1968 wieder mit dem Rebbau beginnen, erhielt aber vorerst keine Bewilligung. Im Jahr 2000 suchte Kurt Huwiler erneut um eine Bewilligung nach und erhielt diese von der Zentralstelle für Obst- und Weinbau in Sursee auch umgehend.

2002 wurden 1,15 Hektaren Reben gepflanzt, heute sind es 1,5 Hektaren. Rund wird nun die Sache mit Mathias Brunner, Önologe und Weinbauer aus Hitzkirch: Im 400 Jahre alten Trottengebäude keltern sie jetzt ihre Weine selber, ein Gebäude übrigens, das sich mit seiner beeindruckenden Höhe als Glücksfall erweist. «Dank dieser Höhe können wir die Weintrauben besonders schonend verarbeiten, weil ein Abpumpen des Traubensaftes nicht notwendig ist. Damit wird der Wein feiner und fruchtiger», freut sich Huwiler.

25000 Flaschen jährlich

Die beiden ergänzen sich bestens: «Ich habe das Gebäude und tätige die Investitionen, von Winzer Mathias Brunner lerne ich das Keltern.» Aber auch für Brunner ist das gemeinsame Vorgehen nur positiv: Er bewirtschaftet auch rund 1,5 Hektaren Reben in Hitzkirch und am Sempachersee. «Ich wollte schon immer den Wein selber keltern, jetzt bot sich die Gelegenheit dazu», sagt er.

Zusammen werden die beiden Weinbauern rund 25000 Flaschen Wein auf den Markt bringen, zwei Drittel davon rot, ein Drittel weiss. Für beide ist der Rebbau kein Hobby, sondern ein wichtiger Erwerbszweig: Huwilers Betrieb ist heute zu gut 50 Prozent auf den Rebbau ausgerichtet, für Brunner, der zusätzlich auch noch an der Berufsschule unterrichtet, ist er ohnehin Beruf(ung).

Noch keine Fremdkelterung

Wird dereinst der Murianer Wein sozusagen «in der Heimat» gekeltert? Huwiler und Brunner schliessen das für die Zukunft nicht grundsätzlich aus. Aber: «Zuerst wollen wir Erfahrungen sammeln, Fremdkelterung ist für uns vorderhand kein Thema.» Zwar sei Fremdkelterung einträglich, aber sie bedeute auch viel Arbeit und vor allem eine grosse Verantwortung.

Die Nähe zum Kloster Muri drückt sich aber bereits heute in seinen Produkten aus: Die Weissweine der Huwilers heissen «Abt Jodok» und «Abt Hironymus», die Rotweine «Abt Ambros», «Abt Dominikus» und «Abt Bonaventura».

Auch damit sollen die historischen Wurzeln des Klosterhofes in Aesch ausgedrückt werden. Die Nachfrage nach einheimischen Weinen ist gut. «Der Markt zeigt zudem noch ein Wachstumspotenzial», stellt Brunner fest.

Zwar werde tendenziell weniger Wein getrunken, aber die Kundschaft geniesse zunehmend gerne regionale Gewächse. «Auch die meisten Restaurants bieten sie heute an», freut er sich. Am 10. und 11. Dezember kann man übrigens an Kellerführungen im Klosterhof teilnehmen.

Es gibt noch weitere Verbindungen vom Klosterhof Aesch ins Freiamt. Der Murianer Klosterbauer Lukas Frey ist nicht nur ein guter Kollege von Huwiler, die beiden sind weit aussen auch noch miteinander verwandt. «Meine Grosseltern sind mit Ross und Wagen früher mal über den Lindenberg nach Muri zu Freys gefahren, um zu jassen», weiss Kurt Huwiler. Und er hat auch das Projekt Lebensbaumpark von Frey ins Seetal geführt und übernommen.

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