Turmfalken und Schleiereulen haben immer weniger Brutmöglichkeiten, da ihre Lieblingsnistplätze in alten Scheunen oder Kirchtürmen durch Sanierungen oft zerstört werden. Aus diesem Grund hat sich der Regionalplanungsverband (Repla) Unteres Bünztal 2009 die Aufgabe gestellt, neue Nistplätze für die beliebten Mäusejäger zu generieren.

Erst wurde mithilfe der lokalen Natur- und Vogelschutzvereine erhoben, wo Turmfalken und Schleiereulen sowie deren Nistmöglichkeiten zu finden sind. Damit wurde ein Übersichtsplan erstellt, der zeigte, wo genügend respektive ungenügend Brutmöglichkeiten vorhanden waren. Aufgrund dieses Planes wurde dann mit verschiedenen Landwirten gesprochen – sämtliche angefragten Bauern stellten ihre Scheune für den Vogelschutz zur Verfügung und hängten Nistkästen an passenden Stellen auf. So sind in der Region in den letzten drei Jahren 13 Turmfalken- und 16 Schleiereulenkästen montiert worden, der letzte im November 2012. Momentan beginnt die Balzzeit. Die Bruten folgen ab März bis August und nach 30 bis 34 Tagen schlüpfen die Jungen.

In den 60ern fast ausgestorben

Turmfalke und Schleiereule sind in den 60er-Jahren aufgrund der starken Pestizideinsätze fast ausgestorben. Dank dem gezielten Einsatz der Pestizide ab den 70ern und der zunehmenden Ökologisierung der Landwirtschaft ab den 90ern haben sich die Populationen jedoch stabilisiert.

Ein spezielles Schauspiel

Die Bauern können sich über Turmfalken und Schleiereulen freuen, denn beide Raubvögel jagen Mäuse. Ausserdem ist der Jagdflug der «rüttelnden», also scheinbar in der Luft stehenden Turmfalken ein spezielles Schauspiel. Schwieriger ist es, die nachtaktive Schleiereule zu sehen. Ihr Gleitflug ist lautlos. Dank ihres «Satellitengesichts» kann sie jedes Rascheln einer Maus erkennen und sie so erbeuten. Tagsüber ruht die Schleiereule vorzugsweise auf einem Balken im Heustock. Wegen ihrer Rufe, die an ein gequältes Kind erinnern, wird der Schleiereule ungerechterweise Schlechtes nachgesagt. Das Gegenteil trifft zu, beispielsweise zieht sie es vor, Konflikten auszuweichen, anstatt zu streiten.

Die neuen Nistkästen, die in der Holzwerkstatt der Stiftung Schloss Biberstein hergestellt wurden, sind durch die Hedinger-Knuchel-Stiftung in Biberstein finanziert worden. Durch das erweiterte Angebot an Nistkästen im unteren Bünztal soll sich nun eine lückenlose Population von Turmfalken und Schleiereulen etablieren können.