Muri

Neuer Kunstführer über die zehn Klostergärten

Peter Paul Stöckli, Verfasser des neuen Kunstführers, im rekonstruierten Küchengarten des Klosters Muri.

Peter Paul Stöckli, Verfasser des neuen Kunstführers, im rekonstruierten Küchengarten des Klosters Muri.

Der Wettinger Landschaftsarchitekt Peter Paul Stöckli schrieb einen Kunstführer über die Klostergärten von Muri. Die Schrift stellt in geraffter Form und auf leicht verständliche Art die Geschichte und Bedeutung der Gärten dar.

Ein Buch mit über 300 Seiten hätte der Wettinger Landschaftsarchitekt Peter Paul Stöckli über die Klostergärten in Muri schreiben können. Entstanden ist ein kurz gefasster Kunstführer, der auf 40 Seiten die Geschichte und die Bedeutung der Gärten kurz und leicht verständlich darstellt. Grosszügige Sponsoren halfen mit, das kleine, bemerkenswerte Werk herauszugeben.

Prominente Gäste in Muri

Den Anstoss für den Kunstführer gab die Vereinigung der Freunde der Klosterkirche Muri. Er habe die Idee, die zehn Klostergärten in einer Broschüre darzustellen, schon vor geraumer Zeit gehabt, erklärte Martin Egli, Präsident der Vereinigung, an der Vernissage vor prominenten Gästen. Abt Benno Malfèr, Erzherzog Simeon von Habsburg und seine Mutter, Erzherzogin Xenia, wollten den Augenblick nicht verpassen, den neuen Kunstführer als Erste in den Händen zu halten.

Nach der Klosteraufhebung 1841 schienen die alten Klostergärten verloren. Sie waren weitgehend zerstört. In einer beispielhaften Aktion gelang es, die Gärten, wesentlich inspiriert von Peter Paul Stöckli, zum grossen Teil zu rekonstruieren und neu anzulegen.

So gut könne es eigentlich weitergehen, meinte Martin Egli launig: Vor seinem geistigen Auge sehe er bereits Teile eines weiteren Klostergartens auf dem asphaltierten Vorplatz des Klosters. Prüfenswert wäre auch, sagte er, im Kreuzganggarten den verschwundenen Brunnen wieder aufzustellen.

Die Gärtner nahmen im Kloster Muri eine wichtige Stellung ein. Sie durften bei den Mahlzeiten zusammen mit den Handwerksmeistern am ersten Tisch im Meisterstübli in der Schaffnerei sitzen. Der Meister habe überdies das Privileg genossen, am Neujahrstag in der Hofstube, dem Speisezimmer des Abtes, zu essen, führte Peter Paul Stöckli aus.

Die Gärtner aus der Familie Laubacher, die sich in Muri niedergelassen hat, trugen den noblen Titel «Hofgärtner», der den leitenden Gärtnern im 18. Jahrhundert verliehen wurde, als Muri zur Fürstabtei erhoben wurde.

Die Haus- und Gesindeordnung des Klosters Muri schrieb vor, dass der Gärtner «an Sonn- und Feiertägen nit ausschweifig» sein dürfe und «umb 6 uhren vor mittag in der Kuchen (in der Küche) sich finden lassen und erzeigen, damit wan kraut und dergleichen in der kuchi manglet, er vorhanden sei.»

Für den Fürstengarten kaufte der Gärtnermeister des Klosters 1742 im Auftrag von Fürstabt Gerold Haimb, einem grossen Garten- und Pflanzenfreund, in Basel vierzehn Pomeranzenbäume ein. Im Sommer erfreuten die Bäume das Auge des Abtes.

Sie überwinterten in der klostereigenen Orangerie. Stöckli beschreibt im Kunstführer den Klosterhof, die Apothekergärten (noch nicht rekonstruiert), den Fürstengarten, den Pflegi-Park, die Orangerie (1798 abgebrochen) , den Konventgarten, den grossen Küchengarten, die geistlichen Gärten (den Friedhof und den Kreuzganggarten) und die Gartenthemen, die in der künstlerischen Gestaltung der Klosterkirche aufscheinen.

Erst ansatzweise erforscht ist das ausgeklügelte Wasserleitungssystem des Klosters. Die Leitungen könnten leider nicht besichtigt werden, weil man sie nie offengelegt habe, erklärte Stöckli auf dem Rundgang.

Grosses Sortiment in der Apotheke

Die Klosterapotheke bezog die Heilpflanzen aus dem Klostergarten und stellte nach einem 1844 erstellten Inventar 314 pflanzliche Arzneimittel her, die nicht nur innerhalb der Klostermauern verwendet, sondern auch an die Ärzte in Muri und die Einwohner abgegeben wurden. Die Gartenkultur habe in den Klöstern ideale Bedingungen vorgefunden, bilanzierte Stöckli. So hätten die Klöster die Voraussetzung für die Entstehung der europäischen Gartenkultur geschaffen.

Der Kunstführer «Die Gärten des Klosters Muri», herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, kann für 10 Franken bestellt werden (www.klosterkirche-muri.ch).

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