Wenn einer Meyer heisst und aus Uezwil stammt, dann lohnt sich die Frage: «Von welchen Meyern denn?» – «Ich gehöre zu den Bucki-Meyern», sagt Stefan Meyer mit einem Lächeln und schiebt gleich nach, «aber fragen Sie mich nicht, woher dieses Bucki kommt.» In der Vergangenheit zu kramen, scheint dem künftigen Gemeindeammann von Uezwil ohnehin nicht speziell zu liegen. Er schaut lieber nach vorn und lebt im Heute. «Ich bin vielseitig interessiert», erzählt der 41-jährige, gebürtige Uezmeler, «sehr naturnah und ein absoluter Freund der Geselligkeit.» Darum ist er auch stark im Vereinsleben engagiert, etwa im Vorstand des Turnvereins, als Aktiver bei der Feuerwehr, im Schützenverein und bei den Jägern; zur Jagdausbildung hat er sich eben erst angemeldet.

An oberster Stelle stehen für den jungen Gemeindeammann aber seine Frau und die zwei Töchter, welche beide noch die gemeindeeigene Primarschule besuchen. «Durch die neue Regelung mit sechs Jahren Primarschule und drei Jahren Oberstufe muss unsere Ältere nun erst nächstes Jahr nach Wohlen zur Schule», freut sich der stolze Vater. Die Dorfschule liegt Meyer sehr am Herzen, denn die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um sie intakt zu halten und Uezwil für junge Familien attraktiv zu machen. «Wir haben ja sonst nichts mehr im Dorf, kein Restaurant, keinen Laden. Da ist die Schule so etwas wie das Zentrum», sagt Meyer.

Stiefeliryter wird Übungsobjekt

Das über Jahrzehnte und weitherum bekannte Restaurant Stiefeliryter schloss vor ein paar Jahren definitiv seine Tore. «Das war für die Uezmeler sowohl Freude als auch Leid», erinnert sich Meyer, der das Ende des Traditionshauses im Mitteldorf bereits als Gemeinderat miterlebt hat. «Aber für die Feuerwehr war das super. Wir haben dadurch ein tolles Übungsobjekt erhalten.» Das Land, auf dem der Stiefeliryter steht, ist eine der letzten grossen Bauparzellen des Dorfes im Zentrum.

Nach Vorgaben des Kantons – das Gebäude ist volumengeschützt – soll in verdichteter Bauweise neuer Wohnraum entstehen. Für die Gemeindefinanzen wären ein paar zusätzliche Steuerzahler im 470-Seelen-Dorf sicher ein Gewinn. «Das regionale Entwicklungskonzept fördert das Wachstum von kleinen Gemeinden nicht», weiss Meyer, «aber bei Steuereinnahmen von unter einer Million, da spüren wir den Wegzug eines einzigen Steuerzahlers sofort.»

Von daher wäre ein moderates Wachstum der Bevölkerung auf bis zu 580 Einwohner für Meyer sowohl denk- als auch wünschbar. «Die 600er-Grenze werden wir aber nicht knacken.» Stefan Meyer ist ein waschechter Uezmeler mit tiefen Wurzeln im Gemeindeboden. Er stammt aus einer Bauernfamilie, hat selber aber den kaufmännischen Weg eingeschlagen. Die Lehre hat er auf einer Bank gemacht. Heute ist er Berater für betriebswirtschaftliche Softwarelösungen.

Sachgeschäfte vor Parteipolitik

Dass ihn da die finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten seiner Gemeinde besonders interessieren, ist naheliegend. «Wir helfen uns aber im Gemeinderat auch gegenseitig aus. Diese Arbeit ist Teamwork.» Dabei gehe es um Sachgeschäfte, nicht um Parteipolitik. Darum sei er auch bewusst parteilos, wie alle im Gemeinderat. «Meine Ausrichtung ist Mitte-rechts», sagt Meyer. «Eigentlich bin ich ein verhinderter SVP-Wähler. Aber mein Spider ist nicht parteikompatibel.»

Wäre es nach dem Willen seines Vaters gegangen, dann sässe Stefan Meyer weder seit zehn Jahren im Gemeinderat, noch hätte er sich als Gemeindeammann auf die Wahlliste setzen lassen. «Mein Vater war selber viele Jahre Gemeindeammann von Uezwil. Er hat mir dringend davon abgeraten, in die Politik zu gehen», erinnert sich Meyer und lächelt erneut.