Kallern
Neuer Gemeindeammann: «Neinsager gehen mir auf den Senkel»

Philipp Dubler ist der neue, parteilose Gemeindeammann und Sohn einer CVP-Mutter und eines SP-Vaters.

Christian Breitschmid
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Philipp Dubler ist ein positiv denkender Mensch, der sich offen und ehrlich dafür einsetzen will, die Vorzüge von Kallern zu bewahren.Christian Breitschmid

Philipp Dubler ist ein positiv denkender Mensch, der sich offen und ehrlich dafür einsetzen will, die Vorzüge von Kallern zu bewahren.Christian Breitschmid

Christian Breitschmid

Der kürzeste Weg zu Philipp Dubler führt von Wohlen aus durch «d’ Höll» in den Weiler Hinterbühl, wo der zukünftige Gemeindeammann von Kallern wahrhaft paradiesisch wohnt mit seiner Frau, den drei Kindern und der Katze. Das Haus der jungen Familie thront hoch über dem Bünztal. Der Blick darf frei wandern, vom Unter- ins Oberfreiamt, weit über sattes Grün bis hinüber zum Mutschellen und auf die Albiskette. Diese Aussicht kann ihnen keiner mehr nehmen, denn die Überbauung «Langmatt» ist die letzte, die Kallerns Bau- und Nutzungsordnung (BNO) noch zugelassen hat. «Das Ziel dieses Projektes war es, Familien nach Kallern zu locken», erzählt Dubler. «Vor 15 bis 20 Jahren wurde dieses Gebiet erschlossen. Die Langmatt 1 wurde ein voller Erfolg. Vor etwa fünf, sechs Jahren kamen dann nochmals 15 Parzellen dazu, die Langmatt 2. Nun gibt es kein Bauland mehr.»

Durch die Erschliessung der Langmatt konnte die Gesamtschule in Kallern erhalten bleiben, weil viele junge Familien die Chance genutzt und günstiges Bauland von der Gemeinde erworben haben. Die Schule, in der Dublers Vater als Lehrer tätig war, ist das eigentliche Zentrum des Dorfes, das aus vier Weilern zusammengesetzt ist: Kallern (aufgeteilt in Obere und Untere Höll), Hinterbühl, Unter- und Oberniesenberg. Im Schulgebäude ist auch die Gemeindeverwaltung untergebracht, und darüber spannt sich der Dachsaal, wo alle grossen Gemeindefeste stattfinden.

Grosse, weite Welt Muri

Philipp Dubler ist 46, Inhaber eines eigenen Architekturbüros mit einem Angestellten und Kallerer mit Leib und Seele. «Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Die ersten 20 Jahre war ich in Kallern, dann wollte ich hinaus in die grosse, weite Welt und bin für zehn Jahre nach Muri gezogen.» Dubler muss lachen, denn grosse Worte benutzt der erfolgreiche Geschäftsmann und Lokalpolitiker wirklich nur, wenn sie der ironischen Überhöhung dienen. «Nachher kam ich zurück nach Kallern, habe hier gebaut und lebe seither sehr glücklich hier mit meiner Familie.» Seine Frau Elvira kommt aus Widen und war zuerst wenig begeistert vom Gedanken, nach Kallern zu ziehen. Heute sei sie aber genauso im 350-Seelen-Dorf verwurzelt wie er selbst, sagt Dubler.

Dass sich der Parteilose mit der klaren Mitte-Rechts-Ausrichtung schon seit acht Jahren als Gemeinderat engagiert, kommt wohl nicht von ungefähr. Sein Vater, der Lehrer, SP-Mitglied und Gemeinderat Peter Dubler, sowie seine Mutter, die bekannte Alt-Grossrätin und CVP-Poltikerin Flory Dubler, prägten das politische Bewusstsein ihres Sohnes von Kindsbeinen an. Fragt man den frischgewählten Gemeindeammann nach seinen Zielen und den vordringlichen Themen in Kallern, dann muss er lange überlegen, denn «wir haben keine grossen Brocken vor uns in den nächsten Jahren. Unsere BNO ist gemacht und funktioniert. Wir haben vor einigen Jahren ein Leitbild entworfen. Das haben wir bis auf einen einzigen Punkt, den Vitaparcours, umgesetzt.»

Ehrlichkeit ist ihm wichtig

Natürlich gehe er davon aus, dass es immer etwas zu tun gebe für den Gemeinderat, aber er sei ein Mensch, der zuerst einmal sage: «Es kommt schon gut. Wissen Sie, wie beim Wasserglas, das man entweder halb voll oder halb leer sehen kann.» Mit dieser Haltung wolle er auch die Geschäfte als Gemeindeammann angehen, offen und kommunikativ. «Ich weiss, dass ich es nicht allen recht machen kann, aber das soll ein Gemeindeammann auch nicht. Wichtig ist, dass man ehrlich ist miteinander und gemeinsam Lösungen erarbeitet. Das einzige, was mir echt auf den Senkel geht, das sind permanente Neinsager.» Und wozu sagt er immer ja? «Zu einer Bratwurst, wenn ich an einem Fest oder Fussballmatch bin.»