Baden

Neuer Escape Room zur «verbotenen Stadt» – dahinter stehen vier Freiämter Freunde

Zusätzlich zu ihrem Escape-Room über die Spanisch-Brötli-Bahn haben die vier Tüftler von Time Maze nun auch einen zur «verbotenen Stadt» von Brown, Boveri & Cie. gebaut. Am 25. Oktober wird er in Baden eröffnet.

Man hielt sie für Spinner, für Träumer, für Nerds. Kaum jemand hat vor zwei Jahren an die vier Tüftler von Time Maze geglaubt. Doch sie haben es allen gezeigt. Und sind noch lange nicht fertig mit dem Zeigen. Von vorne: Es ist fast genau zwei Jahre her, am 22. September 2017 hat die Firma Time Maze ihren ersten Escape-Room an der Bahnhofstrasse 42 in Baden eröffnet.

Ein Escape-Room ist im Grunde ein Spiel, in das man sich freiwillig einsperren lässt, um sich durch das Lösen von Rätseln wieder daraus zu befreien. Dieses Spiel boomt derzeit weltweit. Die Räume schiessen wie Pilze aus dem Boden. Die meisten Escape-Rooms werden fixfertig in Russland oder anderswo bestellt und hier aufgebaut.

Daher ist es nur logisch, dass manche Labor- oder Sherlock-Holmes-Räume identisch mehrfach in der Schweiz vorkommen. Doch dass einer der Räume von Time Maze zweimal vorkommen könnte, ist schlicht ausgeschlossen.

«Baden gibt unglaublich viele Ideen her»

«Wir haben mindestens 13 Ideen für Räume, die wir hier in Baden bauen möchten», sagt Servicetechniker Cédéric Winkler, 31, einer der vier Mitbegründer. «Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir unsere Räume der Umgebung anpassen, also der Stadt Baden. Und die gibt unglaublich viele Ideen her.»

Während er das sagt, dreht er an einem Regler und dimmt per Fernbedienung das elektrische Cheminée an der Wand, dessen lodernde Flämmchen knistern und Wärme abstrahlen. Er grinst. Natürlich ist auch das Feuer Teil der Spiel-Szenerie, wenn auch aus Sicherheitsgründen nicht ganz historisch korrekt. Er setzt sich auf seinen Stuhl neben einen massiven, historisch anmutenden Holzschreibtisch im hübsch tapezierten Raum. Er sitzt im Büro von Charles Brown. Doch dazu später mehr.

Das erste Spiel von Time Maze heisst «Beutezug 1847» und spielt mit dem Thema der Spanisch-Brötli-Bahn. Architekt Jonathan Geiger, 31, erklärt: «Zu Beginn war unser Ziel, die Miete wieder einspielen zu können. Wir hätten 40 Buchungen pro Monat gebraucht dafür. Im Schnitt haben wir nun über 70 Buchungen pro Monat.»

So können die vier ein Team von Mitarbeitern beschäftigen, die als Spielleiter fungieren, während sie selbst den nächsten Raum in Angriff nehmen konnten. Die Planungs- und Bauzeit dauerte eineinhalb Jahre, die vier vergossen Schweiss, Blut, Tränen, Angst und Freude wechselten sich ab. Jetzt ist er fertig. Das Thema: «Die verbotene Stadt 1901», die Zeit der Industrialisierung, die Zeit der BBC, der Brown, Boveri & Cie.

Inspiration aus Archiven und Stadtführungen

«Am Anfang hatten wir einfach die Idee, dass wir die BBC thematisieren möchten», erinnert sich Einkäuferin Rebecca Zettler, 30. «Wir liessen uns auf themenbezogenen Stadtführungen, Museumsbesuchen und in den Archiven inspirieren. Da erfuhren wir, dass man dem BBC-Areal aufgrund seiner starken Sicherheitsmassnahmen und Abgeschottetheit den Spitznamen ‹die verbotene Stadt› gegeben hatte. Das hat uns sofort gefesselt.»

Die vier Freiämter, die sich alle bereits aus Schulzeiten in Muri kannten, sind Perfektionisten. «Uns ist es wichtig, dass alles so detailgetreu wie möglich der historischen Realität entspricht, und das gefällt auch unseren Kunden, wie die tollen Feedbacks zeigen», hält Fotofachfrau Nicole Meier, 29, fest.

«Nicht nur die Möbel sollen stilecht sein, selbst die Bilder an den Wänden sind Kopien jener, die im Besitz der Familie Brown gewesen sind.» Diese Liebe zum Detail wäre für das Spiel nicht nötig, der durchschnittliche Spieler merke das gar nicht. Wieso tun sie es dann? Winkler erklärt: «Einerseits ist es einfach unser Bedürfnis. Andererseits ist das Erlebnis aber für Leute, die sich auskennen, gleich ein viel grösseres Vergnügen. Das zeigen auch all die tollen Feedbacks, die uns motivieren.»

Er erinnert sich: «Einmal spielte eine Dame unseren ‹Beutezug 1847›. Am Ende sagte sie, es sei toll, aber der Teddybär stamme nicht aus der Zeit. Es stellte sich heraus, dass sie die Besitzerin des Teddybär-Museums war und sich auskennt. Sie war aber so begeistert, dass sie uns einen ihrer eigenen Teddys schenkte, der dem Original aus jener Zeit besser entspricht. Solche Details lieben wir.»

Rätsel und Bauarbeiten – alles selber gemacht

Ursprünglich haben sie sich um finanzielle Unterstützung der Stadt bemüht, «aber das hat nicht geklappt», so Zettler. «Dann haben aber einige Vertreter der Stadt unseren ersten Raum gespielt und waren so begeistert, dass sie uns jetzt auf ihrer Website oder auch in der Touri-Info bewerben.» Ihre Ideen und ihr Perfektionismus führen die vier zum grossen Erfolg.

Und: Sie haben nicht nur die Rätsel selbst ertüftelt, sondern sich alle erdenklichen handwerklichen Fähigkeiten angeeignet und können so ein Produkt anbieten, das von A bis Z nicht nur aus ihrer Feder, sondern auch aus ihren Hämmern und Bohrern stammt. Nach zwei Jahren haben sie eine Pause verdient.

Bei dem Stichwort lachen sie: «Wir haben noch so viele Ideen, vermutlich können wir gar nicht aufhören», sagt Geiger. «Mindestens die Bäderstadt wollen wir noch thematisieren, aber das geht am jetzigen Standort nicht. Da müssen wir uns etwas einfallen lassen.» Es entsteht eine wilde Diskussion, während das elektrische Feuerchen in Charles Browns Büro munter vor sich hin knistert. 

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