Den Wohlerinnen und Wohlern liegt ihr Bahnhof am Herzen. Das merkte man den Fragen an, die sie am Mittwochabend im Casino stellten: Es ging nicht in erster Linie um die 11,4 Mio. Franken, die die Gemeinde an das 23-Millionen-Projekt bezahlen müsste, sondern um inhaltliche, gestalterische und sicherheitsrelevante Fragen.

Diese könnte man in drei Gruppen einteilen: Als Erstes scheint den Einwohnern die Zukunft von Freiverlad und Güterschuppen unter den Nägeln zu brennen. Doch das gehört nicht zum Projekt Neugestaltung Bushof/Bahnhofplatz. «Derzeit läuft die Erarbeitung eines Zielbildes, wir sind bereits sehr weit. Mehr kann ich dazu momentan noch nicht sagen», erklärte Gemeindeammann Arsène Perroud.

Auch das zweite Thema, das von verschiedenen Anwesenden angesprochen wurde, hat grundsätzlich nichts mit dem momentanen Projekt zu tun: die Pläne der SBB. Nationalrat Matthias Jauslin zeigte sich «enttäuscht von den SBB», als ihm die beiden Auskunftspersonen bestätigten, dass auch die neuen Perronkanten nicht genügend lang für Interregiozüge sein werden.

Jauslin wurde von Perroud unterstützt: «Unser derzeitiges Projekt hat keinen Einfluss auf die Verbesserung der Zugsverbindungen. Ich halte aber fest, dass diese verbessert werden müssen. Es muss ein Anliegen für den Kanton sein, das Freiamt als Wachstumsregion auch besser an den öffentlichen Verkehr anzubinden. Diese Bedürfnisse müssen die SBB spüren.»

SBB-Auskunftsperson Michael Steiner erklärte, dass Wohlen am Güterverkehrskorridor Rotterdam–Genua liege und darum insbesondere für den europäischen Güterverkehr wichtig sei. Aber die Anliegen der Wohler seien nicht neu für sie. Man versuche, diese anzugehen. Beispielsweise würden derzeit viertelstündliche S-Bahn-Verbindungen von Wohlen nach Lenzburg angedacht.

Keine dunklen Ecken mehr

Das dritte Thema waren dann wirklich Detailfragen zum Projekt Neugestaltung Bushof und Bahnhofplatz. Hier gingen die Fragen bis ins kleinste Detail, beispielsweise die genaue Platzierung von Abfalleimern oder der Frankenbetrag, den die unterirdischen Parkplätze dereinst kosten werden.

Es gab aber auch relevantere Fragen zum Projekt. Der Sicherheitsaspekt ist vielen wichtig. Hier konnten Perroud und die Planer deutlich aufzeigen, dass der neue Bahnhofplatz auch nachts so gut ausgeleuchtet und so übersichtlich sein wird, dass es «keine gefährlichen, dunklen Ecken» mehr geben werde. Kamerastandorte sind bereits mit der Regionalpolizei abgesprochen.

Ausserdem entsprechen die Rampen zur neuen Personenunterführung West den Normen des Bundesamts für Verkehr. Einzig, dass die neue Rampe auf dem Perron nicht überdacht ist, störte die Interessierten. Aber auch da seien die Regeln des Bundes eindeutig, die Rampe müsse nicht überdacht werden – darum tun es die SBB auch nicht.

Weitere Detailfragen interessierten: Perroud versicherte mehrfach, dass es Sitzbänke sowohl mit und ohne Rückenlehne als auch in der Sonne und im Schatten geben werde. Das neue Dach des Bushofs, dessen Design an Wohler Strohgeflecht erinnern soll, wurde diesmal kaum kritisiert – im Gegensatz zum Vorprojekt vor einem Jahr. «Das Teure am Dach ist der Stahl, den braucht es, egal welche Form das Dach haben wird», erklärte der Ammann.

Zum Schluss hoffte er, dass nun nicht alle nur noch Bahnhof verstünden – oder eben doch, weil sie genauso hell begeistert vom Projekt seien wie der Gemeinderat. Am 19. März wird sich zeigen, wie begeistert der Einwohnerrat ist. Gibt er grünes Licht, kommt das Projekt am 10. Juni vors Volk.