Niederwil
Neuer Anlauf: 9-Loch-Golfplatz beim Reusspark geplant

Vor einiger Zeit scheiterte ein Golfplatzprojekt beim Reusspark in Niederwil. Jetzt wird wieder ein Versuch gestartet. Es soll eine Golfanlage mit 9 Löchern realisiert werden. Baukosten: Sechs Millionen Franken.

Lukas Schumacher
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Verantwortliche des Reussparks und dessen Trägervereins Gnadenthal wollen eine Golfanlage mit 9 Löchern realisieren sowie eine Driving-Ranch, wo Anfänger und Hobbygolfer kurze und lange Abschläge sowie das Einlochen üben können.

Verantwortliche des Reussparks und dessen Trägervereins Gnadenthal wollen eine Golfanlage mit 9 Löchern realisieren sowie eine Driving-Ranch, wo Anfänger und Hobbygolfer kurze und lange Abschläge sowie das Einlochen üben können.

AZ

Vor 13 Jahren scheiterte ein Golfplatzprojekt beim Reusspark in Niederwil. Jetzt wird ein zweiter Versuch unternommen. Verantwortliche des Reussparks und dessen Trägervereins Gnadenthal wollen eine Golfanlage mit 9 Löchern realisieren sowie eine Driving-Ranch, wo Anfänger und Hobbygolfer kurze und lange Abschläge sowie das Einlochen üben können.

Eine Projektvorstudie liegt auf dem Tisch. Demnach benötigt die geplante Anlage 34 Hektaren Kulturland, das zu einem schönen Teil dem Trägerverein des Pflege- und Betreuungszentrums Reusspark gehört. Der kleinere andere Teil der Landfläche ist im Besitz von vier Landwirten, die das Golfprojekt begrüssen.

Gemäss einer Schätzung von Urs Schnyder aus Rheinfelden, dem Geschäftsführer des Golfplatzes Rheinfelden, betragen die Erstellungskosten in Niederwil total rund 6 Mio. Franken. Zusätzliche Hochbauten benötigt der geplante 9-Loch-Platz im Gnadenthaler-Feld nicht, bescheidene Bauten sind einzig für die Driving-Ranch vorgesehen.

Erster Anlauf vor 15 Jahren

Der Golfpark, der vor 15 Jahren in Zusammenarbeit mit der Migros Aare im Reusstal geplant wurde, hatte deutlich grössere Dimensionen als das heutige Projekt. Die Anlage hätte sich auf einer Fläche von 80 Hektaren praktisch über das gesamte Gnadenthaler Feld erstrecken sollen. Vorgesehen waren ein 18-Loch-Platz, ein 9-Loch-Platz und eine Driving-Range. Dem Vorhaben erwuchs von Anfang an heftige Opposition. Neben Pro Natura Aargau war dabei vor allem die Stiftung Reusstal führend. Sie erachtete das Bundesinventar für Natur und Landschaft mit den vier Amphibienstandorten von nationaler Bedeutung als extrem gefährdet. Aus Gründen der Präjudiz, erklärte die Stiftung damals, könne ein solches Projekt nie und nimmer hingenommen werden.
Dem entgegen stand eine Forderung aus dem Landschafts-Entwicklungsprogramm (LEP) des Regionalplanungsverbandes Rohrdorferberg-Reusstal. Dort war gefordert worden, das Gnadenthaler Feld weitgehend zu ökologisieren und der landwirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Mit einem Golfplatz, so waren die Initianten überzeugt, könnte dieses Ziel erreicht werden.

Starke Vorbehalte hatten anfänglich auch die Landwirte geäussert. Sie zeigten sich im Laufe der Gespräche gegenüber den Initianten jedoch mehr und mehr kooperationsbereit. Verhalten positiv hatte sich der Gemeinderat Niederwil gezeigt, dem Initiant Thomas Peterhans damals noch als Gemeindeammann vorstand. Im Frühsommer 2002 zog sich die Migros wegen des sich abzeichnenden Widerstandes vom Projekt zurück und suchte in der Nachbarschaft nach einer Alternative. Geprüft wurde in der Folge ein Projekt in Mägenwil, wie die Bauern bereits ihre Bereitschaft zur Abtretung einer genügend grossen Landfläche signalisiert hatten.

Das Projekt in Mägenwil erlitt allerdings ebenso Schiffbruch wie weitere Vorhaben, die später in der Region geplant wurden. Weder in Aristau noch in Beinwil/Freiamt konnten entsprechende Projekte weiterverfolgt werden. Und auch das vorerst hoffnungsvolle Projekt Herrenberg-Mutschellen hat kürzlich Schiffbruch erlitten. (to)

Laut den Initianten soll die bestehende Scheune des Reusspark-Guthofs zum Golf-Clubhaus samt Materialraum etc. ausgebaut werden.

Für Anlässe im Zusammenhang mit dem Golfbetrieb stünde auf dem Reussparkgelände eine reichhaltige Infrastruktur an Räumlichkeiten zur Verfügung, so das Restaurant Gnadenthal, der Klosterkeller, das Café Reuss und andere Lokalitäten mehr. Reusspark-Direktor Thomas Peterhans erhofft sich von der Anlage «nicht zuletzt einen gewissen Synergieeffekt und wirtschaftliche Impulse für unser Zentrum.»

Ein Drittel der Gnadenthaler Golfplatzfläche soll durch ökologische Massnahmen und Naturelemente aufgewertet, ein Grossteil der Restfläche extensiv genutzt werden. Für die Bewässerung will man eine aktuell stillgelegte Wasserfassung des Reussparks aktivieren.

Reaktionen: positiv und abwartend

Laut Peterhans fielen erste Reaktionen aufs Golfplatzvorhaben «mehrheitlich positiv aus». Die Gemeinderäte Niederwil und Stetten seien grundsätzlich positiv eingestellt, genauso die Geschäftlseitung des Regionalplanungsverbands Mutschellen-Reusstal-Kelleramt.

Ihr Einverständnis signalisierten externe Landeigentümer und die Organisation Pro Natura Aargau. Abwartend verhält sich der Vorstand der Landwirtschaftskommission Niederwil, während die Institution Stiftung Reusstal noch nicht Stellung bezogen hat.

Aussstehend ist auch die Stellungnahme des Kantons Aargau, des Departements Bau, Umwelt und Verkehr. Die Kantonsstellen werden das Golfplatzprojekt unter den Aspekten des neuen Raumplanungsgesetztes und des Landschaftsschutzes beurteilen.

Falls der Kanton grünes Licht gibt und auch der Trägerverein Gnadenthalt Ja sagt, wird eine Projektgruppe gebildet, die eine Interessensgemeinschaft gründen soll, die «IG Golf Gnadenthal». Die Initianten hoffen, den Golfplatz 2018 oder 2019 eröffnen zu können.