Wer ein wirklich breites oder auch wirklich teures Auto fährt, fährt beim Parkieren in Bremgarten seit gestern Donnerstag besser, wenn er oder sie im ersten Untergeschoss des Parkhauses Obertor einen Platz sucht. «Immer weniger Leute haben dieses Parkhaus benutzt, weil ihnen die Parkplätze zu eng waren», erklärte Stadtammann Raymond Tellenbach an der gestrigen Pressekonferenz zur Eröffnung der neuen XXL-Parkplätze. «Nun kann man sich natürlich fragen, ob es daran liegt, dass die Leute weniger gut parkieren können, oder ob der Grund die immer breiter werdenden Autos sind.»

Die Aktionäre der Parkhaus Obertor AG sind an ihrer letzten Generalversammlung zum Schluss gekommen, dass man auf der ersten ihrer insgesamt vier Parketagen XXL-Parkplätze einrichten wolle. Wo früher drei Autos zwischen zwei Säulen Platz fanden, können sich nun zwei Wagen ausbreiten. «Wie viel Mühe die Leute vorher beim Parkieren hatten, sieht man an den Säulen ganz deutlich», sagte Regionalpolizist Reto Lorenzi und verwies auf all die Schrammen und Lackspuren an den tragenden Elementen im Parkhaus.

Kameras erkennen Nummern

Lorenzi, der im Auftrag der Stadt auch als Betriebsleiter des Parkhauses fungiert, ist stolz auf das ausgeklügelte System, das mit der Firma Digitalparking AG in Dietikon entwickelt wurde. Es beruht auf dem digitalen Zusammenspiel von Kameras und dem Ticketautomaten.

Fährt ein Auto ins Parkhaus ein, wird das Kennzeichen von einer Kamera erfasst und zusammen mit dem Ticketcode abgespeichert. Entschliesst sich der Autofahrer, einen XXL-Platz zu benutzen, wird seine Nummer bei der Einfahrt ins Parkgeschoss von der dortigen Kamera erkannt und der Tarif im Ticketsystem angepasst.

Die erste Stunde auf einem XXL-Parkplatz kostet zwei Franken. Anschliessend wird im Viertelstundentakt zu 70 Rappen abgerechnet. Wenn ein Auto nur durchfährt und auf eines der anderen Parkgeschosse wechselt, erkennt die Kamera am Ausgang der XXL-Parkfläche wieder das Kennzeichen und das Ticketsystem rechnet im Normaltarif ab: Die erste Stunde auf den Geschossen zwei und vier ist gratis, jede weitere wird mit 50 Rappen pro Viertelstunde abgerechnet.

Kosten bis zu 50 000 Franken

Das Parkhaus Obertor auf diese Weise umzurüsten, wird die Betreiberin zwischen 30 000 und 50 000 Franken kosten. «Am teuersten sind dabei die Kameras und die Software», erläuterte Lorenzi diese Zahlen. Es gibt zwar, durch die neue Verteilung der Fläche, nun 27 Parkplätze weniger im ersten Untergeschoss, aber Stadtammann Tellenbach ist überzeugt, dass man mit dem neuen Angebot mehr Parkierer anlocken kann. «Ich bin zuversichtlich, dass wir die Investition auf lange Sicht amortisieren können», so Tellenbach. Besonders freut ihn die Vorreiterrolle, die Bremgarten mit dem XXL-Parking in der Schweiz übernimmt: «Es gibt zwar schon ähnliche Systeme, zum Beispiel im Bahnhofparking in Bern, aber weit verbreitet ist das nicht.» Sagt’s und lächelt beim Rausgehen in die Kamera.