Am 13. Juni stimmt die Gemeindeversammlung über ein neues Informatikpaket für die Schulen Bremgarten ab. Die neue Informatik-Infrastruktur kostet 790 000 Franken plus jährliche Folgekosten von 101 000 Franken.

«Thin Clients bringen wenig»

Reallehrer Urs Giezendanner aus Bremgarten ist technischer Verantwortlicher der IT an der Kreisschule Mutschellen. Er kritisiert das vom Stadtrat geschnürte Paket, weil es auf «Thin Clients» setzt (siehe Kasten). «Diese Technologie bringt dem Informatikunterricht wenig, Fachstellen raten davon ab», erläutert Giezendanner.

Häufig sei Lernsoftware inkompatibel mit den «Thin Clients», den «Schlanken Kunden». Zudem gelange diese Technologie in der schultypischen Multimedianutzung recht schnell an ihre Grenzen.

«Kosten zu hoch»

Laut Urs Giezendanner verursacht die Thinclients-Technologie Mehrkosten auf verschiedenen Ebenen, ohne der Schule einen Vorteil zu bringen. Verglichen mit den Standards der Kreisschule Mutschellen verteuere diese Technologie die Beschaffung in Bremgarten um rund 200 000 Franken und im Support um weitere 40 000 Franken pro Jahr.

Hoch angesetzt seien in Bremgarten der Installationsaufwand für die Hard- und Software mit 114 000 Franken sowie der jährliche externe Support durch die Informatik-Firma Steffen mit 60 000 Franken.

«Megatrends fehlen»

Ausserdem, so Giezendanner, fehlten im Informatikkonzept Bremgarten aktuelle Megatrends wie Tablet/iPad völlig. «Derartige Innovationen werden in absehbarer Zeit keine Berücksichtigungen finden», befürchtet der Reallehrer und diplomierte Wirtschaftsinformatiker, «dies wegen der hohen Beschaffungs- und jährlichen Fixkosten der Thinclient-Technologie.

Das verfügbare Geld sei an diese unzweckmässige Technologie gebunden, die zudem über mehr Jahre abgeschrieben werden müsse als die übliche Technologie.

«Thin Clients reichen völlig aus»

Bremgartens Stadtrat Stefan Achermann, zuständig fürs Schulinformatik-Konzept, weist die Kritik zurück. «Unser Konzept sieht je zur Hälfte Laptops und Thin Clients vor. Laptops sind zwar flexibler in der Wahl der Software», erläutert Achermann, «aber Thin Clients reichen für die übliche Nutzung und die Schulung bezüglich Leistung und Software längstens aus.»

Der grösste Vorteil der Thinclients-Technologie liegt laut Achermann im Support. Um Softwareprobleme zu beheben, lokale Updates zu machen oder das Sicherheitssystem zu warten, müsse man künftig nicht mehr von Maschine zu Maschine rennen. Dies werde künftig an einem einzigen Ort und an einer einzigen Softwareumgebung erledigt.

«Mehrkosten, aber auch Mehrwert»

«In der Tat gibt es Mehrkosten», bestätigt Achermann, «und zwar weil der Support fortan professionell organisiert wird und nicht mehr zulasten der Lehrkräfte geht, die Gratisarbeit leisten, und zulasten von Maschinen, die jahrelang ungewartet bleiben.»

Der Mehrwert übersteige die Mehrkosten aber deutlich. So seien Betriebsstörungen wie fehlende Updates, Viren, Trojaner, Botnetze oder Angriffe aus dem Internet im neuen Konzept geregelt und würden mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht vorkommen.

Giezendanners Aussage, Lernsoftware sei mit Thin Clients und virtueller Betriebssystemumgebung häufig nicht kompatibel, treffe zu. Allerdings werde Lernsoftware in den meisten Schulen entweder gar nicht oder eher als pädagogischer Zeitfüller verwendet, jedoch kaum als praktikable, eigenständige Lernhilfe, sagt Achermann.

Tablets hält er «für Lifestylegeräte, die weder nachhaltig noch als Arbeitsgeräte verwendbar sind, sondern bloss als Datenabrufmaschinen fürs Kurzzeitgedächtnis.»