Merenschwand

Neue Produktion: Aus Gras wird wertvolles Trockenfutter

Albert Betschart, Geschäftsführer der Trocknungsanlage in Merenschwand, zeigt, wie Strukturballen produziert werden.

Albert Betschart, Geschäftsführer der Trocknungsanlage in Merenschwand, zeigt, wie Strukturballen produziert werden.

Die Trocknungsanlage in Merenschwand hat mit Strukturballen eine neue Produktionslinie eingeführt.

Die Kühe fressen sie gerne, die Bauern wählen sie gerne: Neben den herkömmlichen Graswürfeln bietet die Grastrocknungs-Genossenschaft Muri jetzt auch sogenannte Strukturballen an. «Die Erfahrungen zeigen, dass sowohl Milch- als auch Mastvieh vorteilhaft auf die Futterstruktur mit einer Faserlänge von drei bis fünf Zentimetern reagiert», sagt der Geschäftsführer der Trocknungsanlage in Merenschwand, Albert Betschart.

Er zeigt auf die Ballen, die bereits für den Abtransport bereitstehen und geht zur Anlage, die das Trockenfutter zu Ballen presst. «Der Vorstand der Genossenschaft hat schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt, eine Ballenpresse anzuschaffen, um dieses Produkt den Bauern anbieten zu können». Dafür hat die Generalversammlung am 10. April letzten Jahres einem Globalkredit von 270'000 Franken zugestimmt. Anfangs Mai wurde der Probelauf der Anlage erfolgreich gestartet, ab sofort können die Kundinnen und Kunden dieses neue Produkt haben. «Wir sind jedenfalls für die gerade begonnene Saison bereit», unterstreicht Betschart.

Etwas staubig, etwas lärmig, aber effizient: Die Trocknungsanlage in Merenschwand bedient die Kunden aus einer weiteren Region.

Etwas staubig, etwas lärmig, aber effizient: Die Trocknungsanlage in Merenschwand bedient die Kunden aus einer weiteren Region.

Jetzt herrscht das Wetter, das die Graszulieferung in die Grastrocknungsanlage fördert. Zum Heuen reicht es nicht, das Gras wächst und will genutzt werden. Allerdings ist der Energiebedarf, der für die Trocknung notwendig ist, umso höher, je nasser das Gras ist. Jährlich verlassen rund 4000 Tonnen Trockengut die Anlage in Merenschwand. «Wir rechnen damit, dass mit dem Angebot der Strukturballen die Menge gesteigert werden kann», stellt Betschart fest. Die Futtertrocknung verursache von allen Konservierungsverfahren die geringsten Nährstoffverluste. Trockengras von guter Qualität kann zudem vom Wiederkäuer als optimales Proteinfutter verwertet werden. Je nach Einsatz wird Trockengras in Form von Pellets oder Strukturhäckselballen gefüttert.

Kunden aus der Region

Die Grastrocknungs-Genossenschaft Muri ist ein reines Lohnunternehmen, sie treibt selber keinen Handel. «Die Zulieferer stammen nicht nur aus dem Freiamt, sondern auch aus dem nahen Zuger- und Zürichbiet», sagt Betschart, seit 32 Jahren für die Trocknungsanlage der Genossenschaft zuständig. Besonders im Vordergrund stehe, dass sowohl Strukturballen als auch Würfel vom Gras des eigenen Betriebs oder zumindest aus der Region hergestellt werden können. «Dieses Produkt hilft auch, die eigene Futterversorgung auf den landwirtschaftlichen Betrieben zu erhöhen.» Nach Ansicht von Betschard ist es immer die bessere Lösung, Futter für die Tiere auf dem eigenen Boden zu produzieren und zu verwerten statt es in Form von Soja aus Südamerika zu importieren.

Pro 100 Kilogramm Strukturballen oder Graswürfel werden bis 15 Liter Ölverbrauch 24.85 Franken Trocknungskosten verrechnet. Bei 20 Liter Ölverbrauch fallen Trocknungskosten von 28.35 Franken an. Wird das Produkt gehäckselt angeliefert, kann eine Reduktion auf 100 Kilogramm Trockenfutter von 3.20 Franken gewährt werden.

Seit 75 Jahren

Die Grastrocknungs-Genossenschaft Muri besteht seit 75 Jahren. Die erste Trocknungsanlage in Muri aus dem Jahr 1944 wurde Mitte der 50-er-Jahre durch einen Brand vollständig zerstört. Sie war elektrisch betrieben. Die nächste, moderne Trocknerei war ölbefeuert. Nach jeweils 16 Jahren wurden zwei neue Anlagen als Ersatz errichtet. 2008 ist am Standort Muri letztmals getrocknet worden. Die Genossenschafter hatten sich entschlossen, die Anlage in Muri abzubrechen und das Gelände zu verkaufen. Seither wird nur noch in Merenschwand getrocknet; diese Anlage mit Baujahr 1973 ist auf aktuellem technischen Stand.

Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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