Mutschellen
Nestputz mit kleinen gefiederten Zuschauern

20 Leute putzten Holzbehausungen der Blau-, Kohl- und Tannenmeisen. Das gibt ganz schön viel zu tun für die Helferinnen und Helfer - denn die meisten Nistkästen sind besetzt.

Lukas Schumacher
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Vogelschützer und Nestreiniger am Werk: Ernst Herzog (auf der Leiter) und Stefan Manser im Wald des Gemeindebanns Oberwil-Lieli. SL

Vogelschützer und Nestreiniger am Werk: Ernst Herzog (auf der Leiter) und Stefan Manser im Wald des Gemeindebanns Oberwil-Lieli. SL

«Auch den Kasten Nummer 103 haben die Meisen besetzt», teilt Ernst Herzog mit. Der Zufiker steht auf einer Aluminiumleiter im Wald des Gemeindebanns Oberwil-Lieli. Kollege Stefan Manser, der in Schongau wohnt und in Berikon aufgewachsen ist, notiert Herzogs Mitteilung in einem kleinen Kontrollheft. Herzog säubert das kleine Vogelhaus mit einem Spachtel. So entfernt er die Überreste eines alten Nestes aus Moos, Federn, Laub und Ästchen. Gleichzeitig tauscht Herzog den lädierten kleinen Holzboden des Häuschens gegen einen neuen Boden aus.

Aus Lärchenholz gefertigt

Acht weitere Zweierteams waren gestern Montag in den Wäldern der Region Mutschellen unterwegs. Dies unter erschwerten Bedingungen, bei klirrender Kälte und gefrorenem Boden. Ein recht anstrengender Freizeitjob, den die Patrouillen gut gelaunt und im Wissen verrichten, dass die jährliche Putzerei Sinn macht. Denn die Meisen bauen bei jeder Brut ein neues Nest für ihren Nachwuchs. Eine saubere Behausung kommt den Vögeln sehr zupass.

Zur Ausrüstung der Teams gehören Hammer, Nägel und zwei bis drei Ersatz-Nistkästen. Verschlissene Kästen werden demontiert und ersetzt. Die Kästen sind aus Lärchenholz angefertigt. Dieses Holz trotzt der Witterung besser als andere Holzarten.

1100 Nistkästen für die Meisen

Gross ist das Gebiet, das der Natur- und Vogelschutzverein Berikon und Umgebung betreut. Es umfasst die Waldungen von Berikon, Widen, Oberwil-Lieli, Bremgarten und Zufikon mit rund 1100 Nistkästen. Unmöglich, alle Kästen an einem einzigen Tag zu kontrollieren. Peter Scheuzger aus Berikon, der Vereinsverantwortliche für die Nistkästen, führt Ende November eine erste Kontrolltour in den Wäldern Bremgartens durch. Dabei putzten Scheuzger und seine Helferschar gut 500 Kästen. Die restlichen knapp 600 sollten gestern instand gestellt werden. Das klappte nicht ganz, denn die Zahl der Helfer war kleiner als erhofft ausgefallen. «Halb so wild», sagte Peter Scheuzger, «jetzt müssen wir halt nachträglich noch ein paar Touren ausführen.»

Nistkastenkontrollen bei Schnee, Eis und grosser Kälte machen sehr hungrig. Üppige warme Essensportionen – Kartoffelstock, Rindsvoressen, Gemüse, Salat – gab es denn auch
am Montag für die Helferschar um 12.30 Uhr beim Waldhaus Berikon.

«Es braucht nach wie vor Kästen»

«Es gibt es leider nicht genügend Baumhöhlen», sagte Vereinspräsidentin Rosmarie Groux, «diese natürlichen Nistplätze wären für die Meisen das Beste.» Daher brauche es nach wie vor zahlreiche künstliche Nisthilfen, die soeben kontrollierten und gereinigten Nistkästen aus Holz. Beleg dafür seien die vielen bewohnten Nistkästen im Vereinsgebiet.

In der Tat waren beim Kontrollgang in Bremgarten rund 90 Prozent der Nistkästen bewohnt. Auf der gestrigen Kontrolltour waren gut 70 Prozent der Behausungen belegt. Demnach nützen die Blau-, Kohl- und Tannenmeisen im Schnitt vier von fünf angebotenen Nistkästen. Eine beachtliche «Ausnützungsziffer.»