Verbindungen in den Aargau

«Nennen Sie mich einfach Otto»: Otto von Habsburg ist gestorben

Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, ist tot. Dass der Name seines Geschlechts auf die Habsburg im Aargau zurückgeht, war dem Doyen des Hauses, Otto von Habsburg , sehr wohl bewusst.

Der langjährige Europaabgeordnete und Ehrenpräsident der Internationalen Paneuropa-Union Otto von Habsburg starb am Montagmorgen im Alter von 98 Jahren in Pöcking am Starnberger See. Otto von Habsburg wurde am 20. November 1912 als Sohn von Erzherzog Karl und Prinzessin Zita von Bourbon-Parma in der Villa Wartholz bei Reichenau an der Rax geboren. 1916 wurde er durch die Thronbesteigung seines Vaters Kronprinz von Österreich-Ungarn. Auf den Zusammenbruch der Donau-Monarchie 1918 folgten Jahre des Exils in der Schweiz, in Madeira, in Spanien und in Belgien.

Eng mit dem Aargau verbunden

Otto von Habsburg kannte den aargauischen Stammsitz der Familie aus eigener Anschauung. Um einen seiner Besuche auf der Habsburg rankt sich eine Anekdote, die zugleich die Grösse und Bescheidenheit des Jubilars erhellt: Unterhalb des Schlosses war er mit der leutseligen Bäuerin Friedy Rüegsegger ins Gespräch gekommen, die in ihm alsbald Otto von Habsburg erkannte. Couragiert fragte sie ihn: «Wie darf ich Sie denn ansprechen?» Die Antwort soll gelautet haben: «Nennen Sie mich einfach Otto.»

In einem Interview mit der Aargauer Zeitung meinte Otto von Habsburg 2008: «Der Aargau ist natürlich ein geschichtlicher Ausgangspunkt für uns. Nicht nur für die Familie, sondern für den ganzen Donauraum.» Die Habsburg werde als der Ort empfunden, von dem die Dynastie herkomme. Sich selbst bezeichnete er sich gar als «Auslandschweizer».

Kronzeuge der Zeitgeschichte

Otto von Habsburg -Lothringen, erstgeborener Sohn des letzten österreichischen Kaiser- und ungarischen Königspaars, ist eine Persönlichkeit von weltpolitischem Format - ein Zeit- und Kronzeuge des gewaltigen Wandels im 20. Jahrhundert und über die Jahrtausendschwelle hinweg. Als Erbprinz der einst mächtigsten Dynastie Europas war ihm das Schicksal eines Monarchen ohne Krone und ohne Land, aber mit einer Mission beschieden. Er war zugleich Betroffener und Mitgestalter einer historischen Entwicklung.

Als Siebenjähriger musste er mit den Eltern und Geschwistern nach der Abschaffung der Monarchie, 1919, Österreich verlassen. Es begann eine lange Odyssee durch mehrere Länder, auch die Schweiz, die vom Tod des Vaters auf Madeira, 1922, sowie den Studienjahren in Luxemburg und Belgien unterbrochen wurde. Die Rückkehr nach Österreich war ihm bis 1935 und erneut ab 1939 bis 1966 versagt. Erfolglos versuchte er 1938, Österreichs Anschluss an das Dritte Reich abzuwehren. Er kämpfte gegen Nationalsozialismus und Kommunismus, gegen Hitler und Stalin.
Kämpfer für die Demokratie

Otto von Habsburg , Staatsbürger von Deutschland, Österreich, Ungarn und Kroatien, Journalist und Schriftsteller, Politiker und Oberhaupt des Hauses Habsburg , Vorsitzender der Paneuropa-Union sowie langjähriger Abgeordneter und Alterspräsident des EU-Parlaments, widmete den grössten Teil seines Lebenswerkes dem Wiederaufbau und der Erhaltung eines freien, demokratischen Europa. In letzter Zeit ist es um ihn ruhiger geworden. Ein Treppensturz 2009 sowie der Tod seiner Gattin, Erzherzogin Regina von Sachsen-Meiningen, und des jüngsten Bruders Rudolf in diesem Jahr setzten ihm zu. Aber sein Langzeitgedächtnis bewahrt die Erinnerungen an ein aussergewöhnliches Leben. (sda/az/dno)

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