Verkehr
Neat: Steht das Freiamt plötzlich im Abseits?

Ob das Freiamt vom Tunneldurchstich am Gotthard profitiert, ist zurzeit noch sehr fraglich.

Fredy Zobrist
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Keystone

Ganz so stimmt das natürlich nicht, denn die rund 250 lärmigen Güterzüge werden täglich für ihre Fahrt zum oder vom Gotthard das Freiamt und somit den Aargau durchfahren. Beim Personenverkehr profitieren die Aargauer dank dem 57 km langen Tunnel auch von der dadurch erzielten Stunde Fahrzeitgewinn auf dem Abschnitt Arth-Goldau–Bellinzona.

Bei den Zufahrten zur Neat wird der viertgrösste Kanton der Schweiz jedoch auf der Seite oder, treffender gesagt, in der Mitte liegen gelassen. So muss ein Aarauer für seine Fahrt nach Arth-Goldau entweder über Zürich fahren und benötigt dafür 11⁄4 Stunden, bei der Fahrt über Olten und Luzern dauert die Reise sogar 11⁄2 Stunden. Für die anschliessende Strecke bis Bellinzona genügen dann 49 Minuten. Überspitzt formuliert benötigt der Aarauer also für seine Fahrt bis Arth-Goldau doppelt so lang wie dann durch die Alpen bis Bellinzona. Und dies, obwohl durch das Freiamt die einzige gut ausgebaute, durchgehend zweigleisige Zufahrt nach Arth-Goldau besteht.

Der Mangel ist lange erkannt

Im Freiamt wurde dieser Mangel schon lange bemerkt. Als Erster reagierte Reto Widmer, damals Einwohnerrat von Wohlen, mit einem Postulat im Jahre 2005. Dieses wurde vom Rat einstimmig gutgeheissen, und der Gemeinderat erhielt den Auftrag, sich für eine schnelle Verbindung in den Süden einzusetzen.

Die Regionalplanungsverbände im Freiamt nahmen diesen Ball auf und fordern seither bei ihren Eingaben im Rahmen der Fahrplanverfahren regelmässig diese schnelle Verbindung. Durch ihren Einsatz bei der Vernehmlassung zur Anpassung des Richtplans Ende 2009 konnten sie erreichen, dass ein schneller Neat-Anschluss in diesen einfloss.

Offerte für schnelle Verbindung

Im Sommer 2009 bestellte die Sektion öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau bei den SBB eine Richtofferte für eine schnelle Verbindung von Aarau bis Arth-Goldau mit je einem Zugpaar an Samstagen und Sonntagen. Mit dieser Offerte wurde die öV-Kommission der Replas im Freiamt aktiv.

Sie informierte die Planungsverbände Aarau, Lenzburg, unteres Bünztal, oberes Freiamt und Bremgarten/Mutschellen/Kelleramt sowie die Räte von Wohlen, Muri, Bremgarten und Rotkreuz über einen möglichen Anschluss ab dem Aargau und die Kosten einer vorgängigen schnellen Verbindung durch das Freiamt als Türöffner.

Bei diesen Stellen stiessen sie erfreulicherweise auf viel Verständnis. Um auf politischer Ebene besser argumentieren zu können, prüfen die Präsidenten der drei Replas im Freiamt die Bestellung einer Studie, welche zum Ziel hat, die betriebliche und wirtschaftliche Machbarkeit zu liefern. Wenn man sieht, welch enormen Aufschwung der Fernverkehr mit der Eröffnung des Basistunnels am Lötschberg genommen hat, ist nicht daran zu zweifeln, dass das gleiche Resultat auch am Gotthard eintreffen wird.

Nicht mehr lange Zeit

Wenn nun am 15. Oktober mit dem Durchstich der ersten Tunnelröhre eine wichtige Etappe bei der Neat realisiert wird, hat der Aargau nicht mehr lange Zeit, damit seine Einwohner angemessen von diesem Jahrhundertbauwerk profitieren können. In etwas geringerem Masse gilt dies auch für die Stadt und die Landschaft Basel, für welche via Hauenstein-Freiamt ebenfalls ein Zeitgewinn von rund einer halben Stunde resultieren würde.