Weiden als Nahrungsgrundlage

Dabei zeigte er auf, welches die Gefahren und Chancen einer Biberfamilie im Oberfreiamt sind. Der Biber ist eine der wenigen Tierarten im Reusstal, welche ihren Lebensraum aktiv gestaltet. Während er sich im Sommer mehrheitlich von Blättern ernährt, ist er im Winter vor allem auf Baumrinde angewiesen. Weiden seien wegen ihrer weichen Rinde dabei besonders beliebt, erklärt Tesini: «Die Kopfweiden in Oberrüti sind für Biber eine optimale Nahrungsgrundlage. Weil die Tiere nicht allzu gross sind, haben sie aber nur Zugang zum unteren Teil des Stammes. Damit sie auch die restliche Rinde und die Triebe fressen können, fällen sie jeweils gleich den ganzen Baum.»

Schüler pflanzten Weiden

Eine besonders enge Verbindung zu den Oberrüter Kopfweiden hat Yvonne Haller. Zusammen mit Primarschülern pflanzte sie damals die Weiden und war auch mitverantwortlich für deren Pflege. Dass diese Bäume jetzt den Bibern zum Opfer fielen, sei schon schmerzhaft: «Zum ersten Mal erlebe ich, wie es ist, wenn einem die Natur etwas nimmt. Als wir die Weiden damals gepflanzt haben, hätte niemand damit gerechnet, dass wir in Oberrüti je einen Biber antreffen würden», sagt Haller. Verteufeln will sie das Tier deshalb aber nicht: «Bei den Naturfreunden setzen wir uns stets für die Natur ein. Es wäre absurd, wenn wir uns, jetzt wo die Natur zu uns kommt, genau darüber beschweren würden.»

Kein Biberfutter mehr

Gemäss Experte Christian Tesini handelt es sich bei den Bibern in Oberrüti um Jungtiere, welche auf der Suche nach einem neuen Revier sind. Dass sich die Nager längere Zeit dort halten können, hält er für unwahrscheinlich. Zu ungünstig sei der Lebensraum, um wirklich sesshaft zu werden.

Am Samstag wurden die verbleibenden Kopfweiden geschnitten, um deren typische Form zu wahren. Die abgetrennten Äste werden in nächster Zeit wieder neu gesteckt – mit genügend Abstand zum Revier der Biberfamilie und mit einem Zaun als Schutz. In der Hoffnung, in ein paar Jahren bei der Weidenpflege wieder etwas mehr Arbeit zu haben.