Hägglingen

Nächste Generation will nicht: Besitzerfamilie verschenkt Maiengrünturm

Die Erbengemeinschaft Gottfried Geissmann will den Maiengrünturm von Hägglingen an die Gemeinde verschenken. Ein neuer Trägerverein soll für die Sanierung des Turmes sorgen.

Der Aussichtsturm auf dem Maiengrün gehört der Erbengemeinschaft Gottfried Geissmann, den direkten Nachkommen von Johann Huber-Schmid. Der damalige Hägglinger Gemeindeammann hat dieses Freiämter Wahrzeichen 1913 grossen Widerständen zum Trotz als Privatmann realisiert. Vorerst war es eine einfache, lediglich 13 Meter hohe Holzkonstruktion.

Diese war allerdings nach 16 Jahren bereits so morsch, dass sie wieder abgebrochen werden musste. 1929 wurde ein neuer, 22 Meter hoher Turm aus Stahl gebaut und sieben Jahre später auf die heutige Höhe von 36 Metern erweitert. Diese Konstruktion hat bis heute unverändert Bestand und ist lediglich 2001 einmal umfassend renoviert worden. Der Maiengrünturm kann somit nächstes Jahr seinen 90. Geburtstag feiern.

Maiengrün Turm

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Symbolischer Franken

Ein Geschäft war der Aussichtsturm für die Besitzerfamilie nie. Mit den Einnahmen aus der Gebühr von einem Franken, die für den Aufstieg über die 216 Stufen erhoben werden, liess sich der Unterhalt nicht finanzieren. Wohl auch deshalb hat die nächste Generation der Besitzerfamilie, der bis vor wenigen Jahren auch das 1930 erbaute Restaurant Maiengrün gehört hat, an diesem Hägglinger Kultobjekt kein Interesse mehr. Die Erbengemeinschaft will den Turm nun aber nicht verkaufen, sie will ihn den Hägglinger Ortsbürgern verschenken.

Am 28. Juni werden sie an der Ortsbürgergemeindeversammlung darüber entscheiden, ob sie dieses Geschenk annehmen wollen. «Der Aussichtsturm ist unser Wahrzeichen. Es ist richtig, dass wir uns für seinen Erhalt einsetzen», sagt Gemeindeammann Urs Bosisio. Aber er sagt auch: «Es gehört nicht zu den Aufgaben einer Gemeinde, einen Aussichtsturm zu betreiben. Deshalb möchten wir die nötige Sanierung sowie den späteren Unterhalt einer Trägerorganisation übergeben.»

Geplant ist laut Bosisio die Gründung eines Vereins, der für die nötige Sanierung sorgt. Der Gemeindeammann denkt bei der Geldbeschaffung an Spendenaktionen, an Mitgliederbeiträge und Sponsoring. «Ich bin zuversichtlich, dass ein solcher Verein die nötigen finanziellen Mittel für eine Sanierung und auch für den späteren Unterhalt aufbringen und somit die Gemeinde entlasten kann», sagt Bosisio, der sich dem Trägerverein als Präsident zur Verfügung stellen wird.

Kosten noch offen

Der Gemeinderat hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Ortsbürgerkommission und des Gemeinderates eingesetzt. Sie hat die Schenkungsmodalitäten und den Sanierungsbedarf für den Turm abgeklärt. Aktuell wird unter Beizug von Fachleuten ein Sanierungsprojekt ausgearbeitet, um Klarheit über den Kostenbedarf zu erhalten. Neben der Sanierung der Bausubstanz sind auch Investitionen in die Sicherheit erforderlich, weil die Konstruktion nicht mehr in allen Bereichen den heutigen gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Detaillierte Ausführungen dazu hofft Bosisio an der Ortsbürgergmeind machen zu können. Die Rahmenbedingungen und Modalitäten der Schenkung sind in einem Vorvertrag festgehalten. Stimmen die Ortsbürger dem Vorhaben zu, wird der Schenkungsvertrag vorerst nur unter Vorbehalt unterzeichnet: «Die Schenkung kommt nur unter der Voraussetzung zustande, dass die Finanzierung einer Sanierung durch eine Trägerorganisation sichergestellt werden kann. Wenn das bis zum 30. Juni 2019 nicht passiert, wird die Schenkung nicht vollzogen», erklärt der Gemeindeammann.

Aufgrund der Bedeutung, welche der Hägglinger Aussichtsturm für das Dorf und das Freiamt hat, ist davon auszugehen, dass den Ortsbürgern die Schenkung willkommen ist. Vor 90 Jahren hat sich der Gemeinderat noch mit Händen und Füssen gegen das Bauwerk gewehrt. Wenige Tage vor der Einweihung des aus Stahl gebauten, zweiten Turms meldete er beim Regierungsrat Bedenken bezüglich der Konstruktion und der Sicherheit an.

«Die Regierung liess den Turm durch einen Experten inspizieren und dieser hat keine Mängel gefunden. Die Schliessung wäre für uns ein schwerer Schaden und eine grosse Schande gewesen», hielt Johann Huber, der damals schon nicht mehr Gemeindeammann war, in seinem Tagebuch fest. Das Vorgehen der Behörde erwähnte er als «Schurkenstreich» und sprach von «hörnigen Methoden gegenüber missliebigen Personen».

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