Fünfte Jahreszeit

Nachwuchsprobleme: Die nächste Freiämter Guggenmusik löst sich auf

Die Bünzer Bünzgeischter lassen es heuer nochmals richtig krachen – danach ist Schluss.

Die Bünzer Bünzgeischter lassen es heuer nochmals richtig krachen – danach ist Schluss.

Nach der diesjährigen Fasnacht hören die Bünzgeischter aus Bünz auf. Wie geht es den anderen Freiämter Guggen?

Fasnacht ohne Guggenmusik? Unvorstellbar, unmöglich, ungeheuerlich – vor allem in der Fasnachtshochburg Freiamt. Doch das könnte bald Realität werden. Die Guggenmusiken haben Probleme, Nachwuchs zu finden.

Vor zwei Jahren mussten sich bereits die Hübelfäzzer aus Berikon auflösen. Jetzt teilen die Bünzgeischter aus Bünzen dasselbe Schicksal. Für sie wird es die letzte Fastnachtsaison sein.

Die Guggenmusik Bünzgeischter wurde 1990 gegründet. Heuer feiern sie ihr 30-Jahr-Jubiläum. «Der perfekte Zeitpunkt, um aufzuhören», wie Mitglied Reto Biedermann sagt. Tobias Strebel ist Präsident der Bünzgeischter.

Er ergänzt: «Momentan sind wir gerade mal 22 Nasen. Und das auch nur, weil wir unser Jubiläum feiern.» Die Bünzgeischter haben also schon seit längerem Probleme, neue Mitglieder zu rekrutieren. Das war aber nicht immer so.

Entscheidung fiel den Bünzgeischtern sehr schwer

Reto Biedermann erzählt: «Als ich vor neun Jahren angefangen habe, waren wir fast 40 Leute in der Gugge.» Seitdem gebe es immer mehr Austritte. Gründe dafür: Alter, Beruf oder Familie. Bislang blieben die Bemühungen erfolglos, junge Leute für die Gugge zu begeistern.

«Vor einigen Jahren verteilten wir Flyer in jedem Haus der sieben umliegenden Gemeinden, aber keine einzige Anmeldung folgte darauf», sagt Biedermann.

Nun mussten sich die Bünzgeischter jedoch eingestehen, dass es so nicht mehr weitergeht. «An den letzten beiden Generalversammlungen ging es nur um dieses Thema», sagt Präsident Strebel. Biedermann fügt an: «Selbst ich musste zugeben, dass es sich so nicht mehr lohnt. Und ich will die Gugge wirklich nicht aufgeben.»

Barbara Rex ist seit 22 Jahren bei den Bünzgeischtern: «Es ist schwer, den Verein aufzugeben», sagt sie. Strebel stimmt ihr zu: «Ich habe es noch gar nicht realisiert. Ich denke, das werde ich erst, wenn ich das letzte Mal auf der Bühne stehe.»

Schule, Lehre und Sport sind wichtiger

Die Bünzgeischter sind aber nicht die einzige Freiämter Guggenmusik, die seit längerer Zeit ums Überleben kämpft. Auch die Fasnachtsgesellschaft Heid-Heid aus Villmergen verzeichnet einen Mitgliederrückgang: «Sieben Jahre lang hatten wir keinen einzigen Neuzugang», sagt Präsident Oliver Meyer.

«Momentan haben wir 34 aktive Mitglieder. Das sind rund zehn Personen weniger als vor sieben Jahren.» Ähnlich geht es den Mery-Güügern aus Merenschwand. Der Präsident Erich Eberhard sagt: «Wir sind 36 Personen im Verein, vor zehn Jahren waren es noch 50.» Auch sie finden einfach keinen Nachwuchs.

Reto Stöckli, Präsident der Lindenberggeischter aus Buttwil, sagt: «Man muss aktiv auf die jungen Leute zugehen. Sie lassen sich weniger schnell motivieren als früher. Wenn man Mitglied in einer Guggenmusik ist, bringt das auch Pflichten und Arbeit mit sich. Dennoch überwiegen sicherlich der Spass und das Vergnügen.» Seine Gugge hat ein Durchschnittsalter von 25 Jahren.

Heid-Heid-Präsident Oliver Meyer sieht einen Grund für das Nachwuchs-Problem auch in gesellschaftlichen Veränderungen: «Die Ansprüche in der Schule oder in der Lehre sind so gross geworden, dass Jugendliche viel mehr Zeit investieren müssen», sagt er.

«Ausserdem haben Sport und Fitness einen höheren Stellenwert als Musik bekommen.» Und wenn überhaupt noch musiziert werde, dann meist keine Blasinstrumente: «Andere Instrumente liegen eher im Trend.»

Keine Probleme bei Sädel- und Näbelgeischtern

Trotzdem gibt es auch Guggenmusiken im Freiamt, denen es sehr gut geht. Zum Beispiel den Zufiker Sädelgeischtern: «Wir haben pro Jahr etwa fünf bis sechs Neuzugänge», sagt Präsident Jean-Marc Berchtold. Momentan zählt seine Gugge 43 Mitglieder.

Die Joner Näbelgeischter haben etwa gleich viele Beitritte pro Jahr, betätigt Präsident Lucas Burri. «Schwankungen gibt es immer. Es ist eine Generationenfrage», sagt er.

Die Hächle-Gugger aus Hägglingen haben sich in den letzten Jahren wieder erholt: «Wir freuen uns darüber, dass die Mitgliederzahl eher steigt», sagt Präsident Tobias Rychener. Momentan hauen und prusten bei den Hächle-Guggern zwischen 28 und 38 Musikanten auf die Pauken und in die Trompeten.

Tobias Strebel, der baldige Ex-Präsident der Bünzgeischter Bünzen, zieht sein Fazit: «Die Schere zwischen den grossen und kleinen Guggenmusiken geht immer mehr auf.» Er könne es auch irgendwie nachvollziehen, wenn Jugendliche lieber einem grossen Verein beitreten, «als einem kleinen, der ums Überleben kämpft», sagt er.

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