Wo normalerweise Nachwuchs-Judokas ihre Würfe üben, warteten am Mittwoch rund dreissig Mütter, Väter, Geschwister und Freunde der kleinen Sportler gespannt und mit Kameras ausgerüstet auf den Beginn des Trainings. Wozu die Aufregung? Die Spannung galt dem Mann, den Trainer René Burch zum Training eingeladen hatte: Ciril Grossklaus. Er hat an internationalen Turnieren zahlreiche Medaillen abgeräumt, nahm 2016 an den Olympischen Spielen in Rio teil und ist zweifacher Schweizer Meister.

Vor Trainingsbeginn bestaunten die Kinder den grossen Mann mit dem bestickten Judoanzug und dem schwarzen Gurt. Ein Junge war skeptisch: «Wieso ist dein Gurt so neu? Bist du schon lange Profi?» Schmunzelnd antwortet der sympathische Brugger: «Profi bin ich seit rund neun Jahren. Den Gurt habe ich neu gekauft, weil der andere nicht mehr so schön war.»

Der 26-Jährige war nicht zum ersten Mal im Movimento: «Ciril ist ein super Typ. Er ist bescheiden und ein fairer Topsportler. Als ich ihn 2015 das erste Mal eingeladen habe, versprach ich ihm, ihn wieder zu buchen, sollte er es an die Olympischen Spiele schaffen», erinnert sich Burch.

Jungsportler motivieren

Was kann Grossklaus den Kindern mitgeben, was der erfahrene Trainer nicht kann? «Ich komme vom Wettkampf. Nebst Grundlagen und anderen Herangehensweisen an gewisse Techniken kann ich die Kinder hoffentlich ein wenig für den Leistungssport Judo begeistern», erzählte er. Sein Ziel war, so viele neue Judokas zu motivieren wie möglich. Mehr Top-Athleten führen zu mehr Wissen in der Randsportart, was dem Schweizer Judo zugutekommt. «Natürlich würde es mich freuen, wenn in ein paar Jahren beispielsweise ein Schweizer Europameister mich als seine Inspiration angeben würde», schmunzelte er.

Beide Kurse ausgebucht

Insgesamt sollte der Event den Zuschauern und den Kindern vor allem Spass bringen. Da das Spezial-Judo-Training vor zwei Jahren so grossen Anklang gefunden hatte, entschloss sich Burch dieses Mal für zwei Trainings. Die beiden Lektionen waren mit je 30 Schülern ausgebucht und die Kinder höchst motiviert. Beim Einwärmen war ein Junge so eifrig bei der Sache, dass er beim Versuch, seinem Gegner auf die Füsse zu treten, fast aus der Türe in den Nebenraum gefallen wäre. Als der Profi einen Wurf vorführte, kamen die Kinder kaum mehr aus dem Staunen. Beim Üben wollte die eine oder andere Übung bei den Mini-Judokas noch nicht richtig klappen. Immer wieder blickten sie hilfesuchend zu Grossklaus hoch. Geduldig half er jedem einzelnen Schüler.

Zwischen den beiden Trainings hatten Kinder und Eltern die Möglichkeit, Ciril Grossklaus Fragen zu stellen. Einige nahmen das etwas ernster als andere: «Was war dein schwierigster Kampf in Rio?», wollte ein kleines Mädchen wissen. Als Ciril den harten Kampf gegen einen Franzosen beschrieb, rief ein Junge plötzlich: «Ich kann auch Französisch!»