Offenbar liegt spätestens seit dem Kinofilm «More than Honey» das Imkern wieder im Trend. Gut für die Bienen, denn das Bienensterben ist ein grosses Problem. Gut aber auch für die Imker, denn bis vor einigen Jahren war die Rekrutierung des Nachwuchses ein Problem.

Elisabeth Guggisberg, Bienenberaterin des Bienenzüchtervereins Bremgarten, ist Letzteres ein wichtiges Anliegen. «Die Natur kommt bei den Kindern heute oft zu kurz. Wir möchten ihnen nicht nur den Wert der Bienen näherbringen, sondern die Schüler für einmal auch vom Handy weglocken und sie stattdessen all ihre Sinne gebrauchen lassen», erklärt die Eggenwilerin. Dazu wurde das Projekt KIBIU (Kinder-Bienen-Umwelt) ins Leben gerufen. Der kostenlose Kurs startete im Frühling in die erste Runde. Insgesamt an sechs bis zehn Nachmittagen treffen sich die Bienenfreunde in Künten. Das Ziel: den Kindern eine erste einfache Ausbildung zum Jungimker zu ermöglichen.

Buckelbrut und Bienenstich

Ron, einer der Jungen, läuft aufgeregt zur Bienenberaterin und zeigt ihr stolz den Lohn seiner Arbeit: die Einnahmen aus dem Verkauf seines eigenen Honigs. Diesen haben die sechs Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren vor einigen Tagen durch Schleudern selbst gewonnen. 20 Kilogramm Honig von vier Völkern war ihr Ertrag. Guggisberg erklärt: «Das Geld investieren die Kinder in unsere Abschlussfeier im August, wo wir Eltern und Sponsoren zeigen, was wir gemacht haben.» Die anderen Kinder sitzen am Tisch neben dem Bienenhaus mitten im Wald. Während die jungen Imker Eis essen, braut sich über ihren Köpfen ein Unwetter zusammen. «Wenn es windig und gewittrig ist, sind die Bienen meist stechfreudiger», sagt die Imkerin. Den Teilnehmern scheint dies wenig Eindruck zu machen. Euphorisch montieren sie ihre Imkeranzüge, die aus einer Jacke, Handschuhen und einem Schlupfschleier bestehen, gesponsert von der Bienen Meier AG.

Programmpunkt am heutigen Nachmittag: das Kontrollieren der Brut. Nachdem Guggisberg, die selbst zirka 70 Völker betreut, mit dem Bienentabak die Tiere besänftigt hat, öffnen die Kinder die selbst bemalten Bienenkisten ihres eigenen Volks. Lautes Summen ist zu hören. Gründlich betrachten sie die Waben, die mit Bienen übersät sind. «Das sieht gar nicht gut aus», rufen sie aber schon bald überrascht. Tatsächlich: Unter den Bienen ist keine Königin zu finden, und bei den Eiern handelt es sich um eine sogenannte Buckelbrut. Dies sind Eier, aus denen keine Königin schlüpfen wird. Irgendetwas stimmt also nicht mit diesen Bienen. «In einem solchen Fall würden wir das gesamte Volk auflösen müssen. Wir warten aber erst einmal ab», bestimmt die Bienenberaterin.

Auf dem Weg zurück ins Bienenhaus klagt Simon plötzlich über Schmerzen im Bein. Er wurde gestochen. «Das ist das erste Mal, seit ich hier bin, dass ich gestochen wurde», berichtet er. Guggisberg, die gelernte Krankenschwester ist, weiss sofort Rat: «Am besten hilft Spitzwegerich, der an jedem Wegrand wächst, oder das natürlich vorkommende Propolis. Damit desinfizieren auch die Bienen ihren Stock.»

Projekt geht in nächste Runde

Nachdem der Stich behandelt wurde, lötet der 14-jährige Simon, der die Strecke von Stetten nach Künten jeweils mit dem Fahrrad zurücklegt, die neuen Waben. «Ich wohne auf einem Bauernhof. Mit meiner Familie habe ich darüber gesprochen, wie es wäre, wenn wir selber Bienen halten würden. Um Erfahrung zu sammeln, habe ich mich zusammen mit meiner Schwester angemeldet.» Am meisten Spass habe ihm das Schleudern gemacht. «Die Varroamilben, die, wie ich gelernt habe, für Bienen sehr gefährlich sind, interessieren mich sehr», sagt er.

Auch die 10-jährige Lara und ihre ein Jahr ältere Freundin Alina sind vom Gelernten beeindruckt: «Das Suchen der Königin oder auch die Pflanzenkunde haben uns sehr gefallen.» Beide könnten sich vorstellen, in Zukunft zu imkern. «Bei uns gibt es viele Bienen im Garten, und ich wollte einfach mehr darüber wissen. Ich bin froh, dass ich mich für das Projekt angemeldet habe», freut sich Alina. Die Motivation und Ausdauer der Kinder beeindruckt Guggisberg. «Ich bin zufrieden, wie der Kurs bis jetzt verlaufen ist. Die Schüler sind sehr interessiert und haben viel gelernt.» Das erlangte Wissen der jungen Imker werde am Ende des Projekts auf die Probe gestellt. «Sie werden einen Test absolvieren und erhalten anschliessend eine Urkunde.» Doch zuvor werde noch einmal Honig geschleudert und verkauft. «Das Pionierprojekt ist gelungen. Ich möchte nächstes Jahr unbedingt wieder einen Kurs veranstalten», sagt die Imkerin. Dafür können sich die Kinder bis Januar anmelden.